... aber da könnte es persönlich werden

Diesen Satz hörte ich, als ich einen Hauskreisleiter einer Gemeinde an meinem Wohnort fragte, ob ich denn seinen Hauskreis mal besuchen könne. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass ich das fragte?

Da war zum einen das Motto unseres 50-jährigen Bestehens und zum anderen das Zeugnis einer Glaubensschwester, die sich im brennenden Bekennen einer Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft mit Christen, mehr Beschäftigung mit dem Wort Gottes, mehr Gebetsgemeinschaft und nach mehr gelebter, sichtbarer Beziehung zu Jesus Christus unserem Herrn und Retter einer anderen Glaubensgemeinschaft anschloss. Sehr, sehr selten hatte ich zuvor ein solches Bekennen der Sehnsucht nach Jesus oder Gespräche über eine lebendige Beziehung zu Jesus erlebt.

Diese Ereignisse weckten in mir die Frage, was ist gemeint mit dieser Freiheit und was ist dieses „mehr“ und wie kann ich es finden? Und was war das für eine Freiheit, von der in dem Motto die Rede war?
Jesus Christus allein macht frei, dass begriff ich schnell. Zuerst macht er uns durch sein Opfer am Kreuz frei von Sünde und dem damit verbundenen ewigen Tod. Das ist sein unvorstellbar großes Geschenk an die, die an ihn glauben. Aber ER macht auch frei von Vorurteilen und festgefahrenen Denkmustern. ER macht frei von dem, was andere von mir denken oder was andere sagen, was richtig für mich ist. ER macht frei von mancher Gebundenheit, die mich hindert IHM ganz nachzufolgen und IHM mein Leben zu anzuvertrauen.

Nun fing ich an, nach dem „mehr“ im Glaubensleben zu fragen und zu suchen. Dabei ging ich einen für mich recht neuen Weg. Fünf Minuten Autofahrt von mir entfernt, gab es eine freikirchliche Gemeinde, an deren Versammlungsort ich regelmäßig vorbei fuhr. Ich informierte mich im Internet über die Gemeinde und beschloss, dort mal einen Gottesdienst zu besuchen. Was ich dort erlebte war sehr ansprechend und machte mich neugierig zu erfahren, wie diese Menschen ihren Glauben an Jesus Christus im Alltag lebten. Nur wie?
Zur Regelmäßigkeit konnten die Besuche im Gottesdienst nicht werden, da ich natürlich weiter vorrangig die Gottesdienste in „meiner“ Apostolischen Gemeinde besuchen wollte. Aber an einem Hauskreis konnte ich vielleicht regelmäßig teilnehmen. So kam es dann zur oben genannten Frage.

„Ja, gerne,“ bekam ich zur Antwort, „aber in unserem Hauskreis kann es auch schon mal sehr persönlich werden.“ Offensichtlich war diese „Eigenschaft“ des Hauskreisgeschehens sehr zentral oder auch manchmal abschreckend.
Ich besuchte den Hauskreis und erlebte diese besondere Atmosphäre der Offenheit, des Vertrauens, der Annahme und des sich Einbringens mit der ganzen Person, der Persönlichkeit. Der Glaube an Jesus Christus, das Hören auf das Wort Gottes offenbart durch die Bibel und wie ich als Christ damit umgehe, meinen Glauben lebe und zum sichtbaren Zeichen der Liebe Jesus Christus nach außen werden kann, war Mittelpunkt der Zusammenkünfte und Gespräche. Es war Raum da für Fragen, Sorgen, Freuden, Unsicherheiten und die Kraftquelle gemeinsames Gebet. Da wurde man getragen von allen anderen, ob im Gespräch oder im Gebet.

Es gab nur eine Voraussetzung: Ich musste auch über all das sprechen, was mich bewegte. Es musste „persönlich“ werden. Nur so wurden Anteilnahme, Mittragen und Mitfreuen, aber auch wunderbare Erlebnisse von Gebetserhörungen möglich. Das gab Kraft für den Alltag, den Alltag als Christ. Ich begriff auch, dass Jesus mich ganz persönlich liebt und mich trägt, mit mir zusammen den Weg geht, den ER schon für mich vorgesehen hat.
Und ich wusste nun auch, was dieses „mehr“ war, das die Glaubensschwester gesucht hatte. Der Satz des Hauskreisleiters hatte eine konkrete Bedeutung für mich bekommen, und nichts war mehr so, wie vor dieser Erfahrung.

