Gottes Zukunftsprogramm

Jeremia 31, 33

Die Geschichte des Volkes Israels ist eine Geschichte der Gnade und des Gerichtes. Verließ das Volk seinen Gott, erlebte es bald die Folgen seiner Entscheidung; diente es ihm aber und hielt sich an den Bund, den der Herr mit ihm gemacht hatte, erschien Gottes Angesicht freundlich und Gott segnete sein Volk. Trotz dieser wiederholt gemachten Erfahrungen ließ es sich immer wieder zum Ungehorsam gegen Gott verführen. Sünde ist Aufkündigung der Gemeinschaft mit Gott. So klagte der Herr: „Du hast mir viel Mühe gemacht mit deiner Sünde.“ Gott sandte Propheten, die es ermahnten und vor den Folgen warnten, um es wieder zurecht zu bringen, bis dass der Herr durch Jeremia sagen ließ, er wolle einen neuen Bund mit seinem Volk machen, „nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben. ... Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“

Heute mehren sich Stimmen, die besagen, dass die zu erlebenden und sich mehrenden schrecklichen Ereignisse wie Kriege, Naturkatastrophen, Terrorismus und Zerstörung göttliche Gerichtsfolgen sind und zum Wesen unserer gefallenen Welt gehören. Die Menschheit wird durch die Ereignisse gereichtet. Die Zahl der Katastrophen hat sich in den letzten dreißig Jahren verdreifacht. Auch der Böse zeigt, wozu er fähig ist, dennoch ist aber alles im Gesamtplan der göttlichen Gerechtigkeit und Erlösung beschlossen, der das Böse sich vollenden lässt, bis es endgültig überwunden und besiegt ist. Gott ist also kein ohnmächtiger Zuschauer. Wenn wir auch in den westlichen Ländern in einer Vergnügungs- und Spaßgesellschaft leben, täuscht doch nichts darüber hinweg, dass es eine höchst bedrohte Welt ist. Gott möchte sich der Welt offenbaren, doch sie liebt die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke sind böse ( Joh 3,19 ). Gott hat der Welt den Sinn verblendet und sie kann die Wahrheit nicht erkennen.

„Noch nie hatten die Deutschen soviel Angst“. Das war die Schlagzeile auf der ersten Seite vieler Tageszeitungen am 9. Sept. 2005. Die Zukunftssorgen der Menschen in diesem Land würden vor allem, so wollen die Meinungsforscher festgestellt haben, die Lebenshaltungskosten, die wirtschaftliche Situation, schließlich die Arbeitslosigkeit betreffen oder die Möglichkeit, ein Pflegefall im Alter zu werden. Eine Woche zuvor konnte man in einer großen Tageszeitung lesen: „Deutschland schleift seine Gotteshäuser.“ Aufgezählt wurden einige Kirchen, die einmal als Schmuckstücke verschiedener Städte galten. Schuld daran sei nicht nur die Vergreisung der Gesellschaft, die Zersiedelung der Landschaft, sondern vor allem der dahinschmelzende Glaube. Wo Glaube nicht mehr gefragt sei, mache sich die Angst breit. Man könne schlicht sagen, die Deutschen haben den Glauben gegen die Angst eingetauscht. Der Glaube schenke Geborgenheit und Zuversicht. Die jetzt vor dem Abriss stehenden Kirchen wären nicht umsonst errichtet worden. Sie hätten den gläubigen, bauenden Generationen von damals Kraft geschenkt, das Leben im Sinne Gottes zu bewältigen. Diese Generation habe offensichtlich die Kraft nicht mehr, sie gäbe sich lieber der Angst hin.

Als am 28. August 2005 eine Flutkatastrophe New Orleans heimsuchte, rief wenige Tage danach die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, zu einem bundesweiten Tag des Gebets auf. „Im Angesicht der Verwüstung durch den Hurrikan Katrina, da wir ständig Menschen in tiefster Not treffen, in größtem Leid versunken, kehren wir zu Gott um, um Kraft, Hoffnung und Ermutigung zu schöpfen“, sagte sie wörtlich. Man sieht also einen Zusammenhang zwischen seelischer Unordnung des Menschen und den vom Menschen verursachten Störungen in der Natur. Das Geschehen vom 11. September 2001 hat viele Forscher an das prophetische Wort in Offb. 18 – den Fall Babylons – erinnert. Dreimal lesen wir ein doppeltes „Wehe“ und dreimal wird das Plötzliche und Überraschende ihres Sturzes betont.

Alles das ist aber auch ein göttlicher Aufruf zu Buße und Umkehr, wenn es auch für die Entwicklung des Reiches Gottes nicht entscheidend wichtig ist. Muss aber der allmächtige Gott uns wieder an die Hand nehmen, wie er es bei den Vätern tat? Ich bin überzeugt, dass es der Fürbitte vieler zu verdanken ist, dass der Feigenbaum, von dessen Schicksal wir in Lukas 13, 6 – 9 lesen, noch nicht abgehauen ist und die in Offb. 7,1 erwähnten Winde noch gehalten werden. Die gegenwärtigen Entwicklungen sollen uns nicht in Angst und Schrecken versetzen, aber uns wachrütteln. Wir fixieren uns nicht zu sehr auf Schreckensmeldungen, sondern sehen auf unseren Herrn, der sein Kommen angesagt und es vorhergesagt hat: „Auf Erden wird den Völkern bange sein und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht“ (Lukas 21,25-28).

Wenden wir uns in Krisenzeiten zu Gott hin, wird die Krise zur Wende. Wurde der alte Bund auf steinerne Tafeln geschrieben (und gebrochen), ergreift der neue Bund das Herz des Menschen. Gottes Sache wird für die Menschheit zur Herzenssache, er wendet sich seinem Volke wieder zu und kehrt bei aller Verkehrtheit des Menschen die Geschicke der Welt um. Er allein schafft die Wende und rettet sein Volk aus dem Gericht, das durch die Sünde handlungsunfähig geworden ist und schafft damit eine neue Grundlage für den neuen Bund, und der Mensch erkennt: „Nichts hab’ ich zu bringen, alles, Herr, bist du.“ Spricht der Herr von einem neuen Bund, bedeutet es also nicht Sanierung des alten Bundes, die etwa durch fromme Übungen erreicht werden könnte. Gott implantiert ein neues, ein mit seinem Geist erfülltes Herz, das für ihn schlägt und auf seine Weisungen reagiert. Der neue Bund ist ein Geschenk der Gnade Gottes und kann und muss nicht erarbeitet werden. Die Dynamik des neuen Bundes ist der Heilige Geist, ist die Vergebung. Mit Christus ist der neue Bund gekommen, in Brot und Wein sehen wir die Bundeszeichen.

Noch lebt der Mensch des neuen Bundes angefochten, doch lebt er im Bund der Verheißung und zu einer neuen Hoffnung berufen, der Hoffnung auf den wiederkommenden Herrn und der völligen ewigen Gemeinschaft mit Gott. Das muss bei der Verkündigung des Evangeliums oberste Priorität haben! Wir haben eine Zukunft, weil Gott auf uns zukommt. Zwar wird gerne durch Analysen und Prognosen eine Wende zu einer besseren Welt angepriesen, doch stets erleben wir eine andere Wirklichkeit. Gott macht keine leeren Versprechungen, er lässt sein Wort Tat werden und verändert inmitten des Ungehorsams den Menschen von innen heraus und damit die Welt. Das Vergangene ist vergeben und er schenkt eine neue Zukunft. Auch wenn wir scheitern und noch manche Stürme über uns hinwegbrausen, Gott steht zu seinem Bund.

Franz Simons

Ausgabe