Unsere Ursprünge - unser Weg 5

Die Apostolischen Anfänge in den Niederlanden

weitere Folge unserer Reihe
„Apostolische Kirchengeschichte“

Der Großteil der Glieder der katholisch-apostolischen Gemeinde Hamburg wurde nach der Anerkennung des 1863 in Königsberg neugerufenen Apostels Rosochacky aus der Gemeinde der katholisch-apostolischen Christen ausgeschlossen.
Durch diesen Ausschluss entstand die „Allgemeine christliche apostolische Mission“ (AcaM).
Wichtige Rollen spielten damals der Prophet Heinrich Geyer, der die umstrittene Rufung entgegen dem Willen der englischen Apostel vornahm, und der Engel der Gemeinde Hamburg Friedrich Wilhelm Schwarz. Dieser entstammte einer Bauernfamilie, lernte aber das Schneiderhandwerk. Er fühlte die Berufung zum Missionar und ging deshalb nach Berlin, wo er mit den katholisch-apostolischen Gemeinden in Kontakt kam.

Apostel Carlyle ordinierte ihn 1850 zum Priester. Apostel Woodhouse weihte ihn später zum Engel (=Bischof). Er war Leiter der Hamburger Gemeinde im Ältestenamt und damit dem Berliner Engel Rothe unterstellt, da die Hamburger Gemeinde eine Filialgemeinde (= Horngemeinde) von Berlin war.
Die Hamburger katholisch-apostolische Gemeinde wuchs unter Führung von Schwarz von 20 auf 150 Mitglieder an. Der Prophet Heinrich Geyer unterrichtete Schwarz im Dezember 1862 über seine Suspension vom Amt und die früher erfolgte Apostelberufung Rosochackys in Königsberg. Schwarz sympathisierte schon lange mit Geyers Vorstellungen von einer Weiterführung des Apostelamtes. Er lud Geyer und Rosochacky nach Hamburg ein.
Geyer erschien trotz Suspension in vollem Ornat zum Gottesdienst am 4. Januar 1863, wo er Rosochacky als Apostel annahm. Die große Mehrheit der Gemeinde Hamburg, bis auf fünf Mitglieder, stellte sich hinter Schwarz, Geyer und Rosochacky. Engel Rothe aus Berlin konnte die Gemeinde am 7. Januar nicht umstimmen und suspendierte alle Hamburger Amtsträger, die Geyer folgten. Es kam zu einem Kirchenausschlussverfahren gegen Geyer und Schwarz. Am 27. Januar 1863 erging das Urteil und sie wurden von ihren Ämtern enthoben und ausgeschlossen. Die Trennung war vollzogen.

Schon im Frühjahr 1863, also wenige Monate nach der Trennung, wurden die jungen „Sendungsevangelisten“ Franz Hübner, Carl Meyersahm und Heinrich August Ahlin aus Hamburg nach Holland zur Mission geschickt. Am 12. April 1863 wurde der Hamburger Diakon Carl Wilhelm Louis Preuß zum ersten Apostel der „neuen Ordnung“ gerufen. Friedrich Wilhelm Schwarz wurde am Pfingstmontag, dem 25. Mai 1863, durch eine Weissagung aus der Gemeinde in Hamburg dann zum zweiten Apostel in der AcaM gerufen, und ihm wurden als Arbeitsgebiet die Niederlande zugewiesen, um auch dort Gemeinden zu gründen. Dieses Gebiet wurde als „Stamm Juda“ bezeichnet, welcher nach katholisch-apostolischer Tradition England bezeichnete. Es sollte somit ausgedrückt werden, dass eine neue Periode angebrochen war. Schwarz argumentierte jedoch kein neues Werk zu beginnen, sondern das alte fortzuführen. Er erreichte am 27. September 1863 Amsterdam. Die finanzielle Situation war sehr schlecht, weil die Unterstützungen aus Hamburg bereits nach kurzer Zeit eingestellt wurden. So überlegte Schwarz kurze Zeit später, wieder nach Hamburg zurückzukehren.

