Gibt es sie überhaupt, die Osterfreude?

Lange musste ich in der Heiligen Schrift suchen, um im Umfeld der Auferstehungsgeschichte die Freude zu finden. Die Freude darüber, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.

Matthäus erzählt, dass die Frauen „mit Furcht und großer Freude“ (Matth. 28, 8) zu den Jüngern zurückkehrten, um ihnen die Botschaft der Engel zu verkünden.

Und Lukas berichtet von den versammelten Jüngern, die gerade der Nachricht der Emmausjünger zuhören, als Jesus den Raum betritt, dass sie „vor Freude noch nicht glauben konnten“ (Luk. 24, 41), dass er kein Geist sondern ihr auferstandener Heiland ist. Zu endgültig schien sein Tod, zu fern seine Verheißungen, zu sehr haben sich die Jünger bereits damit abgefunden, dass er für immer von ihnen gegangen ist. Gottes Möglichkeiten waren offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen.

Die Nachricht vom leeren Grab und die persönliche Erfahrung der ersten Begegnung mit den Engeln und dem Auferstandenen führen bei den Jüngern und den Frauen zunächst nicht in die Freude. Vielmehr machen sich Verunsicherung, Zweifel, Hilflosigkeit und Angst breit, als dass Freude aufkommt bei der Nachricht er sei auferstanden.
Seltsam! Es braucht einige Zeit, und Jesus schenkt ihnen mehrfach die persönliche Begegnung mit ihm und muss noch einmal richtig in die Tiefen der Schrift hineingehen und das Verständnis bei den Jüngern wecken, bis sich diese Verunsicherung in Freude verwandelt.

Freue ich mich über Ostern, an Ostern, über die Auferstehung Jesu? Verursacht seine Auferstehung Freude in meinem Leben?
Ist uns das Fest von Jesu Auferstehung längst zur Routine geworden oder ist es längst ohne Bedeutung, was an Ostern gefeiert wird?

Spontane „Halleluja-Rufe“ und unbändige Freude schlägt uns zwar aus zahlreichen Osterliedern entgegen, aber aus unseren Mitmenschen, oder aus mir selbst ist sie meistens weniger zu erfahren.

„Wecke die Freud durch das Wort ‚seliges Heut, uns ist der Retter erstanden.“
Refrain zu Lied Nr. 91

Wir müssen also etwas tun, heute etwas tun, nämlich die Freude wecken – darüber, dass unser Erlöser auferstanden ist.
An Weihnachten heißt es zu den Hirten: gehet hin! Ich denke, auch an Ostern ist unsere Mitarbeit gefragt: Wecke die Freude !

Es muss uns bewusst sein, dass wir ohne Jesus verloren sind. Damit meine ich: für immer von Gott getrennt, nicht Teil seines himmlischen Bereiches, unversöhnt, ungetröstet, voller innerer Vorwürfe und Bitterkeit, ungeheilt an Leib und Seele, für alle Zeit.

Wenn uns das bewusst ist und wir unsere ganze Hoffnung auf diesen einen Jesus gesetzt haben, dass nur er die Verbindung zu Gott wieder herstellen kann, dann muss uns die Nachricht, dass er genau das geschafft hat, wirklich freuen und jubeln lassen.
Denn durch ihn sind wir nun mit Gott vereint, Teil seines ewigen Himmels, versöhnt, getröstet und geheilt für alle Zeit.

All denjenigen, die noch auf der Suche nach dieser Freude sind, wünsche ich, dass sie sich öffnen können für die Begegnung mit Jesus, dass sie all die Vorbehalte, Ängste und Unsicherheiten ablegen, wenn ihnen Jesus in ihrem Leben, mitten in ihrem Alltag begegnet; dass sie sich nicht vor den Aussagen der Bibel verschließen, sondern zulassen, dass Gott sie ganz persönlich anspricht und ihnen das wahre Leben schenkt.

Von all denjenigen, die sich längst von Jesus erlöst wissen und keinen erneuten Weckruf zur Freude benötigen, wünsche ich mir, dass ihre Freude darüber mehr zum Ausdruck kommt, ansteckend auf ihre Umgebung wirkt und Mut – geradezu Lust darauf macht – dem auferstanden Herrn entgegen zu gehen und ihn persönlich zu erfahren.

Frohe Ostern und viel Freude mit dem auferstandenen Herrn !

Hartmut Dahmen

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