Leidenschaftlicher Glaube

Höhenflug ohne Turbulenzen?

„Leidenschaft nur Leiden schafft“ sagt der Volksmund und hat sicher nicht Unrecht. Es gibt ganz bestimmt Leidenschaften, deren Auswirkungen für Körper und Seele ungesund sind. Doch ich möchte hier von einer Leidenschaft berichten, die ich um nichts auf der Welt wieder aufgeben will. Es ist die Leidenschaft für Jesus Christus.
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte und mit aller deiner Kraft!“
(Markus 12, 30)

Dieser Vers trifft genau das, was diese Leidenschaft ausmacht: Liebe. Das ist kein oberflächliches, vergängliches Gefühl.
Das ist eine Haltung, ein Lebensinhalt, ein Verlangen nach der ständigen Gegenwart Gottes.

Mehr als 40 Jahre hat Gott gewartet, bis er mich vor eine unausweichliche Entscheidung gestellt hat: Willst du MICH als Herrn anerkennen für dein Leben? Willst du MIR dein Leben anvertrauen und dich MIR ganz unterordnen? Willst du dir MEINE Liebe schenken lassen?

Diese Entscheidung forderte Gott von mir in einem Augenblick, in dem ich bildhaft persönlich an einem Abgrund stand. Am Abgrund meines Wissens, meines Könnens, meiner Kraft, meines Denkens, meiner Möglichkeiten.
Nein, ich hatte nicht vor Suizid zu begehen – denn davor hatte mich Gott auch in den dunkelsten Stunden immer bewahrt.

Dieses Gefühl, was ich damals an diesem Wendepunkt hatte, kann evtl. jemand nachvollziehen, der schon einmal jahrelang tiefste Depressionen hatte oder in einer nicht enden wollenden, scheinbar endgültig ausweglosen Situation steckte. Es geht einfach nichts mehr.
Viele Jahre beherrschte mich diese Krankheit. Ich war unzufrieden, unglücklich, einsam, ruhelos und leer. Mein Leben schien gescheitert, zudem hatte ich eine Internetsucht entwickelt.

Doch Gott hatte mich „im Blick“, auch wenn ich es nicht bemerkte. Immer wieder einmal begegneten mir in jener Zeit Menschen, die mir von einem Jesus Christus erzählten, der so liebevoll war, dessen Liebe einen jubeln lässt, dessen Gegenwart man spüren kann und dass das Leben anders wird, wenn ER Herr im Leben ist. Das alles machte mich irgendwann neugierig. Ich begann diesen Jesus zu suchen.
ER hatte meine Neugier und eine Sehnsucht geweckt. Ich spürte plötzlich, dass ER der Schlüssel zu allen meinen Lebenssorgen und -fragen sein könnte.
Aber ich hatte Angst. Angst vor den Konsequenzen. Es war mir irgendwie klar, dass NICHTS mehr so sein würde wie vorher, wenn ich IHN gefunden hätte. Was würde mich erwarten?
Nach einiger Zeit des Fragens, des Suchens, des Zweifelns reifte der Tag der Entscheidung heran. ER hatte sich längst entschieden. ER hatte SEIN Werk an mir begonnen. Nun war ich an der Reihe. Und ich wagte den Schritt. Ich sagte mein vorbehaltloses JA zu IHM. JA, ich wollte mit IHM leben. ER sollte HERR meines Lebens sein.

Was dann begann, könnte man als leidenschaftliche Liebesgeschichte bezeichnen. Jesus räumte auf in meinem Leben. ER liebte mich aus der Depression heraus. ER ersetzte die unerfüllten Sehnsüchte mit der Sehnsucht nach IHM, SEINEM Wort, SEINER Gegenwart in Wort und Schrift, im Gebet. ER befreite mich von vielen kränkenden und zerstörenden Bindungen und öffnete mir die Augen für IHN und SEINE Liebe, SEINE Vorstellungen für mein Leben. Sichtbar und spürbar veränderte ER alles, was mich von IHM trennte und fernhielt.

Seltsamerweise trat keine meiner Befürchtungen ein, ganz im Gegenteil. Befreit, entspannt, froh und dankbar erlebte ich diese Veränderungen. Eine unendliche große Dankbarkeit begann mein Herz zu erfüllen. Ich jubelte vor Freude über dieses Geschenk meines HERRN Jesus Christus. Diese Dankbarkeit führte mich in eine große Liebe für diesen wunderbaren Gott.
Der Wunsch, IHM mein ganzes Leben zu geben, IHM zu dienen und IHN immer besser kennenzulernen und IHM nahe zu kommen wurde groß und größer. Nach Möglichkeit ließ ich keine Gelegenheit aus, um in Gottesdiensten, mit dem Hören von Anbetungs- und Lobpreisliedern, im Hauskreis, im Bibelkreis, im Gebetskreis, im Gespräch mit anderen leidenschaftlichen Christusnachfolgern, durch Bibellesen – dafür bin ich als passionierte Langschläferin sogar morgens früher aufgestanden – durch persönliches Gebet IHN ganz und gar in mir „aufzusaugen“, IHM nahe zu sein.
Es war ein Schweben auf „rosaroten“ Wolken. Manchmal überfiel mich Angst, die Bodenhaftung zu verlieren, eines Tages aufzuwachen und wieder in meinem „alten“ Leben zu stecken. Doch nichts davon passierte. Ich lebe immer noch ein ganz normales Leben, mit Arbeit, Haushalt, Freunden, Familie, Aktivitäten auch außerhalb von Kirche und Gemeinde, Kampf mit dem Übergewicht, gemütlichen Fernsehabenden, Momenten von Traurigkeit und Müdigkeit – mit einem Unterschied – Mittelpunkt dieses Lebens ist JESUS CHRISTUS.
Das absolut geniale an diesem „neuen“ Leben ist, dass ich spüren darf, dass ER zu jeder Zeit bei mir ist. In vielen Momenten, wo ich IHN bei Problemen unterschiedlicher Art und Ausprägung um Rat frage, antwortet ER sofort oder schenkt mir Geduld und Vertrauen in SEINE Art, die Dinge zu regeln. Oft verstehe ich SEIN Handeln nicht, aber im Nachschauen beantwortet sich manche Frage. Immer tiefer wird mein Vertrauen. Immer mehr erlebe ich, was es heißt, SEINEN Frieden in sich zu tragen, sich geborgen zu fühlen in SEINER Liebe.

