Die Bibel – das „Buch der Bücher“

In der Ausgabe 15/2010 veröffentlichte Idea Spektrum ein Interview mit Karl-Heinz Vanheiden und Roland Werner zum Thema „Warum brauchen wir immer neue Bibeln?“ Beide haben die Bibel in einem modernen Sprachstil übersetzt.

Karl-Heinz Vanheiden, 62 Jahre alt, ist Schriftleiter der vom Bibelbund herausgegebenen Zeitschrift „Bibel und Gemeinde“, studierter Physiker und unter anderem Lehrer an der Bibelschule in Burgstädt (Sachsen). Seine „Neue evangelistische Übersetzung“ des neuen Testamentes erschien 2003.

Roland Werner, 52 Jahre alt, ist Gründer und Leiter des Christus-Treffs in Marburg, einer Gemeinde in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Er ist promovierter Afrikanist, seine Übersetzung des Neuen Testamentes „das buch“ erschien im August 2009.

Hier einige persönliche Eindrücke und eine kurze Zusammenfassung des Interviews:

Inzwischen existieren über 50 Übersetzungen des Neuen Testaments in die deutsche Sprache, da stellt sich zurecht die Frage, ob wir noch weitere brauchen. Insbesondere die Luther Übersetzung ist sehr einprägsam und ihre Formulierungen oft zu festen Bestandteilen des deutschen Wortschatzes geworden.
Andererseits führt die Frage nach der Notwendigkeit moderner Übersetzungen in letzter Konsequenz dazu, die Übersetzung der Bibel aus ihrem griechischen oder lateinischen Urtext überhaupt als sinnvoll und notwendig zu hinterfragen. Aber wer will schon gerne griechisch lernen?
Also in deutsch sollte sie schon sein, die Bibel - und gut lesbar, als Ganzes, auch laut zum Vorlesen und verständlich natürlich. Und möglichst viele Menschen sollten sie lesen. Darin stimmen nicht nur die beiden Autoren überein. Herr Vanheiden geht soweit, dass er die Bibel so leicht wie eine Tageszeitung lesbar machen möchte. Was spricht eigentlich dagegen?

Schließlich hat Luther gesagt, man müsse dem Volk aufs Maul schauen und da die Menschen nicht mehr so reden wie zu Luthers Zeiten und auch nicht mehr so wie in den 70er Jahren brauchen wir auch immer wieder neue Übersetzungen. Oder anders herum gesagt: Wenn Luther heute die Bibel übersetzen würde, dann würde er sicherlich nicht die Sprache von 1520 verwenden.

An die Stelle wortwörtlicher Übersetzungen, die das Lesen und Verstehen oft erschweren, setzen moderne Autoren, so auch die beiden Interviewpartner, eine sinngemäße Übersetzung. Dass das zu einer deutlichen Verlängerung des ursprünglichen Textes führt (so umfasst der Römerbrief in der Übersetzung von Herrn Werner 89% mehr Worte als der griechische Urtext), wird zu Gunsten der Verständlichkeit gerne in Kauf genommen. Schließlich geht es ja darum, dem Leser das Lesen möglichst zu erleichtern, so Herr Vanheiden.

Da ist es nicht falsch, bibelunkundigen Lesern den Einstieg ins Bibellesen mit verständlicher Sprache und gängigen Begriffen schmackhaft zu machen. Es wird ja niemand daran gehindert, in einem weiteren Schritt auf bewährte Übersetzungen zurückzugreifen. Da stimme ich Herrn Werner gerne zu.
Übrigens: Selbst Luther hat seine Übersetzung mehrfach überarbeitet und Gottes Geist hat seit jener ersten Übersetzung seinen Dienst nicht eingestellt, sondern weiterhin Menschen inspiriert und im Glauben entwickelt.

Freuen wir uns mit den beiden Autoren, wenn die junge Generation über moderne Übersetzungen den Zugang zum Bibellesen findet und hoffen wir darauf, dass zukünftige Generationen in ihrer Sprache – die eine andere als unsere sein wird – ebenfalls angesprochen werden, vom Wort Gottes, das lebendig und kräftig, schärfer als ein zweischneidiges Schwert und ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens ist. (Hebräer 4, 12 in der revidierten Luther-Übersetzung von 1984 )

Oder wie es die Volxbibel übersetzt: Gottes Worte, die powervoll, schärfer als eine Rasierklinge und gefährlicher als ein Laserschwert sind. Sie verurteilen oder bestätigen uns, je nachdem, wie wir leben.

Hartmut Dahmen

Bezug: Interview der Idea Spektrum mit Herrn Vanheiden und Herrn Werner zum Thema „Warum brauchen wir immer neue Bibeln?“ Ausgabe 15/2010

Ausgabe