Seht auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens

Hebräer 12,1-3

Das alte Jahr geht zu Ende. Wir werden erneut an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert. Wir wollen Gott danken, dass er uns bisher durch die Zei¬tenläufe gut hindurch gebracht hat. Was dabei am meisten zählt, ist die Feststellung, dass wir Glauben behalten haben, in der Gemeinde stehen und unsere Zuversicht nach wie vor auf Gott, unsern Herrn, setzen können. Sein Wort, die Führung durch seinen Geist, seine göttlichen Gnadenerweisungen sind unverdiente Segnungen, die unser Leben bisher erhalten haben.

Am Anfang des Jahres hat es geheißen: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Joh 14,19) Wir werden die Wahrheit dieser Verheißung mit vollem Herzen bestätigen können, wenn wir uns zu unserem Gott gehalten und auf sein Wort geachtet haben. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37), versi¬chert uns Jesus. Das sind unsere Erfahrungen, die wir mit Gott und seinem Sohn gemacht haben.

Ebenso werden wir aber auch bekennen müssen, dass es an Versuchungen, sich von Gott und der Gemeinde abzuwenden, nachlässig und träge im Glauben zu werden, nicht gemangelt hat. In seiner Predigt über die endzeitlichen Weltzustände sagt Jesus: „Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.“ (Mt 24,10-13)

Auf die Beharrlichkeit kommt es also an! Es ist nicht selbstverständlich, dass uns dieses positive Beharrungsvermögen zu eigen ist. Allzu gut kennen wir die eigene Schwachheit. Selbst der gute Wille reicht oftmals nicht aus. Man denke nur an Petrus, der eher gewillt war, mit seinem Herrn in den Tod zu gehen, als ihn zu verleugnen. Aber auch er wurde schwach.

Das oben zitierte Wort rät uns, auf Jesus zu sehen, ihn im Blick zu haben, denn er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Durch ihn sind wir zum Glauben an Gott den Vater gekommen. Durch ihn können wir vollenden, was wir im Geiste begonnen haben. In dieser Erkenntnis schreibt Paulus an die Philipper: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ (Phil 1,6) Der Herr also wird es tun! Unsere Beharrlichkeit wird wachsen, sich stabilisieren, wenn wir den Herrn im Blick behalten, ihn nicht aus den Augen lassen und gewillt sind, einen guten Glaubenskampf zu kämpfen.
Wer auf Jesus sieht, der muss lernen, von sich selbst wegzusehen. Nicht unsere, nicht menschliche ,Gesichtspunkte’ sind entscheidend, sondern das wird weiter¬helfen, was uns aus der Erkenntnis Jesu Christi geoffenbart wird (Kol 2,3). Er lehrt uns die Geister zu unterscheiden, den Weg des Lebens wahrzunehmen, damit wir nicht in die Verdammnis geraten.

Wenn man die immer mehr um sich greifende Orientierungslosigkeit der Welt betrachtet, wenn heute dies und morgen das als die letzte und großartigste Erkenntnis angepriesen wird, was aber dann mehr als ein flüchtiger Nebel erweißt, so muss eigentlich jedermann klar werden, wie kurzsichtig, brüchig und unbeständig diese ,Erkenntnisse’ und Weltanschauungen sind.

Viele Menschen werden geblendet, getäuscht, hinters Licht geführt, sie vertrauen fast jedem blinden Blindenleiter bis der Zusammenbruch kommt, die Enttäuschung und Verzweiflung ihnen die Sinne nimmt und sie nicht mehr fähig sind, dem wahrhaftigen und lebendigen Wort Jesu Christi zu vertrauen. Zu wissen, was wirklich in dieser Welt vorgeht, die List und Machenschaften des Fürsten dieser Welt zu durchschauen, nicht willenlos dem Werteverfall des göttlichen Lebens im Menschen zuzustimmen oder sich durch Verharmlosung überrumpeln zu lassen, das ist es, worauf es ankommt!

Wir werden diese so wichtigen Erkenntnisse nur dann gewinnen, wir werden vor dieser schrecklichen Orientierungslosigkeit nur dann bewahrt bleiben, wenn wir auf Jesus sehen! Lasse sich niemand diesen Blick auf ihn verstellen! Er muss das Vorbild, die Richtschnur sowie Erretter und Erhalter unseres Lebens bleiben! Nur so wird es möglich werden, dass wir uns einen klaren Blick für die Belange des ewigen Lebens bewahren können. Nur in der Verbindung mit ihm können wir die richtigen Entscheidungen treffen!

Der Gemeinde zu Laodizea sagt der Herr: „Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weiß nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! Siehe, ich steh vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Off 3,17-20)

Welch ein Segen, dass wir durch Jesus Christus einen gnädigen Gott haben, der uns ermahnt und ermuntert. Bei ihm ist viel Vergebung! Wer beharret bis ans Ende, der wird errettet werden!

Rudolf Gaßmeyer

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