Leitbild III

„... soll niemand drin wohnen, als Jesus allein!“

Im erweiterten Familienkreis von Herrn „X“ hat es einen Sterbefall gegeben – einen tragischen Unfall. Er entschließt sich – gegen seine sonstige Gepflogenheit – die Einladung zur Trauerfeier anzunehmen. Der Pfarrer beleuchtet das Leben des Verstorbenen, sein Resümee: viel zu kurz! Er zitiert aber auch Sätze aus einem Buch, zu dem Herr „X“ keine Beziehung hat. Sätze wie diese: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.“ und „Er möchte, dass jeder gerettet wird und die Wahrheit erkennt!“

Ohne es zu wollen, „laufen“ diese Sätze Herrn „X“ in den nächsten Tagen nach. Vieles geht ihm dabei durch den Kopf. Die Großmutter hat damals in seiner Kinderzeit noch gebetet. Der Vater hat ihn dann später in der Schule vom Religionsunterricht abgemeldet. Dann ist der Faden gerissen. Er bemerkt, wie das immer wieder über diese Sätze Nachdenken, seine Wahrnehmung verändert. Auf dem kurzen Weg von der U-Bahn nach Hause – er ist den Weg seit 17 Jahren und 3 Monaten fast täglich gegangen, wenn er von der Arbeit kam – nimmt er jetzt plötzlich wahr, dass sich dort insgesamt 5 „christliche Adressen“ befinden. So viele und so nah beieinander? Wie kann das sein? Über so etwas hat er sich vorher nie Gedanken gemacht. Es sind 5 verschiedene Gemeinden – wieso? Die beiden großen Landeskirchen sind ihm ja noch bekannt – aber die übrigen? Da er auch sonst nach dem Prinzip lebt, dass fragenden Menschen geholfen werden kann, bringt er zumindest bald in Erfahrung, dass es sich bei den drei anderen um Freikirchen handelt. Doch die Fragen bleiben ...
(Dies ist natürlich eine Fiktion und die Übereinstimmung mit lebenden Personen nicht beabsichtigt ... )

Was ist nun die oben erwähnte ‚Wahrheit’, die es zu erkennen gilt? Wodurch wird ein Mensch gerettet?

Nimmt man den „Liebesbrief Gottes“ – die Bibel – zur Hand, kann man die faszinierende Entdeckung machen, dass diese Wahrheit eine Person ist: „Ich – Jesus – bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“! (Joh 14,6) Dieser Jesus ist die zu erkennende Wahrheit Gottes, er ist gleichzeitig auch der Weg, um zu Gott zu kommen und – wer diese Chance ergreift, bekommt das Leben in seiner ganzen Fülle geschenkt! „In Ihm ist alles, was ich brauch“!
Jesus ist das große Geheimnis Gottes! Genau das hatte Paulus erkannt, deshalb ringt er in seinen Briefen darum, dass alle Menschen dieses Geheimnis entdecken und verstehen:

- Das Geheimnis Gottes ist Christus! (Kol 2,2)
- Das Geheimnis: Christus in euch! (Kol 1,26-27)
- Das Geheimnis Gottes: Christus! (1Kor 2,2)
- Das Geheimnis: in Christus! (Eph 1,9-10)
- Betet, dass wir das Geheimnis „Christus“ kundtun können! (Kol 4,3)

Deshalb kann Paulus zusammenfassend sagen: „In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“! (Kol 2,9)

Doch auch zur zweiten Frage (Wodurch wird ein Mensch gerettet?) gibt der schon erwähnte Vers (Joh 14,6) Auskunft: „niemand kommt zum Vater (wird gerettet) denn durch mich!“ Es ist einzigartig, der Vater hat alles auf den Sohn konzentriert. Gott, der Vater will es so: Alles dreht sich um Jesus! Da lässt Gott, der Vater keine Konkurrenz zu – da ist er eifersüchtig! Jesus ist das Zentrum und wie es im Hebräerbrief heißt: Jesus ist der Urheber unseres Heils! (Hebr 5,8-9).

