Zitate und Meinungen zur Person Jesu Christi

Mein Vater verfasste in Vorbereitung auf einen Evangelisationsabend am 06.01.1973, an dem auch immer Gäste teilnahmen, ein Konzept mit der Überschrift „Was wissen wir von Jesus Christus?“ Daraus möchte ich nun zitieren:

„Eines wissen wir genau: Er hat wirklich gelebt! Kein Wissenschaftler wird die Existenz Jesu von Nazareth leugnen.
Es sind uns eine ganze Reihe außerbiblischer Quellen aus den beiden ersten Jahrhunderten erhalten geblieben, heidnische wie jüdische, die alle Jesus seinen Heilandsanspruch absprechen. Aber keine dieser Quellen macht auch nur den Versuch, seine Geschichtlichkeit in Frage zu stellen.
Seine Schüler und Nachfolger jedoch, die uns biblische Berichte hinterlassen haben, legen betont darauf Wert, dass sie uns keine Märchen und Legenden, keine Fabeln und keinen Mythos, sondern erlebte und erfahrene Tatsachen überlieferten (Lk. 1,1-4, Jh. 21,24).

Sein Leben ist ganz anders gewesen als das eines jeden von uns. Es war so voller unbegreiflicher Tatsachen, dass wir sagen können: Es war ein einziges Wunder.

Schon seine Geburt geschah auf übernatürliche Weise. Wie Gott einst den ersten Menschen selbst erschaffen hatte, so schuf er jetzt in seinem Sohn den neuen Menschen.
Gott ließ ihn auch nicht im Tode, in dem die Menschen ihn gestürzt hatten, sondern rief ihn aus dem Grabe wieder heraus zu neuem, unvergänglichen Leben, bis er ihn schließlich wieder ganz zu sich holte.
Von diesen drei Tatsachen seiner Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt kann unser Verstand nicht eine begreifen oder nachkontrollieren.

Auch das, was zwischen diesen Ereignissen lag, war voller Wunder. Jesus sprach in einer nie dagewesenen Vollmacht. Er allein kannte den Willen Gottes und konnte die Gebote so auslegen, wie Gott sie erfüllt sehen wollte.
Jesus nannte sich den Sohn des Allmächtigen und sprach von Gott als seinem Vater. Jesus war Herr über alle Krankheiten und Nöte, über alle menschliche Schuld und Sünde, sogar über den Tod, denn Gott gab ihm die Macht dazu. Darum erhebt Jesus auch den Herrschaftsanspruch über jeden, der durch ihn zu Gott kommen will.

Mit menschlichen Maßstäben betrachtet, musste Jesu Verkündigung eine Anmaßung sein, die einer Gotteslästerung gleich kam. Das haben die Juden ihm damals auch vorgeworfen. Die Spannung löst sich erst, wenn man Jesus als den ansieht, der er hat sein wollen: Gottes Sohn!
So hat er sich seinen Zeitgenossen bezeugt, so hat er von sich zu seinen Jüngern gesprochen und ihr Bekenntnis angenommen (Mt. 16, 13-17). So hat er vor den Hohepriestern, vor der obersten geistlichen Instanz, den Eid abgelegt (Mt. 26,62-64), so haben die Apostel später über ihn geschrieben, so haben die Missionare von ihm gepredigt, so hat die Christenheit bis heute an ihn geglaubt.

