Tag des offenen Denkmals 2009

in Netzschkau
Am 13. September beteiligte sich unsere Gemeinde erstmalig an dem bundesweiten „Tag des offenen Denkmals.“ Dies war aber nicht von langer Hand geplant, sondern ergab sich eher spontan. Beim Studieren unseres „Amtsblattes“ der Stadt Greiz fiel mein Blick auf eine besondere Information. Es war ein Aufruf an alle Besitzer oder Verwalter eines Denkmals, die sich an der Denkmalsaktion beteiligen wollten, indem sie IHR Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Diese Meldungen waren bis zu einem bestimmten Stichtag einzureichen. In diesem Augenblick kam der Gedanke in mir auf, dass der Herr auch durch ein Denkmal zu den Menschen reden kann.

Hintergrund dieses Gedankens war die Idee, allen kirchenhistorisch interessierten Menschen die Möglichkeit einzuräumen, an diesem Tag zwei geschichtsträchtige Netzschkauer Kirchengebäude zu besichtigen: zum einen unser Kirchengebäude Am Birkenwäldchen 2 und dann auch die sogenannte „Tränenkirche“ Mylauer Berg Nr. 22.
Im Zuge meiner telefonischen Nachfrage bei der Stadt Netzschkau stellte sich allerdings heraus, dass noch Anmeldungen entgegen genommen wurden. Ich wurde an den Förderverein „Schloss Netzschkau“ verwiesen.
Dieser Verein koordinierte die Angebote aller Beteiligten und stellte alle Programme auf einer sehr schönen und informativen Website www.denkmaltour-vogtland.de.vu/ zusammen.
Das diesjährige Motto lautete: „Historische Stätten des Genusses“. Wir wurden gebeten, unser Konzept kurzfristig einzureichen.
Dieser positive Bescheid löste Freude aus, und wir machten uns daran, ein möglichst interessantes und abwechslungsreiches Programm zu erstellen.
Wichtiger Bestandteil unseres Programms war eine Einladung zum Besuch des Gottesdienstes. Dazu hatte sich Apostel Gert Loose angesagt, denn die Beteiligung unserer Gemeinde am Tag des offenen Denkmals war nicht der einzige Grund für die besondere Bedeutung des 13. September 2009 für unsere Gemeinde.
Vom 12. bis 13.09.2009 trafen sich die Mitglieder des privaten Netzwerkes „Apostolische Geschichte“ zu ihrer diesjährigen Jahrestagung in Lengenfeld (weitere Informationen siehe www.treffen-in-netzschkau.de/ sowie www.apostolische-geschichte.de/).
Das Tagungsprogramm sah neben Vorträgen über interessante Themen zur frühen apostolischen Kirchengeschichte auch die Besichtigung der Kirchengebäude Am Birkenwäldchen 2 sowie der „Tränenkirche“ Mylauer Berg Nr. 22 vor.

