100 Jahre Apostel Rudolf Ludwig

Zum 100. Geburtstag
von Apostel Rudolf Ludwig

In der Zeit seines Wirkens entwickelte sich zu den Glaubensgeschwistern in den verschiedenen Gemeinden ein vertrauensvolles Verhältnis. Besonders fühlte er sich den Kindern, der Jugend und den Chören verbunden und förderte sie nach besten Kräften.
Noch heute wirken Schwestern und Brüder als Organisten, denen er Harmonium-Unterricht erteilt hatte. Er selbst war ein begnadeter Musiker.

Regelmäßig führte er Unterweisungen für Kinderlehrer, Jugendleiter, Dirigenten und Organisten sowie für Brüder im priesterlichen Dienst durch. In politisch brisanten Zeiten rief er interessierte Geschwister zu sogenannten „I-Gesprächen“ zusammen.
Er verfasste selbst zahllose Gedichte zu den verschiedensten Anlässen. Er betätigte sich auch als Komponist von Chorliedern, wobei er Texte insbesondere von Evangelist Erich Weise aus Zittau und vom Ältesten Walter Knauth aus Meißen vertonte.
Zweimal bearbeitete er Neuauflagen des RAG-Gesangbuches (1953 + 1972) und führte heftige Auseinandersetzungen mit den Zensur-Behörden der DDR. 1977 konnte nach langem Kämpfen das erste RAG-Chorbuch mit 211 Liedern erscheinen, und zwar als Reprint des NAG-Chorbuchs von 1908, weil Notenstich-Kapazitäten nur für den Export zur Verfügung standen.
Jedes Jahr organisierte er Chor- und Gemeindefahrten in andere Gemeinden zu deren Belebung, ebenso Bezirksgottesdienste, bei denen die Gemeindechöre einzeln und zusammen mitwirkten.

Er war ein Wegbereiter der ökumenischen Zusammenarbeit. Noch heute erinnert man sich in Kreisen der ACK Sachsen an seine bahnbrechende Arbeit.
Er verfasste eine Vielzahl von schriftlichen Beiträgen bzw. Anleitungen und brachte die Mitteilung des RAG heraus.
Die Zusammenarbeit im Apostelkreis über die Ländergrenzen hinweg war ihm ein großes Anliegen. Trotz der großen Schwierigkeiten von Seiten der Behörden der DDR konnte er an Reisen der Apostel u.a. nach Australien teilnehmen.
Im Jahr entstanden ein bis zwei Diaserien, die in den Gemeinden kursierten.
Ein großes Anliegen war ihm die Chronikarbeit. Durch regelmäßige Treffen schulte und motivierte er Mitarbeiter für diese Tätigkeit.
Schon frühzeitig beschäftigte sich Apostel Ludwig mit den apostolischen Liedern. Vorwiegend in Jugendstunden oder bei Jugendtagen hielt er Vorträge bzw. hat Material zusammengestellt u.a. zu den Themen: Verkündigung im Lied; Unser Gesangbuch – ein Schatzkästlein; Entwicklung und Bedeutung des Kirchengesanges; Bereinigung unserer Lieder seit 1921.
Ab 1984 verfasste er ein Archiv apostolischer Dichter und Komponisten.
Durch seine lebendige Art zu predigen, seine Korrektheit, seinen unermüdlichen Fleiß, seinen Bildungsdrang und die Fähigkeit, zeitnah Glaubensinhalte zu transportieren, prägte er viele Glaubensgeschwister und damit den Reformiert-Apostolischen Gemeindebund. Noch heute gibt es so manchen, der ihm viel verdankt und damit einen Dank an unseren Vater im Himmel verbindet.

Hilmar Ludwig | Gert Loose

Biografische Notizen

08.10.1909 geb. in Zwickau (Sachsen) als erstes von vier Kindern in neu-
apostolischer Familie; wuchs zusammen mit großer Pflegeschwester auf;
Evangelist Erich Ludwig, Vorsteher der Gemeinde Zwickau,
war sein kleiner Bruder;
Apostel Carl Ludwig aus
Heilbronn war sein Onkel
1916 ff Volksschule und Gymnasium
1924 Konfirmation
1929 - 1933 Lehrer-Studium in Leipzig;
dort in der Gemeinde lernte
er seine spätere Ehefrau kennen
1933 - 1939 Tätigkeit als Lehrer an
verschiedenen Orten in Sachsen, zuletzt in Steinpleis
1935 Ordination zum Unterdiakon
1936 Heirat mit Hilda, geb. Leipe in der Reformiert-Apostolischen Gemeinde Leipzig 1938
Sohn Hilmar geboren
1939 in den Kriegsdienst (Polen, Norwegen, Russland),
russische Gefangenschaft
1940 Ordination zum Priester
1941 Tochter Isolde geboren
1947 Heimkehr (völlig entkräftet), Ehefrau schwer TBC-krank,
Berufsverbot als Lehrer
1948 Apostel Ostermann rief ihn in den hauptamtlichen Gemeindedienst als
Bezirks-Evangelist; betreut insbesondere
die Gemeinde Falkenstein / V.
1949 Ehefrau kommt in mehr-
monatige stationäre Lungen-
behandlung
1956 Apostel Ecke berief ihn nach Görlitz (Apostel Schmidt war 1955 plötzlich heimgegangen)
1958 Ordination zum Bischof
1962 Ordination zum Apostel
1965 Bundes-Vorsitzender des
Reformiert-Apostolischen
Gemeindebundes
1971 Ehefrau Hilda heimgegangen
1973 Annemarie geb. Singwitz
(Gemeinde Radeberg)
in Görlitz geheiratet,
20.04.1980 Ruhesetzung im Kreise von 6 Aposteln sowie vielen Amtsträgern und Geschwistern,
danach weiter tätig als Chor-
leiter, Organist, mit Vortrags-
tätigkeit,
08.03.1991 heimgegangen nach kurzem Krankenhaus-Aufenthalt,
15.03.1991 Trauerfeier mit den Aposteln Kretzschmar, Gaßmeyer, Lenser, Kröner, Böhm, Volkmar;
am Nachmittag Trauergottesdienst im Gemeindesaal Görlitz

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