Um dies zu verhindern verpflichteten sich die Amsterdamer Gemeindemitglieder, zusammen wöchentlich den damals hohen Betrag von 9,00 Gulden zum Unterhalt aufzubringen. Im Gegensatz zu den Katholisch-Apostolischen, die immer in Kontakt zu lokalen Kirchenfunktionären traten und ihr Anliegen in alle Schichten vermittelten, richtete Schwarz sein Augenmerk auf die untersten sozialen Schichten.
Am Himmelfahrtstag 1864 konnte er drei Männer versiegeln, von denen jedoch zwei später „abfielen“. Aus Achtung vor der „Mutterkirche“ wirkte Schwarz nicht an Orten, wo es bereits katholisch-apostolische Gemeinden gab, die als „alte Ordnung“ bezeichnet wurden. Sein eigenes Wirken firmierte unter dem Namen „Apostolische Zending“ (dt.: Apostolische Mission).

Schwarz wurde von der „Sendungsgemeinde zur Verbreitung der Wahrheit“, einer pietistischen Gemeinde mit Sitz in Enkhuizen, eingeladen zu predigen, nachdem man dort von seiner Tätigkeit in Amsterdam vernommen hatte. Diese Gemeinschaft schloss sich 1869 geschlossen seinem Anliegen an und bildete die Keimzelle der Apostolische Zending in Enkhuizen, und von dort aus in Den Helder, Horn und Wolgeva. Ab 1864/65 trug die Arbeit in den Niederlanden langsam Früchte und es entstanden weitere kleine Gemeinden in Ijmuiden und Haarlem.

1874 konnte in Amsterdam nach zahlreichen Umzügen der Gemeinde eine erste eigene Kirche in einem ehemaligen Lagerhaus am Prinzeneiland 103 eingeweiht werden. 1876 sollen die Gemeinden 600 Mitglieder, 1896 etwa 1.000 Mitglieder gehabt haben. 1880 beginnt mit der Apostelordination von F.L. Anthing durch Apostel Schwarz die Mission in Indonesien.
Am Weihnachtstag 1892 wurde in unmittelbarer Nähe der Kirche in Amsterdam ein für NLG 51.901 gekauftes, größeres, umgebautes Lagerhaus eingeweiht.
Schon bald kam es zu Spannungen zwischen der niederländischen Apostolischen Zending (AZ) und der deutschen Schwestergemeinschaft AcaM aufgrund der Entscheidung von Schwarz, die alten (katholisch-apostolischen) liturgischen Dienste sowie die liturgische Kleidung abzuschaffen und durch eine schlichte Gottesdienstform zu ersetzen, die er für seine Missionsbemühungen in den calvinistisch geprägten Niederlanden als tauglicher ansah.

Im Jahr 1865 traf sich Schwarz mit dem Evangelisten der katholisch-apostolischen Gemeinde Max von Pochhammer in s´Gravenhage (Den Haag) zu einem öffentlichen Disput über die Trennung 1863, der jedoch für keine der beiden Seiten zufrieden stellend endete.

Schwarz pflegte in den ersten Jahren gute Kontakte zum Bund freier evangelischer Gemeinden unter ihrem Pastor Jan de Liefde, dem Gründer der Vereinigung zum Heil des Volkes (Vereniging tot Heil des Volks). Etliche Würdenträger und Mitglieder dieser Gemeinschaft ließen sich in der Folge in der Apostolische Zending von Schwarz versiegeln. Darunter war 1863 auch Friedrich Wilhelm Menkhoff, ein Prediger der Torfbauerngemeinde aus Ouderkerk.
Dieser wurde am 2. Februar 1826 in Wallenbrück/Westfalen als Sohn von Hartwig Heinrich Menkhoff und Catherine Marie, geb.Dröge, geboren. Er war Miglied des Queller Missionsvereins und wurde von diesem 1848 in die Niederlande geschickt. 1859 heiratete er Aukje Smeding aus Leeuwaarden.