Für die Teilnehmer am Tag des offenen Denkmals boten wir am Nachmittag in zwei Durchgängen neben einer Besichtigung beider Kirchengebäude eine Zeit der Stille – Lesung und Andacht mit musikalischer Umrahmung – sowie die Möglichkeit für Gespräche bei Kaffee und Kuchen an, Genüsse für Leib, Seele und Geist.
Unsere „Denkmäler“ samt Programm wurden vom Förderverein „Schloss Netzschkau“ in eine Rallye aufgenommen, bei der alle Besucher die Möglichkeit hatten, bei Besichtigung von Denkmälern an verschiedenen Orten unserer Region Stempel zu sammeln und damit an einer Verlosung von Gewinnen teilzunehmen.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, die „Tränenkirche“ einer Besichtigung zugänglich zu machen, denn dieses Gebäude war nach den Ausschlüssen vieler Geschwister im Jahre 1921 sehr bald als Wohngrundstück verkauft worden und hatte danach ein wechselvolles Schicksal erlebt. Nachdem ich den Eigentümer dieses Grundstückes ausfindig gemacht hatte (eine Bauherrengemeinschaft in Zwickau), rief ich dort an und trug mein Anliegen vor.
Erfreulicherweise wurde mir sofort Unterstützung zugesagt. Der Eigentümer schrieb die beiden Mieter, die noch im Gebäude wohnen, an und bat sie, interessierten Besuchern die Räumlichkeiten zu öffnen. Danach nahm ich Kontakt mit den Mietern auf und besprach mit ihnen vor Ort alle Einzelheiten.
Auch die Mieter waren sehr kooperativ und führten mich bereits im Vorwege durch alle Räume. So wurde es erstmals möglich, das ehemalige Kirchengebäude der seinerzeitigen Apostolischen Gemeinde, der späteren Neuapostolischen Kirche, „Tränenkirche“, Mylauer Berg Nr. 22, zu besichtigen.
Der ehemalige Kirchsaal wurde im Jahre 1898 durch Weihe seiner Bestimmung übergeben. Bereits wenige Jahre nach dem Verkauf des Grundstückes wurde er umgewidmet. Nach Umbauarbeiten entstanden daraus Wohnungen, die heute teilweise leer stehen oder als Lagerraum und Werkstatt genutzt werden.
Ich muss gestehen, dass mich beim Betreten des Gebäudes und der Räumlichkeiten aufgrund meines Wissens um die Kirchengeschichte eine besondere Bewegung durchzog, denn noch heute erinnern die Fassade des Gebäudes und viele Details im Inneren an seine ursprüngliche Bestimmung.

Am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, waren zur Freude unserer Gemeinde fast alle Teilnehmer der Tagung des Netzwerkes „Apostolische Geschichte“ zum Gottesdienst gekommen. Und unter den Gästen war schließlich auch ein Mieter des Wohngebäudes Mylauer Berg Nr. 22, der unserer Einladung zum Gottesdienst gefolgt war.

Auch am Nachmittag waren einige Besucher gekommen. Sie besichtigten beide Kirchengebäude sowie eine kleine Ausstellung historischer Schriftstücke und Gegenstände, die unser Ältester und Vorsteher Thomas Kegler in unserem Kirchsaal liebevoll zusammengestellt hatte. Die von unserem Evangelisten Stefan Roth gehaltene Andacht wurde von Thomas Kegler in schöner und sehr anspruchsvoller Weise musikalisch umrahmt. Schließlich konnte bei Kaffee und Kuchen mancher Gedanke ausgetauscht werden.
Als Informationsmaterial stand ein eigens für diesen Anlass geschaffenes Faltblatt mit Informationen und Bildern unserer Kirche Am Birkenwäldchen 2 zur Verfügung. Und auch Musikliebhaber kamen auf ihre Kosten, denn es lagen etliche Exemplare der neusten CD mit Orgelimprovisationen von Thomas Kegler bereit.
Wir haben uns darüber gefreut, dass es möglich war, einem kleinen Kreis interessierter Menschen ein Stück apostolischer Kirchengeschichte nahe zu bringen und mit ihnen Gedanken darüber auszutauschen.
Die Besucher unseres Nachmittagsprogramms sind uns als „Akteure“ an verschiedenen Bruchstellen späterer apostolischer Geschichte bekannt, und so ist es umso erfreulicher, dass gerade sie unsere Einladung angenommen haben.

Wenn es auch nur wenige Menschen waren, die sich auf die Besichtigung der beiden Netzschkauer Kirchen und auf unser Programm eingelassen haben, so bin ich dennoch davon überzeugt, dass Gott mit diesen Menschen geredet und ihr Herz bewegt hat. Es kommt darauf an, dass wir immer die Möglichkeiten erkennen und nutzen, die Gott uns zeigt, mit denen sich Menschen für einen Augenblick beiseite führen lassen, so dass ER mit ihnen reden kann!

Reinhard Welsch

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