Leitbild IV

Verbindlich einsetzen
(Apostelgeschichte 11, 19-26)

Im Leitbild der Apostel der Apostolischen Gemeinschaft ist im ersten Teil ein Ziel formuliert: Angeleitet vom Heiligen Geist wollen wir Gemeinde Jesu Christi bauen. Im zweiten Teil werden Möglichkeiten (Jeder mit seinen Gaben), Bereiche (Gemeinde und Missionsauftrag – nach innen und außen!) und Merkmale (verbindlich einsetzen) ausgeführt.

Wenn wir uns auf diese weiten Gedanken einlassen – Hand aufs Herz – ein riesen Thema, wo der Einzelne gar nicht so leicht ein Packende zu fassen bekommt.

Besonders die Verbindlichkeit ist „spürbarer Notstand“ in unserer Gesellschaft. Wir sind Weltmeister in der Analytik und wissen heute viel über fehlende Vorbilder, schlechte Rahmenbedingungen, das zerstörerische Innovationstempo oder die Werte- und Moralmisere unserer Zeit. Wir können das zum Teil mit Zahlen belegen – und halten doch nichts in Händen. Bei wenigen der vielen Gedanken, die ich zu diesem Thema gelesen habe, konnte ich eine annehmbare und hoffnungsvolle Alternative entdecken, fast immer wird die Verbindlichkeit von der „höheren Ebene“ erwartet: von der Politik für ihre Bürger, von den Eltern für ihre Kinder, von den Leitenden für ihre Mitarbeiter. Dann müssen wir aber auch sehen, das „der Höchste“ sich genauso seinen „Kindern“ gegenüber verhält. Also – wann schreien, stehen auf und rufen die Christen, die es wissen müssten, endlich wieder: „Genauso und verbindlich gilt es für uns zu leben: Gott für die Menschen!“ Denn längst ahnen wir die Dimension der wenig Vertrauen erweckenden Zusammenhänge auf Basis einer rationalen, säkularisierten und glaubensentleerten Menschheit.

Bindungen sind Lebensadern, Straßen und Netzwerke unserer Menschlichkeit. Der Glaube an den einen Gott ist ebenfalls eine gelebte Bindung. Von Seiner Seite aus ein zutiefst verbindlicher Ausdruck Seines ‚Auf den Menschen ausgerichtet Seins’. Doch darf gelebte Verbindlichkeit keine Einbahnstrasse bleiben. Weil Gott treu ist in Jesus Christus und treu gegenüber uns Menschen, sucht er diese gelebte – verbindliche – Ausrichtung auch bei uns: ebenfalls in beide Richtungen, in der Beziehung zu Ihm und zu den Menschen!
Es bleibt immer die Sache mit den zwei Seiten – in der Öffentlichkeit
Die Einen warten auf eine klare Ansage „von oben“, die Anderen legen einfach fest, wie etwas „da unten“ umzusetzen ist. Das ist nicht von vorneherein negativ zu bewerten und an vielen Stellen ein erforderliches Grundprinzip einer Gesellschaft oder Gemeinschaft. In einem Gespräch hörte ich: „Kirche ist ein Tendenzbetrieb“. Auch wenn es vornehmlich um rechtliche Zusammenhänge geht, lässt dieser Begriff erahnen, dass erst recht der Leitung eine besondere Aufgabe obliegt. Viele Dienste und Aufgaben in unserer Kirche sind „Ehrenamt“, es gibt keine vertraglichen Regelungen. Das erfordert eine besondere Konzentration auf die eigene Verbindlichkeit in der Nachfolge. Es ist an der Zeit, dass wir auch wieder lernen, miteinander zu sprechen über die Wirklichkeit und aus Glauben und Gottes Geist den Mut schöpfen, Verbindlichkeit in der Kirche zu thematisieren.

Es bleibt immer die Sache mit den zwei Seiten – auch in mir als Person
Da ist der inwendige Mensch – die Seite, um die Gott leidenschaftlich ringt, sich immer mehr Übereinstimmung mit seinem Wesen ersehnt – und eine andere Seite, die fällt, zerbricht und kaum noch zusammenhält – also Du und Ich. Ja, Gott schreibt uns trotzdem groß.

Jüngerinnen und Jünger sind Gottes große Sehnsucht und Liebe
Wenn ich über meine glaubensbezogenen Ziele, Hoffnungen, Befindlichkeiten und Erkenntnisse nachdenke, dann vermischt sich das oft mit den so vielen allgemeinen Inhalten, die theologisch-kirchlich immerfort dran sind. Der Blick ins eigene Herz ist oft verstellt und wenn ich etwas nicht sehe und wahrnehme, wie sollte ich mich verbindlich darauf einlassen, mich dafür einsetzen. Was hilft da? Barnabas ermutigt in der Verkündigung des Evangeliums die Christen in Antiochien, dass sie mit festem Herzen an dem Herrn bleiben sollen. Die Bibel kennt nicht das Wort „verbindlich“. Der Einfachheit halber habe ich am „fest“ festgemacht. Für mich ist das der wichtigste Gedanke zur Entwicklung der Gemeinde.

Im Herzen werden die entscheidenden Schlachten geschlagen und die größten Siege errungen. Erstaunlicher Weise ist es nicht nur der Erfolgs- und Fortschrittsbereich, für den das gilt. Ich darf und muss mich mit all meiner Bedürftigkeit verbindlich der Gnade, der Hoffnung und Stärke in Christus zuwenden. Ich glaube, Gott wird uns vieles zeigen können im Zentrum unseres Herzens.

Ich glaube, was dort besprochen, erkannt, verbunden und geheilt wird, ist so verbindlich, dass es auch wieder für die Öffentlichkeit trägt und Bedeutung hat. Ich glaube, so baut Jesus Christus seine Gemeinde.

Ein Leitbild mit den großen Zusammenhängen muss uns nicht langweilen oder Angst und Stress machen. Wir dürfen uns Zeit nehmen, bevor wir uns binden.
Hand aufs Herz als unseren Teil! „Und die Hand des Herrn war mit ihnen...“ (unser Textwort, Vers 21).

Hier in der Apostelgeschichte 11,19-26 lesen wir etwas über eine Entwicklung der Gemeinde (auch Wortlaut unseres Leitbildes) in Antiochien. Es waren Männer von Cypern und Kyrene mit ihren Möglichkeiten unterwegs (sie redeten und predigten). Sie nutzten den neuen Bereich (nicht nur den Juden – auch den Griechen), der ihnen geschenkt wurde und letztlich lesen wir auch etwas über Merkmale von Barnabas und wozu er die Christen in Antiochien ermutigt (mit festem Herzen – verbindlich).

Ich wünsche uns allen, dass der Heilige Geist uns immer wieder neugierig macht auf die Verbindlichkeit und ihre Kraft in Jesus Christus.

Armin Groß

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