Weihnachts- oder Feigenbaum

Die Erwartung Gottes an unser Leben

Auch in diesem Jahr schmücken in der Weihnachtszeit wieder viele tausende Fichten, Kiefern und Tannen die Räume. Viele beleuchtete Bäume erhellen die langen Dezembernächte? Wenn wir in der Weihnachtszeit mit dem Auto unterwegs waren, sagte eine unserer Töchter als kleines Kind beim Anblick eines solchen Baumes immer: „Wieder ein O-Tannenbaum“. Wie oft wird das Lied: „O Tannenbaum“ in der Advents- und Weihnachtszeit gespielt und gesungen werden? Manche „modernen“ Leute werden es nicht mehr singen, weil der Text antiquiert ist. Heißt es da doch u. a.: „O, Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter. Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter wenn es schneit. ... gibst Hoffnung und Beständigkeit“.

Der geschmückte und beleuchtete Weihnachtsbaum – welche Bilder verbinden wir damit? Ist er nur noch Tradition, wie die vielen Dinge des Schmuckes, die in dieser Zeit das Aussehen unsere Wohnungen verändern. Eine Botschaft von kurzer Dauer, die alle Jahre wieder kommt und auch geht. Hinterlässt sie etwas? „Natürlich“, sagen wir. Sonst würden wir uns doch nicht die Mühe machen, die Kisten auszupacken und alles an seinen bestimmten Platz bringen. Aussagen über den Weihnachtsbaum finden wir in der Bibel nicht. Aber vom Feigenbaum können wir lesen? Könnten die beiden Bäume etwas gemeinsam haben?

Der Feigenbaum gehört zu den ältesten Gewächsen der Menschheit. Bereits auf den ersten Seiten der Bibel begegnet er uns, in 1. Mose 3, 7. Von Ende Mai bis Anfang Oktober bringt der Feigenbaum fünf Monate lang seine Früchte. Dabei gibt es die erste Ernte aus Blütenanlagen des Vorjahres bereits im Frühling, die sogenannten Vorfeigen. Sie zeigen an, dass der Winter vorbei ist.
In Hohelied 2, Vers 13 heißt es: „Am Feigenbaum röten sich die Frühfeigen“ (Schlachter Bibel). Sie sind nicht saftig, werden aber trotzdem gegessen. Wo sie fehlen, ist der Baum unfruchtbar.
Der Feigenbaum wird oft im Zusammenhang mit dem Weinstock und dem Ölbaum in der Bibel erwähnt. Das Wohnen unter dem Weinstock und Feigenbaum ist ein Zeichen für Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Der Feigenbaum gehörte zu den sieben Segnungen, die für Israel den Reichtum des verheißenen Landes darstellen.
Ein Feigenbaum ohne Frucht war deshalb eine unerwünschte Last. Er wurde umgehauen und vernichtet. Guter Boden war einfach zu rar, um ihn an Bäume zu verschwenden, die keinen Ertrag brachten und anderen Bäumen so auch noch Kraft entzogen.

