50 Jahre Gemeinde Düsseldorf-Mitte

1960 - 2010

Am 24. Januar wird unsere Gemeinde und ihr Kirchengebäude 50 Jahre alt. Treu nach dem Motto „Zur Freiheit berufen“ des 50-jährigen Jubiläums der Apostolischen Gemeinschaft vor fünf Jahren feiern wir am 23. und 24. Januar unser Gemeindejubiläum. Am Samstag, dem 23. Januar findet ein Gemeindefest mit Kaffee und Kuchen, einer Fotoausstellung und vielen Gesprächen statt.

Um 17.00 Uhr laden wir zu einem Konzert mit verschiedenen instrumentalen und chorischen Beiträgen ein.

Am Sonntag, dem Gründungsdatum der Gemeinschaft und Einweihungstag der Kirche findet dann ein Festgottesdienst statt, den wir musikalisch modern mit unserem Jugendchor, der Lobpreisband des Bezirks Wesel/Duisburg und einem Projektchor gestalten. Dazu haben wir außerdem befreundete Pfarrer und Pastoren bzw. Gemeindevertreter der katholischen, evangelischen, frei evangelischen und neuapostolischen Kirche eingeladen.

Unser Kirchengebäude

Erste Versammlungen und Gottesdienste in Düsseldorf nach der Trennung 1955 von der Neuapostolischen Kirche erfolgten in der Aula der Goetheschule auf der Lindemannstraße (Zoo-Viertel) und in der Luisenschule (Friedrichstadt) etwas später. Der Hauptanteil dieser Geschwister kam aus der neuapostolischen Gemeinde Krahestraße (Flingern). Diese hatte vor der Trennung ca. 1.100 Mitglieder, von denen ca. 900 bis 1.000 die Gemeinde verließen.

Um endlich einen eigenen zentralen Ort für Versammlungen und Gottesdienste, auch des Bezirkes, zu erhalten, wurde in Düsseldorf-Stadtmitte nach einem entsprechenden Grundstück gesucht. Auf der Klosterstraße 79 gab es ein Grundstück, das gekauft und auf dem die Kirche errichtet werden sollte. Eine geplante schmale 25 m in die Tiefe reichende Kirche war aber nicht genehmigungsfähig. Eine weitere Möglichkeit gab es dann auf der damaligen Heinestraße 9 und 11 (heute Cantadorstraße). Die erste Bauanfrage für diesen Bauplatz erfolgte im Januar 1958. Am 24. Januar 1958 genehmigte der Vorstand der AG, bestehend aus Peter Kuhlen, Siegfried Dehmel, Ernst Dunkmann, Franz Behrendt und Hermann Schmohl, den Ankauf des Grundstückes für 150.000 DM.

Am 31. Januar 1958 erfolgte die Unterzeichnung des Kaufvertrages für das Trümmergrundstück Heinestraße 9a mit 215 m² und Heinestraße 11 mit 350 m². Verkäufer des Grundstücks war der Düsseldorfer Autohausbesitzer Toni Ulmen, dem auch die seitlich angrenzenden Grundstücke gehörten. Der Kaufpreis betrug DM 120.000 und der Besitzübergang war der 1. Juli 1958.

Unter der Leitung und Federführung von Apostel Kuhlen konnte ab 1958 mit dem der Gemeinde seit vielen Jahren bekannten – aber weder der neuapostolischen noch apostolischen Gemeinde angehörenden – Architekten Franz Kuppl die neue Kirche auf dem 565 m² großen Grundstück erbaut werden.
Im Dezember 1958 wurde der Kostenvoranschlag vorgelegt, der sich für die 4.161 m³ umbauten Raum auf 397.000 DM belief. Darin enthalten war das Inventar und die Orgel für zusammen 50.000 DM.
Aufgrund der geringen Größe der Baustelle ist für eine gute Raumnutzung eine Verringerung der Konstruktionsstärken notwendig gewesen. Am 22. Dezember 1958 genehmigte der Vorstand den Kostenvoranschlag und gab den Bauauftrag.

