Die Stadt auf dem Berge

Wir können nicht verborgen bleiben – leidenschaftlicher Glaube ist missionarischer Glaube

Ein Evangelist erzählte gern die Geschichte eines Christen, der in einem Holzfäller-Camp eine Arbeit fand. Seine Kollegen waren bekannt für ihre Gottlosigkeit und Lasterhaftigkeit. Als sein Freund erfuhr, dass er die Stelle erhalten hatte, sagte er ihm: „Wenn deine Kollegen raus kriegen, dass du ein echter Christ bist, dann wird es dir dreckig gehen.“

Nach einem Jahr entschied sich der Mann, seine alte Heimat zu besuchen. Während seines Aufenthaltes traf er auch seinen Freund, der ihn damals gewarnt und ihm vorhergesagt hatte, dass die Kollegen in dem Holzfäller-Camp sich über ihn lustig machen und ihn sogar verfolgen würden. „Haben sie dir arg zugesetzt, weil du ein Christ bist?“ war dessen erste Frage. „Nein, nein.“, erwiderte der Mann, „überhaupt nicht. Sie haben gar nichts gemacht. Sie haben noch nicht einmal raus gekriegt, dass ich ein Christ bin.“ (aus „Leben ist mehr“ 2001)

Traurig, wenn so unser Christsein aussieht, wenn ich denke, hoffentlich bekommt keiner mit, dass ich mich zu Christus bekenne. Sieht so Nachfolge aus? Kann ich dann von Christus als meinem Herrn sprechen? Bestimmt dann Christus mein Leben? Ist dann Christus noch Mittelpunkt? Die Antwort muss lauten: NEIN!

Bei solchem Verhalten kann man weder von Nachfolge sprechen noch von „Christus als meinem Herrn“. Es wäre ein Leben ohne Christusbewusstsein. Eigentlich muss man von totem Glauben sprechen, von einem Glauben ohne Werke, von einem Glauben ohne Leidenschaft. Und leidenschaftlicher Glaube soll und muss unser Leben bestimmen.
Leidenschaftlicher Glaube hat das Wesen der ersten Christen geprägt, sie wussten sich eins mit Petrus und Johannes, die vor dem Hohen Rat bekannten, „Wir können‘s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg. 4, 20).

Christen ohne Leidenschaft fehlt Ausstrahlungskraft, die von anderen Menschen wahrgenommen wird. Fehlt diese Ausstrahlungskraft, sind wir weder Salz noch Licht für Andere.
So wie Salz nicht sich selbst würzt und Licht nicht sich selbst anstrahlt, können Christen ohne diese Ausstrahlungskraft oder diesen leidenschaftlichen Glauben andere Menschen nicht auf Christus aufmerksam machen. Wir würden dem Auftrag Christi „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ zuwider handeln und ihn ignorieren.

Jesus wünscht sich echte Nachfolger, Christen die ihn bekennen, die sein Wort weiter tragen, die für ihn und sein Werk brennen, die Leidenschaft entwickeln und leidenschaftlichen Glauben leben. Und dieser Glaube bleibt nicht in den eigenen Wänden, in der eigenen Familie oder in der eigenen Gemeinde. Dieser Glaube geht hinaus, er wirkt missionarisch. Er breitet sich aus in meiner Umgebung, er bestimmt mein Verhalten, er zeigt sich anderen Menschen. Leidenschaftlicher Glaube ist missionierender Glaube, Glaube, der die Botschaft von Christus aktiv verbreitet. Leidenschaftlicher Glaube ist nicht wie ein gerade noch glimmender Docht, der kurz davor ist auszugehen. Im Gegenteil, er ist wie eine lodernde Flamme, die Licht spendet, Wärme gibt und Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. Leidenschaft ist laut Wikipedia (freie Enzyklopädie im Internet) eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion, eine emotional sehr starke Begeisterung für etwas Bestimmtes. Und das gilt es als Christ vorzuleben, gerade in dieser Zeit, wo viele nicht mehr weiter wissen, ein Leben ohne Zukunft und Hoffnung haben und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.

Noch sind wir in der glücklichen Lage, uns offen für und zu Christus bekennen zu können. In manchen Ländern sieht das anders aus. Christen werden verfolgt und getötet. Und trotz dieser Umstände finden wir in diesen Ländern Christen mit leidenschaftlichem Glauben, die ihr Leben riskieren, um für Jesus einzutreten.
Wir leben in einer satten Gesellschaft, wo nur noch wenige etwas von Gott, Jesus und Heiligem Geist wissen wollen.
In dieser Situation sind wir aufgefordert, nicht zu schwiegen, sondern zu berichten von Glaubenserlebnissen, von Gebetserhörungen und von Wundern, die es auch heute noch gibt. Wir sollen sein wie die Stadt auf dem Berg, die nicht verborgen bleiben kann.
Das Wirken unseres Herrn Jesus Christus an uns soll und muss offenkundig sein, an unserem Verhalten, an unseren Werken, in unserem Leben, in unserem ganzen Sein soll ER sichtbar sein. Und mit der Gewissheit, dass er bei uns ist bis an das Ende aller Tage, wird es uns gelingen, Menschen zu erreichen und für IHN zu gewinnen.

Bernd Schlothmann | Duisburg-Beeck

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