Martin Luther, einer der großen Reformatoren, war durch sein Lebensumfeld – selbst bis hin ins Kloster – so geprägt, dass ihm dieses Geheimnis nicht bekannt war. Doch Gott sah sein aufrichtiges Suchen und schenkte ihm diesen Durchblick, den freien Blick auf Christus, so dass Jesus im wahrsten Sinne des Bibelwortes auch zum Urheber seines Heils wurde! Diese Erfahrung veranlasste ihn dann später dazu, diesem entscheidenden Aspekt auch in seinen 4 bekannten „Allein“-Worten Nachdruck zu verleihen („Allein die Gnade“, Allein Christus“, „Allein der Glaube“, „Allein das Wort“). Huldrych Zwingli, einer der weiteren Reformatoren drückte es einmal so aus: „Die Summe des Evangeliums besteht darin, dass unser Herr Jesus Christus, wahrer Gottessohn, uns den Willen seines Vaters offenbart und uns mit seiner Unschuld vom Tode erlöst und mit Gott versöhnt hat. Von daher ist Christus der einzige Weg zur Seligkeit für alle, die je waren, sind und sein werden.“

Diese gewonnenen Erkenntnisse über die Einzigartigkeit der Person Jesu, dem Geheimnis Gottes und die überlieferte Erfahrung Martin Luthers, haben uns dahin geleitet, in unserem Leitbild auch genau dies an den Anfang zu stellen: „Auf der Basis Jesus Christus allein“! Gleich am Anfang soll Jesus im Zentrum stehen! Wie sagte doch Paulus: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus“!

In diesem Punkt sind sich Jünger Jesu einig, ob es Petrus war: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; ... Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil – die Rettung – auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig – gerettet – werden“! oder noch einmal Paulus, von dem Lukas eindrücklich überliefert: „Gegen Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Liedern. Die übrigen Gefangenen hörten ihnen zu. Plötzlich gab es ein heftiges Erdbeben, und das Gefängnis wurde bis in die Grundmauern erschüttert. Alle Tore sprangen auf und die Ketten sämtlicher Häftlinge fielen ab! Der Gefängnisvorsteher wachte auf und sah die Zellen weit offen stehen. Er nahm an, die Gefangenen seien geflohen; deshalb zog er sein Schwert und wollte sich umbringen. Doch Paulus rief ihm zu: "Tu dir nichts an! Wir sind alle hier!" Da verlangte der Gefängnisvorsteher Licht, lief in das Innere des Gefängnisses und fiel zitternd vor Angst vor Paulus und Silas auf die Knie. Dann führte er sie hinaus und fragte: "Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?" Sie erwiderten: "Glaube an Jesus, den Herrn, dann wirst du gerettet“! (Apg 16,25-31, Neues Leben Übersetzung)

Um nun auf den Anfang zurück zu kommen: Kirchen unterscheiden sich – und dürfen sich auch unterscheiden. Sind sie „Gemeinden des Christus“ (Röm 16,16 nach Heinz Schumacher), Gemeinden in denen er die Mitte ist und die er formen darf, werden sie sich nicht voneinander scheiden. Sie suchen immer in Christus ihre Mitte und legen alle Übereinstimmungen zusammen. Sie sehen erst in zweiter Linie die Unterschiede – nicht als etwas Trennendes, sondern als Ergänzung!

Wenn wir uns als Christen so verstehen, dann darf der eine ohne weiteres den Samstag mehr betonen als den Sonntag, dann darf der andere die Erwachsenentaufe in die Mitte stellen, dann darf es den Dienst eines Apostels geben, und, und, und. Kirche, Gemeinde ist wertvoll, Gaben sind wertvoll – natürlich – aber heil werden Menschen nur durch Jesus und in Jesus!
Also: Was muss ich tun, damit ich gerettet werde? – Nur eins! ... soll niemand drin wohnen, als Jesus allein – im Herzen und in der Kirche!

Detlef Lieberth

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