Unsere Ursprünge – unser Weg 4

Heinrich Geyer
und die Allgemeine christliche Apostolische Mission
Eine weitere Folge unserer Reihe „Apostolische Kirchengeschichte“.

Wie im letzten Artikel über die KAG bereits erwähnt, kam es Mitte der 1850er Jahre nach dem Tod einiger Apostel zu der wichtigen Frage, ob die Verstorbenen ersetzt werden sollten. Man entschied sich jedoch nach reiflichen Überlegungen und Zuziehung der Propheten dazu, dass die Schrift dazu keine Ermächtigung gäbe.
Der deutsche Engelprophet Heinrich Geyer rief bei einer Apostelversammlung 1860 in Albury zwei neue Apostel, was jedoch nach sofortigem Abbruch der Versammlung und Beratungen verworfen wurde. Diese Rufung blieb jedoch nicht folgenlos und es kam durch Heinrich Geyer zu einer Spaltung mit der Entstehung einer neuen Gemeinschaft.
Heinrich Geyer wurde am 27. März 1818 in Hardegsen bei Göttingen als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren und arbeitete zunächst als Gerichtsschreiber, später als 20-jähriger trat er seine erste Stelle als Volksschullehrer an. Er heiratete am 6. Oktober 1839 die sieben Jahre ältere Louise Kühne. Geyer war evangelisch und im September 1844 wurde ihm von der lutherischen Kirchenleitung in Hannover eine Lehrerstelle in Volpriehausen bei Uslar übertragen. Hier gründete er das Heim „Rettungshaus Bethesda“ für verwahrloste Kinder, das erste solche Heim im Königreich Hannover. Außerdem entwickelte er Aktivitäten im religiösen Bereich, wie Erbauungs- und Gebetsversammlungen, da der Pfarrer vor Ort es nicht verstand, das religiöse Leben zu wecken.

