Liebe Leser

Liebe Leser,

letzte Woche war ich zu Gast bei einer Konfirmation hier am Ort. Der Pfarrer eröffnete seine Predigt mit einer Pantomime. Die Anwesenden sollten raten, was er da gerade tut. Des Rätsels Lösung war nicht einfach. Er sagte: „Ich werfe den Anker aus als Zeichen der Hoffnung.“

Lasst mich heute einmal seine Predigt in meine eigenen Worte fassen.
Der Anker, ein altes christliches Symbol der Hoffnung sagt dir: „Du kannst dich auf Gott verlassen.“ Auch wenn es noch so stürmisch um dich ist. Auch wenn du kein Land mehr siehst, du darfst immer neue Wege entdecken und ausmachen. Seht euch einen Anker mal genau an. Es fällt auf, er sieht aus wie ein Kreuz. Das Kreuz steht für Christus. Es steht dafür, dass das Kreuz nicht das Ende gewesen ist. Nicht das Aus und Vorbei, das alle Hoffnung weggewischt hat. Das Kreuz steht für den Ort oder für den Moment, an dem Gott dann doch neues Leben ermöglicht hat, ganz anders als gedacht. Hoffnung auf ein Leben, das stärker und größer ist, als alles, was dagegen spricht.

Der Beter des 71. Psalms hat einmal so davon gesprochen: „Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an“ (Psalm 71, 5). Als er diese Worte ausgesprochen hat, da war er alt. Diese Worte sind ihm einmal über seine Lippen gekommen, als er auf sein Leben zurückgeschaut hat. Vielleicht hat er am Meer gesessen und hat gesehen, wie die Fischerboote im Hafen einlaufen und wieder ausfahren. Und wie die Boote hin- und herziehen, so sind ihm vielleicht auch Bilder seines Lebens im Kopf vorbeigezogen. Die schönen Momente, aber auch die kritischen, wo so manches auf der Kippe stand und noch nicht sicher war, wie es ausgeht.
Und wie er so nachdenkt, wird ihm deutlich, dass in den entscheidenden Momenten immer wieder Hoffnung da war und er immer wieder nach vorne schauen konnte.
Hoffnung hat immer mit Zukunft zu tun. Und wenn uns heute diese Worte: „Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an“ zugesprochen werden, dann dürfen wir wissen: Ich darf in meinem Leben viel Hoffnung haben.

Bärbel Dahmen

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