Der Bauauftrag erging am 23. Februar 1959. Den Rohbau sollte die Bauunternehmung Kurt Gallhöfer aus Düsseldorf für 139.148,55 DM aufgrund des Angebotes vom 29. Januar 1959 erstellen. Baubeginn war für Mitte März 1959 vorgesehen, bis Ende Juni sollte das Dach fertiggestellt sein.
Die Orgel wurde von der Firma E. F. Walcker aus Ludwigsburg gebaut. Sie hat 15 Register (davon 13 klingende und zwei Transmissionen), 2 Manuale und ein Pedal. Die beiden Manuale sind C-g“ mit je 56 Tasten, das Pedal C-f’ mit 30 Tasten. Es gibt 88 Holzpfeifen und 952 Zinnpfeifen. Sie gehört zu den kleineren Werken der Firma. Das 1. Angebot für die Orgel belief sich auf 28.400 DM. Der Spieltisch sollte auf der Empore stehen und die Orgel vom Speicher aus zugänglich sein. Durch die Erweiterung der Dispostion erhöhte sich der Preis auf 30.830 DM. Sie sollte am 15. Dezember 1959 spielfertig aufgebaut sein.
Das Richtfest konnte, etwas verspätet, am 14. August 1959 gefeiert werden. Die Bauabnahme erfolgte einen Tag vor der Kirchweihe am 22. Januar 1960. Die anfängliche Kostenschätzung konnte nicht eingehalten werden. Allein das Inventar und die Orgel verschlangen 12.000 DM mehr als vorgesehen.
Genau fünf Jahre nach der Trennung von der Neuapostolischen Kirche konnte die neue Kirche am 23. Januar 1960 von Apostel Kuhlen in einem großen Gottesdienst eingeweiht werden.
Zur Straßenseite hin besteht die Kirche aus zwei Geschossen, zur Hofseite aus dreien. Im etwas erhöhten Erdgeschoß befinden sich ein Gemeindesaal, das Foyer und Kirchencafé, die Garderobe, die Toiletten und das Ämterzimmer sowie der Kleinkinderraum.
1966 wurden die Büroräume der Verwaltung der Gemeinschaft im zum Hof hin offenen Kellergeschoss für 27.539 DM eingebaut. 1991 wurden diese erweitert. Auch der Jugendraum und das Archiv befinden sich dort.
1976 wurde vom Architekten Rudolf Büche aus Emmerich ein Anbau im Hof erstellt, der das neue Ämterzimmer aufnahm, während das alte zur Küche umgebaut wurde. Im Obergeschoss ist die eigentliche Gottesdienststätte der Gemeinde mit einer umlaufenden Empore. Die Kirche hatte anfangs 635 Sitzplätze, davon 225 auf der Empore. Für größere Veranstaltungen konnte die Kapazität auf bis zu 760 Plätze erhöht werden.

1982 wurde die Kirche innen und 1988 außen gestrichen. Im Dezember 1988 wurde das Strahlenkreuz an der Außenfassade für 3.400 DM angebracht. 1989 wurde der Treppenlift eingebaut. Kleinere Veränderungen und Anstriche wurden im Laufe der Zeit ausgeführt.
Ab 2003 begann die Gemeinde durch zweckgebundene Spenden und Zuschüsse der Gemeinschaft mit der ca. 25.000 EUR teuren Sanierung der unteren Etage. Der Linoleumbelag wurde im Frühjahr 2003 durch terrakottafarbene Boden- und Treppenfliesen ersetzt, es erfolgte ein gesamter neuer Anstrich und der „Umbau“ der Garderobe zum Kirchencafé. Für eine weitergehende Sanierung fehlten die Mittel.
Im Sommer 2009 gab dann der Kirchenvorstand nach 28 Jahren „grünes Licht“ für Renovierung und Sanierung des oberen Kirchensaales. Dafür wurden 40.000 EUR bereit gestellt. Ein Bauausschuss, bestehend aus Gerd Kühl, Dieter Kock, Felix Groß und Volker Wissen holte Angebote bei Malern und Parkett- sowie Teppichlegern ein. Es zeigte sich, dass aufgrund des hohen Sanierungsaufwandes das Budget bereits mit den Innenarbeiten erschöpft sein würde. Ein gewünschter Außenanstrich für ca. 20.000 EUR wurde im Herbst 2009 durch den Vorstand genehmigt und finanziert.
Zu den Sanierungsmaßnahmen zählten insbesondere: Parkettsanierung und Anstrich im Kirchensaal. Dabei war es dem Bauausschuss wichtig, optische Akzente zu setzen und die seit fast 50 Jahren gelb-grau-grün wirkende Kirche moderner und freundlicher zu gestalten. Es wurde daher ein intensives Rot für die Fenster„säulen“ und die vier massiven Deckenträger gewählt.
Die Bestuhlung, die bereits vor einigen Jahren in zwei halbrunde Blöcke aufgeteilt worden war, wurde nun in drei Blöcke geteilt. Im unteren Bereich ist dadurch Platz für 180 Personen. Die beiden hofseitigen Treppenhäuser wurden auch gestrichen und mit einem neuen Bodenbelag auf den Treppen und Absätzen ausgestattet. Dabei wurden auch die hellroten, zu empfindlichen Teppichböden im unteren Bereich ausgetauscht.
Unsere Vorsteher

Der erste Vorsteher der neuen Gemeinde Düsseldorf-Mitte wurde der Bruder Hermann Müller. Zum 30. Dezember 1973 trat er in den Ruhestand. Am 4. Dezember 1984 verstarb er an seinem Wohnort Erkrath. Ihm folgte Evangelist Werner Kuhlen als Vorsteher, der die Geschicke der Gemeinde 25 Jahre lenkte. Nach dessen Ruhestand 1988 wurde der damalige Evangelist Wilfried Baron Vorsteher in Düsseldorf-Mitte. Während seiner Vorsteherzeit in Düsseldorf-Mitte wurde von ihm der Mitarbeiterkreis (MAK) ins Leben gerufen. Er sollte ein den Brüderkreis ergänzendes Gremium sein, um der Gemeinde die Möglichkeit zu geben, das Gemeindeleben mit zu gestalten und Verantwortung für unsere Gemeinde zu übernehmen. Der MAK ist kein reines „Organisationsgremium“, sondern ist auch als ergänzendes „Seelsorgeteam“ eingerichtet worden.