Im Frühjahr 1849 kam er zufällig mit der katholisch-apostolischen Bewegung über eine Schrift in Berührung und stellte sich nach einer persönlichen Begegnung mit einem KAG-Vertreter aus Berlin schnell in deren Dienst. Er wurde daraufhin von der evangelischen Kirche seines Lehreramtes enthoben und zog am 26. Oktober 1849 nach Berlin (seine Familie kam wohl erst 1850 nach), wo er am 26. Dezember 1849 durch den Apostel Thomas Carlyle versiegelt und als Unterdiakon eingesetzt wurde. Zwei Tage später schon wurde er in einem Anbietungsgottesdienst zum Priester berufen und am 25. Juli 1850 als Priester vom Apostel ordiniert. Zusammen mit ihm wurde auch der spätere Leiter der Hamburger Gemeinde Friedrich Wilhelm Schwarz eingesetzt. Kurz nach der Ordination unterschied der Apostel Carlyle den Amtscharakter Geyers als den eines Propheten, weil die Rufungsworte des Propheten Taylor „... der Herr vertraut dir an sein Wort...“ gelautet hatten.
Am 6. August 1850 diente Geyer wahrscheinlich erstmals in diesem Amt.
Er hatte unter den katholisch-apostolischen Amtsträgern einen guten Ruf und begleitete den Apostel auf vielen Reisen. Zu diesem bestand ein gutes und sachliches Verhältnis. Im Frühjahr wurde er vom Pfeilerpropheten Edward Oliver Taplin in Albury zum Engel (=Bischof) berufen, unterwiesen und am 9. September 1852 in Berlin durch Apostel Carlyle hierzu ordiniert. Damit war Geyer der erste deutsche Prophet in der KAG im Range eines Bischofs. Er diente dem ganzen Stamm „Norddeutschland“, ohne jedoch jemals offiziell zum „Propheten mit dem Apostel“ und somit zu einem Amtsträger der allgemeinen Kirche berufen worden zu sein. Formell blieb er als Prophet der Berliner Gemeinde dem dortigen Engel Carl Rothe unterstellt.
Das prophetische Wirken Geyers stand im Zentrum seiner Amtstätigkeit. Er soll außerdem noch die Gaben des Zungenredens und der Krankenheilung besessen haben. Zwischen 1852 und 1862 berief er alle Priester und Engel in Norddeutschland sowie einige in Süddeutschland und der Schweiz.
Nach dem Tode des Apostels Carlyle übernahm der Apostel Francis Valentine Woodhouse das Arbeitsgebiet Norddeutschland.
Ab 1858 besuchte Geyer in Albury die neu eingeführten prophetischen Konferenzen. Hauptzweck dieser Konferenzen war das Studium und die prophetische Auslegung der Bibel: 1858/59 wurden die Bücher Esra, Nehemia und Esther bearbeitet, 1860/61 die Offenbarung.
Die ersten Apostel waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, und die Apostel hatten sich erneut dazu durchgerungen, die Ämter nicht neu zu besetzen. Umso erstaunlicher war es, dass Geyer bei der dritten dieser Konferenzen im Jahre 1860 zwei neue Apostel berief: Charles Böhm (von 1851 bis 1867 übernahm dieser als Nachfolger von J. Barclay das Amt des „Evangelisten mit dem Apostel“ für Norddeutschland. Anfang 1854 bereitete er die Gründung einer katholisch-apostolischen Gemeinde in Hamburg vor) und William Caird. Heinrich Geyer weissagte folgendes: „Sehne dich nach den Aposteln, welche deine Stühle verlassen haben! Der Herr gibt dir zwei Apostel auf die leeren Stühle zum Unterpfand, dass er auch die übrigen noch besetzen wird, dass eure Schultern nicht zerbrechen, nämlich: der Ko-Adjutor Charles Böhm und William Caird als Apostel, denn sie sind als treue Mitarbeiter erfunden worden.“ Woodhouse fragte Geyer: „Haben Sie die Meinung, dass diese zwei Männer jetzt wirklich Apostel sind?“ Und Geyer antwortete sehr vorsichtig: „Die Apostel haben verordnet, dass die Propheten kein Urteil haben sollen über das Ergebnis ihrer Weissagungen, sondern die Apostel haben das Urteil zu fällen. Ich weiß nur, dass dieses Wort vom Heiligen Geist war, wofür ich verantwortlich bin. Alles übrige überlasse ich den Aposteln.“ Darauf Woodhouse: „Die Apostel verwerfen diese und jede andere Rufung von Aposteln, weil die jetzigen Apostel ausreichen werden bis zur Zukunft Christi.“
Geyer beugte sich zunächst der Apostelentscheidung und versah weiter seine Dienste. Im Herbst 1860 begann er die Herausgabe der Zeitschrift „Die Morgenröte“. Es war eine private Herausgabe, die aber – drei Jahre vor der Herausgabe der offiziellen KAG-Zeitschrift „Pastorale Mitteilungen“ – von vielen katholisch-apostolischen Christen gelesen wurde.

1862, zwei Jahre später, war der Pfeilerprophet Oliver Taplin gestorben. Nun bekam Geyer einen noch größeren Einfluss. Er weilte in diesem Jahr zusammen mit Apostel Woodhouse, Evangelist Böhm und dem Hirten Thiersch in Königsberg, wo ein Grundstein für eine neue Kapelle gelegt wurde und außerdem E. Schwarz zum Engel der Gemeinde ordiniert wurde. Am 10. Oktober 1862 war Geyer abends in der Wohnung zusammen mit dem Baumeister und katholisch-apostolischen Priester Rudolph Rosochacky, den er zum Apostel rief. Wohl schon Ende 1861 oder Anfang 1862 hatte Geyer laut Aufzeichnungen von Böhm in Berlin einen Apostel gerufen, der die Rufung allerdings nicht annahm. Im Juni 1862 schrieb Woodhouse im Zirkular „Über das prophetische Amt“ von der Anfechtung der KAG durch den Tod der Apostel und wies nochmals auf die Aussichtslosigkeit neuer Apostelrufungen hin. Woodhouse erfuhr einige Wochen lang nichts von den Rufungen Geyers und dieser konnte zunächst unbehelligt weiter in den Gemeinden wirken. Allerdings kam es dann doch im Advent 1862 zum offenen Konflikt, aber nicht wegen dieser heimlichen Apostelberufung, sondern weil Geyer eine Lehre vertrat, die abwich von der offiziellen katholisch-apostolischen Lehre. Und zwar lehnte Geyer die Vorentrückung ab, die bei den katholisch-apostolischen Gemeinden vertreten wurde – also die Ansicht, dass die auserwählten Heiligen oder Gläubigen vor der Trübsalszeit ohne Jüngstes Gericht entrückt würden (übrigens eine Lehre, die auch die NAK heute noch vertritt). Der Engel Rothe stellte ihn deshalb zur Rede. Da Geyer auf seiner abweichenden Auffassung beharrte, wurde er am 21. Dezember vorläufig suspendiert und vom Abendmahl ausgeschlossen. Diese Suspension wurde vom Apostel am 31. Dezember bestätigt.

