Gottes Sehnsucht – unser leidenschaftlicher Glaube!

Als Jesus im Säuglingsalter von Maria und Josef in den Tempel gebracht wurde, um dem Herrn dargestellt zu werden (Lk. 2, 22), segnete Simeon sie und wies gleichzeitig auf den Grund seines Kommens hin: zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird (Lk 2, 34).
Apostel Johannes beschrieb den Auftrag des Gottessohnes wie folgt: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“ (1. Joh. 3, 8).
Es ging Jesus allein darum, den bedauernswerten Zustand der Menschheit zu ändern und am Ende der Zeit den paradiesischen Ursprungszustand wiederherzustellen. Er verließ den (sicheren) Platz, den er neben seinem himmlischen Vater hatte, wurde Mensch, lebte als Mensch (nur ohne Sünde) und besiegte durch seinen Opfertod am Kreuz die Macht des Satans, um dem ansonsten verlorenen Menschen die Rückkehr zu Gott zu ermöglichen.

Den gläubigen Menschen ist das wohlbekannt. Nur die Konsequenzen daraus werden eher selten gezogen. Mancher zieht sie nie.

Jesus hat seinen Auftrag in leidenschaftlicher Hingabe erfüllt. Machen wir uns das immer bewusst? Sind wir Gott dafür täglich dankbar? Oder meinen wir sogar, Gott durch ein wohlgefälliges Leben (nach unseren Vorstellungen) beeindrucken zu können und dadurch Erben seines Reiches zu werden? Unsere Vorstellungskraft reicht nicht aus, um im vollen Umfang erfassen zu können, was es bedeutet, in einem neuen Leib ohne Sorgen, ohne Schmerzen, ohne die Bedürfnisse, die wir heute „im Fleisch“ haben, und ohne zeitliche Begrenzung bei Gott zu leben.
Apostel Gaßmeyer hat einmal seinen sehnlichsten Wunsch zum Ausdruck gebracht: dem Herrn Jesus einmal gegenüber zu stehen, und ihm „die Hand schütteln zu können“. Das ist sicherlich auch der Wunsch eines Gläubigen, der nicht nur im Kirchenbuch stehen möchte.
Dazu ist unsere ganze Hingabe im Glauben und Vertrauen an und auf diesen Herrn erforderlich.

Jesus Christus hat die Missstände der Menschheit in seiner Erdenzeit aufgegriffen und sich gegen die gewandt, die meinten, durch ihre Erkenntnisse den Menschen den Weg zum Himmel weisen zu können. Damit hatte er sich vor allem keine Freunde bei den „klugen“ Pharisäern und Schriftgelehrten gemacht, die meinten, das richtige Verständnis vom Reich Gottes zu haben und es dem Volk so nahe bringen zu müssen. Sie legten manches Gebot, das sie von Mose und den Propheten her kannten, nach eigenem Gutdünken aus. Jesus aber richtete sie mit der göttlichen Wahrheit.
Und demgegenüber konnten Irrtümer und Irrlehren nicht bestehen. Das machte sie so zornig, dass sie sich nicht anders zu helfen wussten, als Mordpläne gegen ihn zu schmieden. Gott hat ihre Pläne benutzt, um seinen Plan zu erfüllen – die Rettung der Menschheit.

Und er überlässt es jedem einzelnen, ob er Teil dieses Planzieles sein will – durch die Freiheit der Entscheidung. Entscheidungshilfen gibt er reichlich – zuerst durch sein Wort in der Bibel, auch in Gottesdiensten durch die Predigt, und nicht zuletzt im Alltag durch ganz persönliche Ansprachen. Wer Ohren hat, der höre! (Mt. 11, 15 und zahlreiche Hinweise in den Sendschreiben der Offenbarung) Und wie antworten wir auf diese Ansprachen Gottes?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir stehen durch unser Leben den Bitten und Angeboten Gottes, uns durch die Zeitlichkeit zu führen, gleichgültig gegenüber und leben nach unseren Vorstellungen und Wünschen (auch wenn wir meinen, als Christen ganz passabel zu sein) oder wir haben die Liebe Gottes er- und begriffen und werden dann mit unserem Leben darauf reagieren! (siehe dazu 1. Könige 18, 21 und Offenbarung 3, 16)

Menschen sind heute oftmals stolz, wenn sie von sich behaupten, tolerant zu sein, auch Sünde zu akzeptieren. Hier ist zu hinterfragen, ob es sich um Barmherzigkeit gegenüber dem Sünder oder um Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde handelt. Das ist ein gravierender Unterschied. Es ist eine trügerische Hoffnung, zu glauben, Gott werde schon ein Auge zudrücken. Wer glaubt, wir hätten einen so „lieben Gott“, der für alle Sünden Verständnis hätte, der irrt.