Das Gleichnis Jesu vom Feigenbaum nach Lukas 13, 6 - 9 steht im Zusammenhang mit den Hinweisen auf zwei Katastrophen und der zweimaligen Warnung Jesu mit dem gleichen Satz: „Nein, ich sage euch, wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr genauso umkommen“ (Verse 3 und 5). Mit dem sich anschließenden Gleichnis öffnet Jesus den Himmel voller Barmherzigkeit. So sicher wie auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes Verlass ist, so sicher hat auch die Geduld Gottes ihre Grenzen.
Mit diesem Gleichnis hält Jesus dem Volk Israel damals und uns heute einen Spiegel vor. Die Sache mit dem Feigenbaum erinnert an Gerichtstexte, wie Jesaja 5, den Weinberg Gottes. Oder die Sendschreiben der Offenbarung – Jesus beurteilt seine Gemeinde. Oder auch an die Bildrede Jesus aus Johannes 15, 1 - 8, die Rede vom Weinstock.
Gott erwartet Frucht von seinen Kindern. Nicht das, was wir von seiner Gemeinde erwarten ist entscheidend, sondern was Gott von uns erwartet ist alles entscheidend. Gott erwartet, dass sich in unserem Leben die Auswirkungen unserer Gottesbeziehung niederschlagen.
In unserem Denken und Reden, in unserem Handeln und Sein. In unserem Umgang miteinander, mit dem Geld und mit der Arbeit. Es geht um ganzheitlichen Gottesdienst, es geht um den Sonntag des Glaubens und um den Alltag des Lebens. Gott hat die Erwartung an uns, dass wir ein Wohlgeruch Christi sind. Christen sollen nicht an ihrem Stänkern und Nörgeln, an ihrem Kritisieren und Verurteilen, sondern an der Hoffnung, der Ermutigung erkennbar sein. Manchmal brauchen wir ein Erschrecken über den heiligen Gott, damit wir wirklich begreifen, beim christlichen Glauben geht es nicht um den Spaßfaktor und die Frage, ob wir uns wohlfühlen.
Es geht buchstäblich um die radikale Hingabe an Christus und an meine Schwes-tern und Brüder und auch an die Welt. Es geht nicht um schöne Blätter und äußeren Schein, um Anwesenheit im Garten des Herrn, sondern um Frucht. Um die Frucht, die aus meiner Christusbindung und -beziehung heraus entsteht.

Immer und immer wieder hat Jesus eingeladen zur Umkehr und damit zur Rückbesinnung auf das Eigentliche und Wesentliche, auf eine fruchtbringende Gottesbeziehung.

Deshalb endet diese Geschichte nicht mit dem Abholzen des unfruchtbaren Feigenbaumes, sondern mit der aufopfernden Zuwendung des Weingärtners, der beim Besitzer ein weiteres Jahr herausschlägt. Gott erwartet von uns keine übermenschlichen Leistungen, keine Opfer. Gott erwartet von uns letztlich nur das eine: das wir leben, was wir sind – Kinder Gottes.
So dürfen wir diese Geschichte als Gleichnis von der Barmherzigkeit verstehen und müssen es dennoch zugleich als Warnung und Mahnung hören. Wir sind dazu bestimmt, Frucht zu bringen, deshalb sind wir ja gepflanzt im Garten unseres Herrn, dem wir mit Haut und Haaren gehören. Unsere Frucht weist uns als echte Kinder Gottes aus, so wie Unfruchtbarkeit Zeichen fehlenden göttlichen Lebens ist.
Der Weihnachtsbaum entfaltet nur kurze Zeit seine Pracht. Was könnten seine Botschaften sein?

1. Er zeigt an, dass der Winter vergeht und mit Sicherheit das verheißene Licht kommt.

2. Sein Schmuck, die Äpfel, die glänzenden Kugeln und Engel oder das Zuckerzeug weisen auf Frucht hin. So wie Gott Frucht von seinen Kindern erwartet.

3. Radikale Hingabe bedeutet, nach mehrjährigem Wachstum nur für kurze Zeit Mittel zum Zweck zu sein.
Gottes Kinder sind nicht zum Spaß auf dieser Welt und der Wohlfühlfaktor ist nicht die wirkliche Motivation.

4. Der Weihnachtsbaum kann uns an die aufopfernde Zuwendung Jesu erinnern, der bei Gott für uns ein weiteres (Kirchen-) Jahr herausschlägt.

5. Er ist Warnung und Mahnung. Gott möchte nicht, dass seine Kinder wie der Weihnachtsbaum auf der Deponie oder in der Verbrennung landen.

6. Alle, die den geschmückten Baum sehen, sollen geradezu aufblühen.

Was gibt es Besseres und Schöneres, als dass alle, die Begegnung mit Christen haben, einen Wohlgeruch erleben und aufblühen können zu neuer Hoffnung und wirklichem Leben.

(Anregung: Beitrag des ERF zur Bibellese von 25.09.2009)

Gert Loose

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