In Hamburg war der Engel Friedrich Wilhelm Schwarz (von ihm selbst auch „Schwartz“ geschrieben) Leiter der Gemeinde, der aber auch dem ranghöheren Engel Rothe in Berlin unterstellt war. Geyer teilte Schwarz im Dezember 1862 seine Suspension und die früher erfolgte Apostelberufung Rosochackys in Königsberg mit. Schwarz sympathisierte schon lange mit Geyers Vorstellungen von einer Weiterführung des Apostelamtes. Er lud Geyer und Rosochacky nach Hamburg ein. Geyer erschien trotz Suspension in vollem Ornat zum Gottesdienst am 4. Januar 1863, wo er Rosochacky als Apostel annahm. Die große Mehrheit der Gemeinde Hamburg, bis auf fünf Mitglieder, stellte sich hinter Schwarz, Geyer und Rosochacky. Engel Rothe konnte die Gemeinde am 7. Januar nicht umstimmen und suspendierte alle Hamburger Amtsträger, die Geyer folgten.
Am 17. Januar 1863 widerrief Rosochacky, nach Königsberg zurückgekehrt, seine eigene Apostelberufung und bezeichnete sie als teuflisch. Er wurde daraufhin einen Monat nach dem Widerruf wieder in die KAG aufgenommen und bald darauf zum Engel der Königsberger Gemeinde geweiht. Dadurch kamen Geyer, Schwarz und die Hamburger Gemeinde in Erklärungsnot. Man suchte zunächst wieder Anschluss an die Berliner Gemeinde, aber das amtliche Verfahren gegen Geyer und Schwarz war bereits eingeleitet. Am 26. Januar 1863 formulierte der bekannteste katholisch-apostolische Theologe Heinrich Thiersch als „Hirte mit dem Apostel“ die Anklage, woraufhin am nächsten Tag Geyer und Schwarz schuldig gesprochen wurden. Woodhouse exkommunizierte Geyer und Schwarz zunächst inoffiziell in der Sakristei der Berliner Gemeinde und dann auch offiziell in einem Brief vom 6. Februar 1863, adressiert an die Hamburger Gemeinde, was nun die Trennung offiziell besiegelte.
Nun ging die Hamburger Gemeinde unter Schwarz und Geyer ihren eigenen Weg. Sie wollten solange ohne Apostel bleiben, bis der Herr ihnen einen neuen geben würde. Dies erfolgte im Frühjahr 1863, als in Abwesenheit Geyers der Priester Carl Wilhelm Louis Preuß entgegen allen katholisch-apostolischen Traditionen durch einen Diakon zum Apostel berufen wurde. Preuß wurde zwar von Geyer anerkannt, stand aber bis zu seinem Tod am 25. Juli 1878 immer im Schatten des geistig begabteren Geyer, so dass die ca. 150 Mitglieder zählende Gemeinde „Geyerianer“ genannt wurde. Geyer hielt die Grundelemente katholisch-apostolischer Tradition in Gemeindeordnung und Kultus weitgehend bei.
Mit dem Umzug Geyers von Berlin nach Hamburg stellte er auch die Zeitschrift „Die Morgenröte“ ein und gab ab 1863 „Der Sendbote“ (vgl. die Analogie zum späteren „Der Herold“) heraus. Im Frühjahr 1863 fanden bereits Versiegelungen, die Priesterordination von Peter Wilhelm Louis Stechmann und Gottesdienste mit vierfachem Amt statt. Am 15. Mai und noch mal im Jahr 1886 schrieben Preuß, Geyer, Stechmann und Schwarz an die Albury-Apostel, die Briefe blieben jedoch unbeantwortet. Am 25. Mai 1863 wurde auch Schwarz durch Geyer zum Apostel gerufen und in die Niederlande geschickt, wo er die „Apostolische Zending“ gründete. Die Hamburger Gemeinde suchte nach einem neuen Namen und nannte sich „Allgemeine christliche Apostolische Mission (AcAM)“. Von Geyer gingen weitere missionarische Tätigkeiten aus und er hielt zahlreiche Vorträge. Es konnten Gemeinden in Berlin und im Harz (Winneburg, Edela, Osterode, Braunschweig und Wolfenbüttel) gegründet werden. Am 30. Oktober 1864 rief Geyer in Hamburg weitere Apostel: Peter Wilhelm Louis Stechmann für Ungarn, Johann Christoph Leonhard Hohl für Hessen und Heinrich Ferdinand Hoppe für die USA, sowie Johann August Ludwig Bösecke für Schlesien. Bis 1878 erfolgten dann durch Geyer keine Rufungen mehr. 1872 ordinierte Schwarz Friedrich Wilhelm Menkhoff.
Die Leitung der AcAM oblag den fünf Aposteln und Geyer, die den Central-Vorstand der allgemeinen christlichen apostolischen Mission bildeten. Schwarz und später Menkhoff gehörten ihm nicht an, da sie in den Niederlanden arbeiteten.
Ab Mitte der siebziger Jahre kam es zu Spannungen in den Gemeinden, was zu zwei „Lagern“ (das größere unterstützte Geyer) führte. Es ging:

1. um die Stellung von Prophet und Apostel zueinander, denn Geyer wollte seine Prophetenautorität und seine direkten Eingebungen über die apostolische Autorität stellen oder zumindest als gleichwertig betrachten, sich ihr jedenfalls nicht unterwerfen, da er sich als derjenige fühlte, der die neue Reihe der Apostel (außerhalb der Katholisch-Apostolischen Gemeinde) initiiert hatte;

2. um das Kirchenverständnis, denn Geyer war noch nicht so kirchenfeindlich und separatistisch eingestellt wie die späteren Neuapostolischen. Ihm wurde von seinen Gegnern eine ökumenische, ja geradezu kirchenfreundliche Gesinnung vorgeworfen.

3. um die Lehre der Vorentrückung, die Geyer noch immer ablehnte; und

4. darum, dass nach Geyer alle Christen Erstlinge seien und deshalb die Versiegelung nicht notwendig wäre.

Am 31. März 1878 rief Geyer in Abwesenheit seines Apostels Preuß in Hamburg Johann Friedrich Güldner zum Apostel für Norddeutschland und Skandinavien und damit zum Nachfolger des schwer erkrankten Preuß. Dies konnte Preuß nicht recht sein, denn er hatte eigene Nachfolgepläne und wurde von dem Ältesten Fritz Krebs aus den Harzgemeinden unterstützt.
Am 25. Juli 1878 starb Preuß und der gerufene, aber noch nicht ordinierte Apostel Güldner sollte sein Amt antreten. Dem widersprach eine starke Gemeindegruppe, welche von dem Hirten Eduard Wichmann geführt wurde, den Preuß noch auf seinem Sterbebett als Nachfolger eingesetzt hatte. Die rechte Hand Wichmanns war der spätere einflussreichste Mann der neuapostolischen Bewegung, Fritz Krebs. Die Folge war, dass Wichmann Geyer für abgesetzt erklärte. Er und Güldner verließen mit ca. 250 der 300 Mitglieder der Hamburger Gemeinde die Versammlung; die anderen Gemeinden hielten weitgehend zu Wichmann und Krebs, ebenso die Apostel Bösecke und Hohl, nicht jedoch Apostel Hoppe.
Bereits eine Woche später hielten Geyer und Güldner wieder eigene Gottesdienste. Das Geschehen am 4. August 1878 wird von einigen Religionswissenschaftlern als die Geburtsstunde der „Neuapostolischen Kirche“ betrachtet, die sich aus dem Rest der Hamburger Gemeinde, den kleineren Gemeinden im Harz sowie den von Menkhoff und Schwarz zwischenzeitlich in den Niederlanden und Westfalen gegründeten Gemeinden entwickelte.