Mancher fragt sich vielleicht: Warum sollten wir uns den Stress machen, dem Bösen in der Welt offen zu widersprechen? Außerdem hätten sich Begriffe wie Moral durch den Zeitgeist geändert!
Ein Professor der Philosophie, Rolf Konersmann, hat einmal geäußert, dass der Zeitgeist eine Art Hilfskonstruktion sei. Mit diesem Hilfsangebot verbunden sei aber auch seine Macht als Verführer. Daher sei Skepsis geboten, heute jede Änderung in der Gesellschaft als Fortschritt anzusehen.

Als Nachfolger und Jünger (nicht Anhänger) Christi sind wir zum Widerspruch gegen die Sünde aufgerufen. Ein behagliches, bequemes Christentum ohne Widerspruch bringt dieser mit unendlich viel Jammer und Leid belasteten Welt, der irdischen Gesinnung, nichts. Das hieße dann: Auftrag verfehlt – trotz täglicher und entscheidender Hilfestellungen von oben!

Für wie viele irdische Dinge im Leben setzen sich Menschen mit völliger Hingabe und Leidenschaft ein? Denken wir z.B. an Sammlerleidenschaften, oder an regelrechtes Rekordfieber. Das ruft wieder bei anderen, die solches miterleben, nur Kopfschütteln hervor. Und es geschieht oft für Dinge, die in kurzer Zeit unbedeutend sind.
Wer sich für das Evangelium mit Leidenschaft einsetzt, tut dies für das Unvergängliche!

Wir beklagen alle das Unrecht, die Gewalt in dieser Welt, sehen unsere Ohnmacht, die Zustände im großen und ganzen ändern zu können. Wenn Jesus wiederkommen wird – und das ist eine absolute Gewissheit – wird sich alles ganz grundlegend ändern.
Wir sind aufgefordert, in dem Umfeld, in das Gott uns stellt, als Jüngerinnen und Jünger Christi tätig zu werden. Mit vollem Einsatz! Die erforderliche Kraft und Ausdauer, die wir dazu brauchen, will ER uns schenken – jeden Tag neu. Aus eigener Kraft würden wir sehr schnell die Bemühungen nach mehr Frieden und Gerechtigkeit in unserer „kleinen Welt“ einstellen.

Zu oft schauen wir in die Niederungen der menschlichen Schwächen, der Engherzig- und Engstirnigkeit. Dann sind wir oft selbst genau dort, wie diejenigen, die wir verurteilen. Doch unsere Berufung ist es, aufwärts zu schauen und dem zu vertrauen, der uns zum Ziel unseres Glaubens führen wird (SdH 552).
Wir passen uns als Mitläufer allzu schnell dem Klagen und Stöhnen der Menschen um uns herum an und resignieren schnell. Ist ja auch viel bequemer und wir brauchen auch nicht zu befürchten, dass man uns wegen einer gläubigen, positiven Haltung belächelt. Aber fühlen wir uns wohl dabei, gerade weil wir die göttliche Hilfe kennen gelernt haben und um eine bessere Zukunft wissen?
So können wir nicht die Frohe Botschaft des Evangeliums glaubwürdig verkündigen!

Wenn uns der Glaube an eine Zukunft bei Gott beseelt, dürfen wir nicht schweigen. Wir haben schon jetzt eine Verantwortung als Christen, das Reich Gottes auszubreiten. Und wir werden Rechenschaft geben müssen, wie wir mit unseren Gaben umgegangen sind. Dann wird sich zeigen, ob wir vereinsmäßig agiert oder hingebungsvoll geliebt haben. Durch eine leidenschaftliche hingebungsvolle Liebe zum Herrn wird – bei allem persönlichen Versagen – seine Gnade an uns nicht vergeblich sein.

Es hilft heutzutage gar nichts, wenn wir uns gerne an die Tage der „ersten Liebe“ in unserem Glaubensleben erinnern. Was waren das doch für Zeiten: Die Gemeinschaft hielt zusammen, man hatte schöne Zusammenkünfte, gestärkt im Glauben durch kräftige Predigten und viele freudige Begegnungen und Erlebnisse. Da konnte man schon in gewisser Weise nachvollziehen, wie es um die ersten Christen bestellt gewesen ist. Und das sollte heute nicht mehr möglich sein? Darum die vielfache Resignation? Wie sieht es denn bei mir persönlich aus?
Es gilt, das Wort vom Kreuz zu ergreifen. Also nicht ein beschauliches Leben als unbeteiligter Zuschauer vieler schockierender Ereignisse in dieser Welt (Hauptsache, es betrifft nicht mich), sondern aktiv werden, sich einmischen, die Frohe Botschaft des Evangeliums gegen alle Widerstände verkündigen!

Wir sollen Licht in dieser Welt sein! Wir sollen anderen den Weg zum Himmel weisen, nicht durch fromme Worte und gutgemeinte Ratschläge, sondern durch ein glaubwürdiges Leben mit Gott unter seinem beständigen Wort, das uns selbst Wegweisung ist!

Wer es im Vertrauen auf Gott hört und danach handelt, hat ein stabiles Lebensgebäude (Mt. 7, 24)

Günther Schröer, Bottrop

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