Das Motto unserer Gemeinschaft im Jahr 2005 anlässlich unseres 50-jährigen Bestehens, „Zur Freiheit berufen“, bekam für mich eine ganz besondere Bedeutung.
Jesus Christus hat mich befreit von allem was mich gefangen hielt in Süchten, Sorgen, Depressionen und der verzweifelten Suche nach Liebe, Anerkennung und Frieden. Er hat mich aber auch frei gemacht von einengenden Vorstellungen über sein Heilshandeln.
Eine große, unendliche Freude und Dankbarkeit brach sich in mir Bahn, fand Ausdruck in Lobpreis, Anbetung und dem Bekenntnis des Grundes meiner Verwandlung.
Jedem, der mich fragte, wie denn diese Wandlung geschehen sei, erzählte ich begeistert von meinem Herrn – JESUS CHRISTUS.

Bist du verliebt, werde ich oft gefragt, weil ich offensichtlich einen so glücklichen Eindruck mache, wie ihn nur Verliebte machen. JA, sage ich dann: Ich bin VERLIEBT IN JESUS CHRISTUS. Bis heute beherrscht nun diese „Leidenschaft“ mein Leben.

Es gibt jedoch auch Momente, die diesen Höhenflug bremsen. Das geschieht z. B. immer da, wo mein eigener Wille sich mal wieder trotz aller guten Erkenntnisse gegen Gottes Willen durchsetzt. Das geschieht, wenn ich die Beziehung zu IHM in Gebet und Bibelstudium nicht gut pflege. Das geschieht ebenfalls, wenn allzu menschliche Probleme scheinbar alles überschatten. Das geschieht aber auch, wenn das Echo auf meine Freude in meiner Umgebung fehlt.
Auf meiner Suche nach Jesus Christus lernte ich viele Menschen kennen, die diese leidenschaftliche Liebe zu Jesus Christus spürten, lebten und ausdrückten. In Hauskreisen und Seminaren erlebte ich, wie Jesus Christus spürbar der Mittelpunkt war. Da wurde auch im Alltag Christsein sichtbar gelebt. Da wurde spontan für Sorgen und Nöte, für Freude und Dank gebetet. Da wurde offen, in beinahe jeder Situation, über die Beziehung zu Jesus Christus geredet. Diese Hingabe war „ansteckend“ und Mut machend.
Wenn solche Mitstreiter des Glaubens in meinem Alltag heute fehlen, fühle ich mich manchmal einsam, unverstanden, missverstanden. Ich wünsche mir dann Menschen an meiner Seite, die mir helfen, diesen Weg zu Jesus hin weiter zu gehen, Jesus ähnlicher zu werden, ganz als Jüngerin Jesu zu leben, diese Leidenschaft zu IHM auszuleben und mein Leben ganz IHM zu weihen.
Das sind dann schon sehr belastende und ängstigende Turbulenzen bei diesem Höhenflug. Der Absturz scheint zu drohen.

Doch immer wieder erlebe ich gerade dann die Stärke von Gottes „Stabilisatoren“, die stärker sind als jeder Orkan. SEINE Kraft, Liebe und Geduld tragen mich hindurch durch alle diese Turbulenzen. Ich darf gewiss sein, dass ER mich von Herzen liebt und mich nicht loslässt und nichts kann mich aus SEINER Hand reißen. Diese Gewissheit macht mich stark und hilft mir, meinen Weg mit JESUS CHRISTUS immer wieder neu zu finden und zu gehen. Auch gegen alle inneren und äußeren Widerstände.

Deshalb gebührt IHM mein Lobpreis, Ehre, Dank und Anbetung. Mein Leben soll das ausdrücken. Das ist mein größter Wunsch. Ich darf täglich neu erleben, wie ER handelt und mir Ausrichtung auf IHN hin gibt. ER hat mir bisher meine Leidenschaft erhalten und ich hoffe, dass es so bleibt.
In diesem Zusammenhang fällt mir das Lied ein: „Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin“.
Der dritte Vers lautet: „Jesus, bei Dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin. Nimm fort, was mich und andere zerstört.
Einen Menschen willst Du aus mir machen, wie er Dir gefällt, der ein Brief von Deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt.

Das wichtigste an diesem Text ist für mich, dass ER es macht, ER verändert und zwar so, dass es IHM gefällt. Voller Spannung erwarte ich jeden neuen Tag und bin neugierig auf diese andauernde Veränderung – eine Veränderung die immer mehr in SEINE Nähe führt. Manchmal ist das so, als käme man dem Himmel näher. Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.
„Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“ (Philipper 4, 4)

Edith Mücke

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