Die Geyer-/Güldner-Gemeinde hielt ihren Namen als „Allgemeine christliche Apostolische Mission“ bei und stand ganz unter dem Einfluss von Geyer. Sie konnte in der Folgezeit jedoch kein Wachstum mehr erzielen, obwohl immer wieder Mitglieder der Hamburger Gemeinde zu ihnen stießen, obwohl Menkhoff und Krebs ihrerseits versuchten, Mitglieder der AcAM zur „neuen apostolischen Ordnung“ zu ziehen.
Am 4. Oktober 1896 starb der Prophet Heinrich Geyer im Alter von 78 Jahren in Hamburg. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Nachfolger im Prophetenamt wurde der Verleger Jakob Weber. Im November 1899 wurde auf der Alexanderstraße 18/20 in Hamburg-Sankt-Georg eine Kapelle eröffnet.

Nach dem Tode des Apostels Güldner am 31. März 1904 wurde die ca. 200 Mitglieder zählende Gemeinde von Bischof Heinrich Walter Lehsten fast zehn Jahre ohne apostolisches Amt geleitet, denn Apostel Stechmann übte sein Amt offenbar nicht mehr aus und Apostel Hoppe war verstorben.
Im Oktober 1909 schloss sich ihr eine Abspaltung der Alt-Apostolischen Gemeinde unter Robert Hermann Geyer, einem ehemaligen neuapostolischen Priester, an. 1913 wurden durch den Propheten Jakob Westphaln aus den USA Robert Geyer als Apostel für Amerika und Titus Kopisch als Apostel für Deutschland berufen. Kopisch scheint später eigene Wege eingeschlagen zu haben. Robert Geyer blieb wegen des Ersten Weltkrieges in Deutschland und leitete alle Gemeinden der inzwischen „Allgemeine Apostolische Mission“ (AAM) genannten Gemeinden von Jena aus. 1925 wurde Robert Geyer durch Bischöfe der französischen gallikanischen (katholischen) Kirche zunächst zum Priester und später zum Bischof geweiht. Die Einführung der „apostolischen Sukzession“ bedeutete einen grundsätzlich anderen Ansatz als die prophetisch-charismatische Berufung in der katholisch-apostolischen Tradition.
Nach Geyers Tod (1957) verwaisten die Gemeinden, die wohl insgesamt nie mehr als 800 Mitglieder hatten, und wurden schließlich aufgegeben. Die Lehre der AAM orientierte sich zunächst weitgehend an der der katholisch-apostolischen Gemeinden. Wichtige Unterschiede waren die Einführung der Konfirmation, die Kürzung und Straffung der Liturgie und die Umbenennung des Engelamtes zum Bischofsamt. Charakteristisch waren die Beibehaltung und Betonung des vierfachen Amtes und die prophetische Berufung von Amtsträgern (mit Ausnahme der Diakone).
Die Allgemeine christliche apostolische Mission entstand mit der Absicht, ein Aussterben der Apostel und damit ihrer Gemeinden zu verhindern, was letztlich nicht gelang. Ihr ist es jedoch gelungen, das katholisch-apostolische Erbe durch viele ökumenische Kontakte insbesondere von Robert Geyer in kirchliche, ökumenische, charismatische und bruderschaftliche Kreise bekannt zu machen.

Volker Wissen, April 2010

Literatur:
Obst, Helmut: Apostel und Propheten der Neuzeit,
Berlin 1990, ISBN 3-372-00193-1
Schröter, Johannes Albrecht: Die Katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland und der Fall „Geyer“, Marburg 1998, ISBN 3-8288-9014-8

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