Am 11. November 1990 wurde Wilfried Baron ins Bischofsamt ordiniert. Durch diese neue übergemeindliche Aufgabe gab er sein Vorsteheramt an den Priester Horst Pörschke ab. Im Neujahrsgottesdienst 1996 wurde dieser im Schumann-Saal mit den Aufgaben eines Ältesten für den Bezirk Düsseldorf betraut und gab daher die Aufgabe des Vorstehers an Priester Joachim Kuhlen ab. Dieser diente, ab 1998 als Hirte, bis 2002 als er die Vorstehertätigkeit aus gesundheitlichen Gründen an Armin Groß aus der Gemeinde Krefeld ab gab. In dessen Amtszeit bis 2007 wurden im Kirchengebäude umfangreiche technische Installationen gemacht (Beamer für das Textwort, Lautsprecheranlage, elektrische Verdunklung des Gemeinderaumes).
Auch die hauptsächlich von der Gemeinde eigenfinanzierte Renovierung und Erneuerung der unteren Gemeinderäume begann 2003.
Ende 2008 übernahm Hirte Siegbert Emde aus der Gemeinde Kamp-Lintfort die Gemeindeleitung, da Armin Groß Ende 2007 zum Apostel ordiniert worden war.

Unsere Gemeinde

Zum 1. Dezember 1968 wurden die kleinen Gemeinden Oberkassel und Wersten aufgelöst und auf die Gemeinden Mitte und Eller verteilt. Im Jahre 1989 musste leider auch die Gemeinde Derendorf wegen nicht mehr zu vertretender Mietsteigerungen ihre Räumlichkeiten aufgeben. Die ca. 40 aktiven Geschwister brachten sich in die Gemeinde Mitte ein.

2007 wurde dann die Gemeinde Ratingen aufgegeben, deren ca. 15 Geschwister sich größtenteils auch nach Mitte orientiert haben. Im Herbst 2009 wurde dann die aktive Gemeinde Gerresheim mit ca. 40 aktiven Mitgliedern wegen baulicher Probleme und Kosten geschlossen. Die Mehrheit der Geschwister bringen sich nun auch in Mitte ein. Die Gemeinde Mitte zählt aktuell laut Kirchenbuch etwa 550 Mitglieder und ist somit die größte Einzelgemeinde im Bundesgebiet.

Ein Mitarbeiterkreis unterstützt die Gemeindeleitung bei der Durchführung ihrer Aufgaben und Entwicklung von Aktivitäten. Außerdem gibt es seit 2000 ein Gemeindeteam, dass sich vorwiegend um die geistige Entwicklung der Gemeinde (Seelsorge, natürlich Gemeindeentwicklung) kümmert. Daneben helfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder-, Jugend- und Chorarbeit sowie Kranken- und Seniorenbetreuung.

Das Gemeindeleben wird von verschiedenen Aktivitäten geprägt, an denen – in rotierender Weise – etwa 200 Geschwister regelmäßig teilnehmen.

Zum Gottesdienst kommen ca. 100 Geschwister sonntags um 9.30 Uhr zusammen. Parallel zum morgendlichen Sonntagsgottesdienst der Erwachsenen findet der Kindergottesdienst für die nicht konfirmierten Kinder in zwei bis drei nach Alter gegliederten Gruppen statt. Nach dem Gottesdienst besteht das Angebot, noch eine Tasse Kaffee zu trinken, Kontakte zu pflegen oder miteinander ins Gespräch zu kommen, was jeden Sonntag von ca. 40 bis 50 Geschwistern gerne angenommen wird.
Am jeweils zweiten Montag im Monat trifft sich der „Biblische Gesprächskreis“, am jeweils dritten Dienstag der Kreis der Älteren und Junggebliebenen. Ein Gemeindechor aus derzeit etwa 35 Sängerinnen und Sängern umrahmt gesanglich jeden Gottesdienst. Das Repertoire umfasst Liedgut aus unterschiedlichen Epochen; einen besonderen Schwerpunkt bilden neugeistliche Texte und Chorsätze zeitgenössischer Dichter und Komponisten.
Mit dem Zuzug der Gemeinde Gerresheim übernimmt deren Chorleiter Werner Wolf die Chorarbeit und Peter Nagels löst nach fast 60 Jahren Werner Wota als Organist ab.

Volker Wissen

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