Was ist denn bestimmend für meinen Alltag als Christ? Was wird sichtbar in meinem Handeln, Reden, im Umgang mit anderen Menschen und in Situationen, die ganz besonders schwierig und leidvoll sind? Da ist dann Christsein plötzlich nichts „intimes“ oder ganz privates mehr, sondern ich bin gefragt und aufgefordert, meine ganze Persönlichkeit nach Jesus Christus auszurichten, IHN sichtbar in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen. Mein ganzes Vertrauen in IHN zu setzen und dieses Vertrauen vor der Welt zu bezeugen.
Denn wir sind dazu bestimmt, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5,13-16)
Ohne meine und deine persönliche Beziehung zu Jesus Christus, ohne meinen und deinen ganz persönlichen Einsatz, ohne mein und dein persönliches Vorbild ist das nicht möglich.
Lassen wir unser Licht leuchten, um den Weg zu Jesus und seine Liebe sichtbar zu machen:
Kerze anzünden!
Eine Kerze, die niemals angezündet wird, ist eigentlich wertlos. Lass Dich von Jesus anzünden, brenne für Jesus und strahle seine Freude und Liebe aus.
Licht in der Dunkelheit!
Ein Licht in der Dunkelheit wirkt anziehend und gibt Orientierung. Es heißt nicht umsonst: „Da wo Licht ist, da ist Leben.“

Licht(er) soll(en) leuchten!

Ein kleines Licht in einem Raum kann den ganzen Raum erhellen. Das gibt Dir und anderen Sicherheit, Orientierung und Leben. Ohne das Licht kämen wir uns verloren vor. Viele Lichter geben noch mehr Sicherheit und Orientierung. Es ist wichtig, in der Gemeinschaft zu leben und dadurch im Glauben zu wachsen – sich gegenseitig zu helfen und Orientierung zu geben. Niemand muss sich dann auch auf verlorenem Posten fühlen.
Licht verdeckt - die Wirkung geht verloren!

Niemand würde ein Licht abdecken oder unter den Scheffel (vgl. Lukas 8,16-18) stellen. Und trotzdem wird dieses Bild in dem Gleichnis verwendet. Damit möchte Jesus sagen, dass, wenn Du ihm nachfolgen möchtest, Du auch für ihn leuchten sollst. Nicht nur zu bestimmten Zeiten (z.B. sonntags im Gottesdienst oder freitags in der Jugendgruppe), sondern so, dass das Licht immer sichtbar ist und es „Früchte trägt“.
Licht braucht Sauerstoff!

Licht braucht Sauerstoff. Das ist mal die Lebensgrundlage des Kerzenlichtes. Die Kraftquelle eines Christen ist bekannt: Bibel, Gehorsam, Gebet und Gemeinschaft. Ohne diese Kraftquelle, ohne diesen „Sauerstoff-Input“ würde irgendwann die Luft ausgehen und die Kerze nicht mehr brennen können. Es geht zwar eine Weile ganz gut, und die Kerze fängt nur langsam an schwächer zu brennen, aber letztendlich geht sie ohne neue Sauerstoffzufuhr aus.

Seien wir Salz der Erde, denn Salz hat vielfältige Eigenschaften, die unverzichtbar sind:
Salz würzt!
Salz ist die Würze in der Suppe. Diese Würze wirkt anziehend auf andere, etwas Fades wird wieder lebenswert und schenkt Freude.
Salz konserviert!
Salz schützt vor Fäulnis und tötet die Sünde in uns und würde auch der Welt mehr Frieden schenken, wenn jeder dieses Salz kennen lernen und besitzen würde. Ohne die konservierende Wirkung würde die Sünde uns zerfressen.
Salz schmerzt!
Salz auf einer Wunde kann ganz schön schmerzlich sein. Wenn Jesus unsere Wunden, unsere Sünden heilen möchte, dann ist das oftmals sehr schmerzlich. Lieb gewonnene Gewohnheiten loslassen und sich von Jesus ändern lassen – das ist eine schwere Entscheidung.
Salz macht durstig!
Salz macht durstig nach mehr Erfahrung mit Jesus. Unser Wachstum im Glauben, soll andere durstig machen. So können wir unsere Erfahrungen weitergeben. Ein Leben mit Jesus ohne Wachstum im Glauben wäre kraftlos, die Kraft des Salzes ginge verloren.
Salz zieht an!
Salz zieht Wasser an. Christen sollen anziehend auf andere wirken – nicht abstoßend. Wenn deine Freunde merken, da ist einer, dem sie vertrauen können, der nicht einfach so ein Spinner ist oder einer mit einer großen Klappe, aber sonst nichts dahinter, dann zieht das an.
Salz reinigt und verändert!
Salz reinigt uns und andere. Lass Dich reinigen und von Jesus verändern – auch wenn es schmerzt, aber du wirst sehen, Jesus schenkt dir ein Leben, ohne dass du Dich in immer neue Schuld verstricken musst.
„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5, 8)
„Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn ,wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden’ (Joel 3,5.).“ (Römer 10,12-13)
... da kann und darf es dann auch ganz persönlich werden!?

Edith Mücke

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