Gedanken zur Jahreslosung

Wie schon 2008 und 2009 so haben wir auch für das Jahr 2010 eine Jahreslosung direkt aus dem Munde des Herrn Jesus Christus.

Es ist eine bewegende und dramatische Situation: Jesus Christus ist mit seinen Jüngern zum Passahmahl versammelt. Es ist das letzte gemeinsame Beisammensein vor Jesu Leiden und Tod. Die ganze Stimmung ist von Abschied geprägt, auch wenn die Jünger Jesu das zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Jesus bereitet sie darauf vor, dass er weggehen muss von ihnen, damit die Geschichte ihren Lauf nehmen kann. Jesus selbst offenbart dabei seine ganze Menschlichkeit, es erschüttert ihn, dass er gerade durch den Verrat einer seiner Jünger überliefert werden wird:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Als Jesus dies gesagt hatte, wurde er im Geist erschüttert und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern.“ (Johannes 13, 20.21)

Die Jünger erkennen die ganze Dimension dessen, was da vor sich geht noch gar nicht. Jesus weiß, dass sie auch erschüttert sein werden. Ihnen stehen harte Glaubensprüfungen bevor. Gleich zwei Mal in diesem Kapitel des Johannes-Evangeliums ermutigt Jesus die Seinen nicht zu erschrecken, nicht im Glauben zu verzagen. Einmal in der Jahreslosung 2010 und zudem einige Verse später: „Euren Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, seid auch nicht furchtsam.“ (Johannes 14, 27)

Wenn das Herz furchtsam wird ist Glaube gefragt, absolutes Vertrauen auf Gott. An Gott glauben die Jünger bereits. Doch sie haben noch nicht ganz verinnerlicht, dass Jesus selbst Gott in Menschengestalt ist. Deutlich wird das, als Jesus zu Philippus sagen muss:

„So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater?“ (Johannes 14, 9)


Jetzt, wo Jesus gehen muss, möchte er umso mehr, dass seine Nachfolger ihn im Mittelpunkt ihres Glaubens haben. Allein an Gott zu glauben ist die eine Sache. Aber in Jesus Christus das Bild des Vaters zu sehen, ist eine ganz andere Sache. Eine entscheidende Sache. Alles steht und fällt mit Jesus Christus. Er ist der einzige Weg zum Vater und einziger Grund zur Hoffnung, den wir haben. Heutzutage fällt es vielen leicht zu sagen: „Ja, ich glaube an Gott“. Aber um wie vieles schwerer fällt es, öffentlich zu bekennen: „Ich setze mein ganzes Vertrauen allein auf Jesus Christus“. 
Es geht um Jesus. Wenn wir uns eine Vorstellung von Gott machen wollen, dann können wir auf Jesus blicken, er zeigt uns wie der Vater ist. Jesus und der Vater sind eine Einheit, zusammen mit dem Heiligen Geist, der uns gesandt wurde. Deswegen ist es Jesus so wichtig uns klar zu machen, dass es nicht um den Glauben an einen nebulösen Gott geht, sondern dass dieser Gott einen Namen hat: Jesus.

Die Jahreslosung ist auch eine Aufforderung an uns, uns mehr zu Jesus zu bekennen. Das Leben als Christ ist nicht unbedingt leichter geworden. Aber das war schon immer das gute an Krisen: Sie erinnern uns wieder daran, dass es auch einen Hoffnungsschimmer gibt. Geht es einem Menschen gut, dann vergisst er oft schnell, wem er das zu verdanken hat und betrachtet das Wohlbefinden als Selbstverständlichkeit. Wenn aber der Wind rauer bläst, lässt uns das näher aneinander rücken und vor allem näher an den Erlöser rücken. Das ist gerade jetzt, wo diese Welt in ihren letzten Atemzügen liegt, das Entscheidende. Es geht jetzt besonders darum, Jesus zu vertrauen. Wer das tut, hat die richtigen Weichen gestellt und dessen Herz kann hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Eckart Haase

Eckart Haase lebt in Berlin. Ist Mitglied bei
der Vereinigung ,,Christliche Autoren“
und veröffentlicht Andachten und christliche Texte auf einer eigenen Homepage. (www.angedacht.eu)

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