Zwei Wochen auf einem „Schiff der Barmherzigkeit“

Mir begann es zu drehen. Zuerst dachte ich, wegen des Temperaturwechsels – draußen 40°C und drinnen im fest verankerten Schiff richtig kühl. Aber dann erklärte mir Jemand, dass das Schiff auch im Hafen immer leicht in Bewegung bleibt. Das beruhigte mich natürlich.

Seit Anfang des Jahres schon liegt die „Africa Mercy“, ein ehemaliges Eisenbahntransportschiff, im Hafen von Lomé, der Hauptstadt Togos in Westafrika.
Einer Hauptstadt, wie man sie kennt, ähnelt sie allerdings nicht. Schrottreife Mopeds werden voller Stolz von den Einheimischen um die zahlreichen Schlaglöcher manövriert, es gibt keine Verkehrsregeln, es wird einfach ständig gehupt, die Frauen am Wegesrand sind bunt gekleidet und tragen riesige Körbe, Kisten, ganze Tische auf dem Kopf und haben meistens noch ein Baby auf den Rücken gewickelt. Ausrangierte LKW stehen oder liegen herum, manche werden als Schlafplatz genutzt, andere ausgenommen, denn vielleicht kann man mit den Resten noch etwas Geld verdienen?

Togo ist, wie die meisten westafrikanischen Länder, extrem arm. Das sieht man auf den ersten Blick. Hier ist es schwer, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und noch viel schwerer, gesund zu bleiben. Denn Ärzte und Krankenhäuser sind eine Rarität, dazu noch schwer zu erreichen und natürlich nahezu unbezahlbar – erst recht wenn es sich um eine Operation handeln würde. Und fraglich ist auch, ob man sich hier operieren lassen möchte?


Es ist daher kaum ein Wunder, dass die Screening-Termine von „Mercy Ships“ (Schiffe der Barmherzigkeit) regelmäßig überlaufen sind. Die Crew der „Africa Mercy“, einem hochmodernen Krankenhausschiff, sendet permanent kleine Screeningteams, bestehend aus Ärzten und Krankenschwestern, ins Landesinnere. In kleinen Krankenhäusern, Dörfern und Kirchen sammeln sie Menschen zusammen, die schon vor Jahren eine OP gebraucht hätten und nun Krankheiten mit schwersten Ausmaßen besitzen. Immense Tumore, Blindheit, Immunschwächen, Infektionen, Brandwunden, Verkrüppelungen und weitere Dinge, die wir hier niemals sehen würden in unserer westlichen Welt.

Voller Hoffnung auf ein neues Leben und eine neue Würde erreichen diese Menschen das Hospitality-Center – eine kleine Auffangstation im Zentrum von Lomé. Hier können sich die Patienten auf ihre OP an Bord vorbereiten, bekommen zu Essen, Zuwendung und Liebe.

Das Hospitality-Center betreut auch die Patienten nach der OP, wenn diese keine stationäre Behandlung mehr brauchen. So sehen die neu eingetroffenen Patienten, dass eine Heilung wirklich möglich ist und verlieren die Angst an Bord zu gehen.

Denn diese Angst ist oft groß. Da kommen fremde Weiße und wollen sie auf ein Boot schleppen, sie in eine seltsame Trance versetzen (Narkose) und die „Dämonen“ aus ihrem Körper operieren. Ja, so denken hier viele Menschen. Ihre Krankheit sei ein böser Geist, sie seien verflucht oder bestraft.

Gerade deswegen müssen entstellte Menschen auch häufig die Dörfer verlassen, werden gemieden und leben in Einsamkeit. Manche versuchen sich auch an seltsamen Voodoo-Praktiken.


Aber wenn sie erst einmal ihre Angst überwunden haben und sich auf ihre Behandlung an Bord freuen, dann steht einem neuen Leben nichts mehr im Wege.

Ärzte, Spezialisten und liebevolle Krankenschwestern empfangen die neuen Patienten, versorgen sie mit der modernsten Medizin.

Doch hier werden nicht nur körperliche Wunden geheilt. Oft habe ich gehört, dass die Menschen hier auch ihr Lachen wiederbekommen, ihre Liebe zu Gott, Heilung für die Wunden an der Seele.

Und das alles, weil es Menschen gibt, die freiwillig und ohne Bezahlung – einfach aus Liebe zu den Patienten – nach Afrika gereist sind, um dort ihrem Job nachzugehen. Manche sind hier zwei Wochen, manche schon über 20 Jahre. Doch egal, ob Arzt oder Putzfrau, Elektriker oder Lehrer, jeder verkörpert den einen Auftrag und die eine Vision.

Der Auftrag

Seit 1978 ist „Mercy Ships“, ein weltweit operierendes Hilfswerk, mit seinen Schiffen in den Entwicklungsländern unterwegs. Dem Beispiel von Jesus Christus folgend, bringen wir den Armen Hoffnung und Hilfe. Dabei werden wir von Menschen auf der ganzen Welt unterstützt.

Die Vision

Unser Anliegen ist es, Liebe praktisch sichtbar zu machen und den Bedürftigen dieser Welt Hoffnung und Hilfe zu bringen.
Gott hat für jeden von uns einen Platz ausgewählt, um die Liebe die wir von ihm bekommen haben weiterzureichen. Afrika braucht sehr viel von dieser Liebe und Zuwendung.

„Oh je“, denkst du jetzt vielleicht? Du hast vielleicht Flugangst und in Afrika ist es dir viel zu heiß?

Da kann ich dich beruhigen, denn wir müssen nicht alle so weit reisen, um Menschen zu finden, für die wir da sein können. Menschen die arm, einsam, ungeliebt, verzweifelt sind.

Auch in Deutschland, in deiner Stadt, in deiner Straße oder sogar in deinem Haus leben solche Menschen. Was können wir also tun, wenn wir nicht gerade reiselustig sind? Hören, wohin Gott DICH ganz persönlich beruft und dann losgehen, um den Menschen und zugleich Gott zu dienen. Und erschrecke nicht, wenn Gott dir doch Afrika auf`s Herz legen sollte :-)

Esther Leidig, Gemeinde Borken

Seit 1978 hat „Mercy Ships“
in 60 Entwicklungsländern Hilfsdienste im Gesamtwert von mehr als 748 Millionen US-Dollar erbracht, darunter:

• 41.000 Operationen an Bord der Schiffe durchgeführt.
Dazu gehören der Verschluss von Lippen- und Gaumenspalten sowie
Blasen-Scheiden-Fisteln, Tumorentfernungen, Staroperationen,
Korrekturen von Augenfehlstellungen, orthopädische Rekonstruktion und Gesichtschirurgie.
• mehr als 361.000 Patienten in Dorfkliniken behandelt
• 206.000 Zahnbehandlungen durchgeführt
• 14.900 einheimische medizinische Mitarbeiter fortgebildet, die ihr Wissen an viele andere
weitergegeben haben
• 112.000 Einheimische in Grundlagen der Gesundheitsvorsorge unterrichtet
• medizinische Ausrüstung, Krankenhausbedarf und Medikamente im Wert von über 
65 Millionen US-Dollar verteilt
• mehr als 1.058 Landwirtschafts- und Bauprojekte verwirklicht

Weitere Informationen unter:
www.mercyships.de

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