Zum Jahreswechsel

„Der Herr behütet dich vor allem Übel,
Er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang
und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.”
Psalm 121, 7. 8

Im Rückblick auf ein Jahr, dass in unserem Land von Krisen und Krieg – wenn auch nicht immer so bezeichnet – geprägt war, fragen wir uns, was wird das neue Jahr bringen? Wird es besser werden als das alte, oder wird es noch ärger werden? Wer wird uns in diesen Zeiten schützen, behüten?

Gerade Zeitenwechsel sind kritische Momente. Schwellensituationen, wo das eine beendet wird und ein neues beginnt, bringen Unsicherheit mit sich. Davon ist unser ganzes Leben geprägt: von der Geburt bis zum Tod. Aus einem unbeschwerten Kind wird ein Teenie, der seinen Platz sucht. Aus einem Teenie wird ein Erwachsener, der sein Leben meistern muss.
Erwachsene gründen Ehen und Familien, übernehmen Verantwortung für sich und andere. Aus Eltern werden Großeltern, die sich mit dem letzten Lebensabschnitt befassen müssen. Wie schnell verändert sich ein Leben, das von Gesundheit und Arbeit geprägt war, durch Krankheit und Arbeitslosigkeit. Zeitenwechsel – neue Lebensabschnitte schreien regelrecht nach Schutz.
Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen vor neuen Zeitabschnitten scheuen: Kinder wollen nicht erwachsen werden, Erwachsene wollen nicht älter werden. Genau in diese Situation verspricht uns Gott, dass er uns behüten will. Nicht nur im neuen Jahr, sondern bis in Ewigkeit.

Aber es sind nicht nur die neuen Zeiten und Verhältnisse, die uns zu schaffen machen, sondern auch der sich damit ändernde Umgang miteinander. In einem Leben, das immer härter und rücksichtsloser wird, wo psychische Erkrankungen stetig zunehmen, erkennen wir wie schutzbedürftig unsere Seele ist. Ehrlicherweise müssen wir aber eingestehen, dass es harte Zeiten immer gab – Krieg, Nachkriegszeit, Diktatur.

Warum sind wir heute so anfällig, so schnell psychisch geschädigt?
Die Schutzlosigkeit unserer Seelen rührt nicht von härteren Zeiten, sondern von abnehmendem Glauben. Eine Seele, die sich in Gott geborgen weiß, ist auch stark, gerade in harten Zeiten – weil ER diese Seele behütet.

Gott verspricht uns Schutz in sich verändernden Zeiten und für unsere angegriffenen Seelen, das heißt, vor allem Übel um uns herum.
Wer aber schützt uns vor dem Übel das in uns steckt? Auch hier ist der treue Gott, der uns liebt zur Stelle. Denn er will uns vor allem Übel behüten, reinigen, durch das Blut Jesu.

So dürfen wir mit Gottes Segen und seiner Gnade getrost ins neue Jahr gehen.
(vgl. Jes 26, 1 - 12).

Stefan Roth

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