Dass Jesu Person, sein Leben und seine Botschaft mit dem Verstande nicht zu fassen sind, hat Jesus selbst gesagt, als er vom Geheimnis seiner Verkündigung sprach (Mt. 13,11). Die Heilige Schrift enthält mit den ältesten Christushymnus, der uns erhalten ist. Er beginnt mit den Worten: „Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis“, d.h. „zugestandenermaßen“, „ganz gewiss“ ist es sehr groß. Begreifen werden wir es nicht, aber wir werden es erfahren, sobald wir in Jesus Christus nicht einen Menschen, auch nicht irgendeinen Herrn und Heiland sehen, sondern unseren Herrn und Heiland sehen und uns von ihm zu Gott führen lassen.“
Apostel Brückner formulierte im Entwurf eines Glaubensbuches für die Reformiert-Apostolischen Geschwister in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts:
„Christus ist der sichtbar gewordene Gedanke Gottes in der Welt. Je mehr wir ihn in unser Leben aufnehmen, je mehr sein Geist unseren Gedanken Ziel und Inhalt gibt; je mehr er selbst – der große Gottesgedanke- der Mittelpunkt unserer Gedankenwelt wird, desto mehr erfüllen wir die große und kleine Aufgabe unseres Lebens, die aber immer göttlich ist.
Das ist ja unseres Lebens Zweck und Ziel, dass auch wir mehr „Gedanken Gottes“ werden. Sichtbar gewordene Gedanken Gottes hier auf Erden! Welch hohes, großes Ziel!
Wär es nicht wert, sein kleines Leben diesem großen Ziel zu weihen? Es ist das Höchste, Größte, das wir werden können: Gedanken Gottes! * (siehe Anmerkung der Redaktion)
Theologischer Hintergrund

Die Formulierung „Christus ist der sichtbar gewordene Gedanke Gottes in der Welt“ bezeichnet die Auffassung, dass bereits vor Erschaffung der Welt, also vor irgendeiner materiellen Existenz, sowohl Christus als auch der sichtbar gewordene Leib Christi, die Gemeinde, in Gottes Vorsehung vorhanden waren. Christus war der „logos“, der „Plan Gottes zur Erlösung der Menschen“, der „göttliche Gedanke“ und er wurde erst Fleisch, als er in Maria empfangen wurde.
Diese Auffassung ist nicht unumstritten, da nach Joh. 17,5 „Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ Christus auch durchaus von Beginn an als „göttliche Natur“ existiert haben kann.
Wenn Joh. 17,5 jedoch in diesem Sinn interpretiert wird (um z. B. damit die Dreieinigkeit zu beweisen), dann zeigt das einen Christus, mit dem wir uns als Menschen nicht wirklich identifizieren könnten. Wir haben keine „göttliche Natur“.
Die Bibel sagt uns aber, dass Christus mitfühlen kann mit unserer Schwachheit, weil Christus so wie wir war und in der gleichen Weise wie wir versucht wurde. Bis heute kommt also dieser große „Gottesgedanke“ als Plan der Erlösung in unser Leben als Christen, als Gemeinde, als Leib Christi. [Red.]

Jesus Christus ist nicht
das leidenschaftslose Ja des Richters,
sondern das barmherzige Ja des Mitleidenden.
In diesem Ja ist das ganze Leben
und die ganze Hoffnung der Welt beschlossen.
Dietrich Bonhoeffer
* * *

Das, worauf es ankommt, ist,
Jesus Christus in den Mittelpunkt
des eigenen Lebens zu stellen,
so dass unsere Identität im wesentlichen
von der Begegnung, von der Gemeinschaft
mit Christus und seinem Wort geprägt wird.
In seinem Licht wird jeder andere Wert bewahrt
und gleichzeitig von möglicherweise
vorhandenen Unreinheiten befreit.
Benedikt XVI
* * *

In Christus geschieht es,
dass Gott zu uns kehrt.
In Christus hat Gott des Himmels Fenster aufgetan
und Segen die Fülle herab geschüttet.
Walter Lüthi
* * *

Die Sterne sind mir verblichen,
seit mir in Christus die Sonne aufgegangen ist.
Clemens von Alexandria
* * *

Wenn Jesus kommt,
muss offenbar werden, was in uns steckt.
J. Busch
* * *

Jesus Christus,
wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird,
ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören,
dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen
und zu gehorchen haben.
Barmer Theologische Erklärung, These 1
* * *

Ob wir von Christus wissen
oder nicht,
er ist da, ganz nahe bei jedem.
Wie ein unbemerkter Begleiter,
wie ein Licht in unserer Finsternis,
wie ein brennendes Feuer
im Herzen der Menschen.
Roger Schutz

Gert Loose

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