Ich werde sein, der ich sein werde

2. Mose 3, 1 – 14

400 Jahre hatte Gott geschwiegen, und auch das Volk hatte seinen Gott vergessen. Im Leben des Mose war alles schief gelaufen als er sich durch seinen Zorn beraten lies und einen Ägypter erschlug, der gerade einen hebräischen Gefangenen geschlagen hatte. Nun wurde er wegen Totschlags gesucht. Er entfloh in die Wüste in dem Gedanken, dass ihn hier niemand finden würde und fand in Midian Aufnahme bei dem Hirten und Priester Jitro. Die Jahre gingen dahin, doch die Sehnsucht nach seinem Volk war geblieben. Hilflos fristete er in der Wüste sein Dasein. Auch Gott zeigte sich nicht mehr. So vergingen 40 Jahre, wovon eins dem andern glich und nichts geschah. Bis er eines Tages einen brennenden Busch entdeckte, der brannte, aber nicht verbrannte. Als er sich, neugierig geworden, diesem näherte, hörte er die Stimme Gottes und erschrak bis ins Innerste. Gott kannte ihn und sprach mit ihm. Und – auch Gott hatte die Not seines Volkes wahrgenommen! Begriffe wie gesehen, gehört, erkannt, ich bin hernieder gefahren, ich errette, ich will hinausführen unterstreichen dieses.

Um zu dem brennenden Dornbusch zu gelangen, musste er die gewohnten Wege verlassen. Das war die erste und entscheidende Vorbereitung für seine Begegnung mit Gott. Gott sprach mit Mose nicht über dessen persönliche Verhältnisse, vielmehr wies er ihn in Seine Pläne mit seinem Volk ein, dieses aus der Gefangenschaft zu erretten. Wir erkennen die Handschrift Gottes in der Geschichte mit seinem Volk immer wieder: Es geht nicht alleine um die Errettung einzelner, Gott will, dass allen geholfen werde. In Christus wurde dieses besonders deutlich, der als der Erlöser der ganzen Welt gepriesen wurde. Auch als Elia dem Herrn seinen Kummer vortrug, machte Gott auch ihm deutlich, dass er ihn zur Errettung seines Volkes gebrauchen wolle (1Kön 19). Da muss das eigene Weh zurückgestellt werden und es stets um die Ehre Gottes gehen, wenn das Werk gelingen soll. Ohne des Herrn Segen kann auch unser Tun nicht gelingen. Unschwer lässt sich darin eine Gesetzmäßigkeit erkennen: Leben wir in den Ordnungen Gottes, werden seine Gaben und Kräfte deutlich wirksam, hingegen wir in der Gottferne auf uns allein gestellt sind. Richtete das Volk sich nach den Geboten Gottes, wurde ihm natürlicher und geistlicher Segen zuteil, verließ es aber die göttlichen Ordnungen und ging es selbst gewählte Wege, musste es die Folgen dieser Wahl tragen. So können Mangelsituationen und Situationen ausbleibenden Segens dazu dienen, die Menschen zum Nachdenken und Umkehren zu bringen, um wieder in die Nähe Gottes zu finden. Gott ist ein liebender Gott und er hat zu allen Zeiten Propheten zu seinem Volk gesandt, es zu ermahnen und seine Gnade anzubieten.

Gott erklärte Mose sein Vorhaben mit dem Volk und bekräftige es mit seinem mächtigen Wort: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Damit wurde Mose aus seinem Hirtendasein herausgenommen und in die Ziele Gottes hineingestellt. Aber so unvermittelt wie der Auftrag für Mose kam, so sehr fühlte er sich ihm auch nicht gewachsen, deshalb seine diversen Einwände (vgl. auch die folgenden Verse). Er fühlte sich damit überfordert, da er nur auf sich und seine Möglichkeiten schaute. Doch lernte er hier, was Berufung durch Gott bedeutet: ER weiss, was ER tut und steht mit Seiner ganzen Kraft und Vollmacht dahinter! „ICH werde mit dir sein.“ Mose wie auch das Volk sollten wissen: Gott ist mit uns, ER ist der Handelnde.

So verließ Mose die ihn schützende Umgebung und machte sich, von Gott gewiesen, auf den Weg in eine ungewisse Zukunft, Gottes Willen zu tun. Auch Christus kam zu uns ins Elend und nahm alles Leid der Menschen auf sich, und war Gott gehorsam. Gott verfolgt seine Ziele mit der Menschheit von Anfang an und er allein weiss um den besten Zeitpunkt und die richtige Art des Handelns. Wir dürfen lernen, Ihm zu vertrauen, um zu erfahren, wie Seine Pläne gelingen, wenn wir uns da hinein „schicken“. So wird auch die immer wieder dem Herrn vorgetragene Bitte „DEIN Wille geschehe“ mit der eigenen Lebenshaltung unterstützt und gelebt: „Dem Herrn allein die Ehre!“ Es ist und bleibt eine alte Erfahrung: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“ (Spr 9,10). Das Erkennen der eigenen Begrenztheit und die Ehrfurcht vor der göttlichen Allgewalt lehren uns, auf das Wort Gottes achten.

„Der oberste Sinn und Zweck der Kirche ist die Anbetung unseres Herrn in der von Ihm verordneten Form und Ordnung.“ (der katholisch-apostolische Apostel Sitwell in dem Buch „Licht zur Abendzeit.“) Da ist das „Ich“ nicht vorrangig, sondern der Herr. Im Mittelpunkt des Handelns steht der Herr, es geht um Ihn und um Seine Ehre. Ohne Gottes Eingreifen gäbe es heute kein Israel, kein Volk Gottes und keine Kirche. Wie er durch Mose an seinem Volk handelte, wirkt er bis heute durch Menschen an den Menschen und bietet sein Heil an. Das Reich Gottes wächst, auch wenn wir es nicht erkennen und es reicht von Mose an bis in unsere Zeit. Hinter jeder Gottesbegegnung steht die Gotteserfahrung der Glaubensväter: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“

Mose hatte nicht mit Gott gerechnet, und es kann sein, dass wir ebenso denken und nicht mehr mit Ihm rechnen. Doch es liegt nicht an unserem Wollen oder Laufen, sondern an der Gnade Gottes (Röm 9,16). Alles wird so werden, wie Er es sich vorgenommen hat. „Mit Sorgen und mit Grämen und selbst gemachter Pein, lässt Gott sich gar nichts nehmen, es will erbeten sein.“ (Paul Gerhardt) „Den Ehrlichen und Aufrichtigen lässt es der Herr gelingen“ (Spr 2,7). Gott ist heilig und alles Böse und jede Unreinheit und Lüge sind ihm wesensfremd. Das Ausziehen der Fußbekleidung ist eine altorientalische Sitte, die die Entblößung des ganzen Menschen bedeutet. Gott bleibt nichts verborgen. In der Bergpredigt ließ Jesus wissen: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Lassen wir Ihn nur tun und walten und bleiben wir in der Treue, denn nur diese wird ihre Belohnung finden.

Franz Simons

Ausgabe