Jesu Stammbaum

etwas besonders Einzigartiges, etwas Anstößiges …

In der Advents- und Weihnachtszeit begegnen uns immer wiederkehrende Texte, die uns mehr oder weniger bekannt sind.
Andere Bibelstellen, die sich mit der Weihnachtsgeschichte befassen, scheinen dagegen kaum von Bedeutung zu sein. Gerade ein Stammbaum, wie der von Jesus spielt dabei kaum eine Rolle.
In anderen Gegenden der Welt ist der Nachweis der Herkunft entscheidend, weil er über die Stellung in der Gesellschaft bestimmt.
So will uns auch der Stammbaum Jesu aus Matthäus 1, 1 - 17 etwas über seine Stellung sagen. Mit zwei Fragen kann man erstaunliches entdecken.

Was ist das Besondere, Einzigartige?

Matthäus schreibt einen Stammbaum der Erwählung (er schreibt an Juden). Deshalb beginnt er mit Abraham.
Der Stammbaum bei Lukas beginnt zum Beispiel mit Adam, weil er an Nichtjuden schreibt.

Matthäus weist auf die Linie der davidischen Könige hin (David bis Jojachin). In dieser Linie steht Jesus. Das Besondere dabei ist aber, dass auch Heiden auftauchen. Da ist z. B. Uria, der Hetiter und Rut, die Moabiterin. Ebenso begegnet uns Rahab, die Kanaaniterin.
Weiter finden wir in diesem Stammbaum die Geschichte Israels widergespiegelt. Da klingt der Konflikt Israels mit den Moslems an, der so alt ist wie die Geschichte von Isaak und Ismael. Das Leben Isaaks gleicht einem Wunder. Ebenso die Existenz Israels. Trotz 2000 Jahren Verfolgung ist sie nicht auslöschbar.
Was ist das Anstößige?

In Vers 3 begegnen uns Juda und Tamar. Sie waren nicht Mann und Frau, sondern Schwiegervater und Schwiegertochter (1. Mose 38). Ihr Verhältnis und die daraus resultierenden Nachkommen ist eine Geschichte, die man lieber verschweigen würde. Ebenso die von Rahab (Vers 5). Kann eine Prostituierte allein durch ihren Glauben (Vertrauen auf Gott) in die Erwählungslinie (Stammbaum Jesu) kommen? Auch Rut, eine Frau und zudem noch Ausländerin, ist in dieser Linie, weil sie sich zum Gott Israels bekennt („Dein Gott ist mein Gott“). In Vers 6 finden wir David und die Frau Urias (Bathseba). Gehört ein Ehebrecher und Mörder in den Stammbaum des Erlösers?
Wenn man den Stammbaum Jesu so betrachtet, fragt man sich, warum er so makelhaft ist. Müsste er nicht edel und sauber sein, wie es einem Erlöser zukommt?
Gerade in seiner (menschlichen) Herkunft wird deutlich, warum Jesus kommen musste: Für die Schuld, das Versagen und die Sünde der Menschheit. So sehen wir, dass die Herkunft für ein Leben im Gehorsam gegenüber Gott völlig unwichtig ist. Viel mehr wird deutlich das gerade Werkzeuge Gottes besonders angefochten sind.

PS: In Vers 16 finden wir bei Joseph kein „zeugte“. Das zeigt, das Joseph nicht der biologische Vater Jesu war, ihn aber durch Adoption juristisch annahm. Das war wichtig für den Schutz von Maria und Jesus.

Ich wünsche uns viel Freude beim Entdecken unbekannter und doch vielsagender Bibeltexte.

Stefan Roth

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