Im Jahre 1868 wurde Menkhoff am 14. Juni in Amsterdam zum Evangelist berufen und am 20. September dann von Schwarz ordiniert, der ihn wenige Tage später in seine westfälische Heimat sandte, um hier Gemeinden zu gründen. In Steinhagen bei Bielefeld fanden im Sommer 1868 die ersten Gottesdienste statt. Recht schnell gründete er hier eine Gemeinde, und Apostel Schwarz konnte bei seinem Besuch in Bielefeld über 100 Personen versiegeln. Zu den ersten Personen, die Menkhoff für die apostolische Bewegung gewinnen konnte, gehörte auch der spätere Stammapostel Hermann Niehaus. 1869 wurde Menkhoff ins Bischofsamt eingesetzt. Im gleichen Jahr verfasste er „Grundsätze und Glaubens-Bekenntniß der Apostolischen Gemeinde in Bielefeld. Eine Form worin man das h. Abendmahl feiern kann.“

Am 19. Juli 1872 wurde Menkhoff vom Propheten Ansingh zum Apostel für den Stamm „Isaschar“ (das heutige Nordrhein-Westfalen) berufen. Kurz darauf empfing Menkhoff das Apostelamt durch Schwarz und Westfalen, das dadurch zu einem selbstständigen Apostelbezirk wurde. Menkhoffs Arbeitsgebiet stand nicht unter der Aufsicht der AcaM von Geyer, sondern unter der, der Apostolischen Zending von Schwarz. Menkhoff gründete weitere Gemeinden in (Duisburg-)Ruhrort und in Iserlohn. Am Ende seines Lebens bestanden in seinem Arbeitsgebiet 13 Gemeinden.
Nach der Spaltung der AcaM 1878 betreute Menkhoff bis 1881 auch die Gemeinde Hamburg (und die aus ihr entstandenen Gemeinden in Lurup, Braunschweig, Wolfenbüttel und im Harz). Menkhoff erblindete im Alter und verstarb 1895 in Bielefeld.

1869 gab es in den Niederlanden einen Kontakt zwischen Schwarz und Dr. Groenewegen, welcher auf Basis von Notizen und Auslegungen von Schwarz das „Buch für unsere Zeit“ (Het Het Boek voor onze tijd) schrieb.

Nachdem 1878 der deutsche Apostel Preuß der Hamburger Gemeinde gestorben war, wurde in Hamburg das Gemeindemitglied Güldner vom Propheten Geyer zum Apostel gerufen. Diese Rufung wurde jedoch von einem Teil der Hamburger Gemeinde nicht anerkannt, ebenso lehnten die Apostel Schwarz und Menkhoff die Rufung Güldners als ungültig ab und unterstützen die Partei des von Preuß eingesetzten Nachfolgers Krebs.
Ein Großteil der Hamburger Gemeinde trennte sich darauf hin unter Geyer und Güldner von der Bewegung und firmierte in Hamburg weiterhin als AcaM. Die verbliebene Restgemeinde blieb unter Leitung des Ältesten Krebs und unter Betreuung durch den Apostel Menkhoff in Verbindung mit der Apostolischen Zending.

Trotz der starken Autonomie der einzelnen Apostel in ihren Arbeitsgebieten, den sogenannten Stämmen, genoss Schwarz das höchste Ansehen und galt weit über die Niederlande hinaus als größte apostolische Autorität der frühen neuen apostolischen Bewegung.
Spätestens ab 1893 wurde nicht mehr der Name Apostolische Zending sondern Hersteld Apostolische Zendingkerk (HAZK) geführt.

Als Menkhoff im Mai 1895 starb, favorisierte der inzwischen zum Apostel ordinierte Krebs, Hermann Niehaus als Nachfolger des Apostels für Westfalen. Es kam zu ersten Spannungen in den Gemeinden der Hersteld Apostolischen Zendingkerk, denn wiederum (wie schon 1878 in Hamburg) wurde, vor allem unter Einfluss von Krebs, durchgesetzt, dass bei der Neubesetzung einer vakanten Apostelstelle die Rolle des Prophetenamtes keine Rolle spielte.
Diese Auffassung, dass das prophetische Licht auch dem Apostelamt innewohne und somit nicht unbedingt ein kirchliches Prophetenamt benötigt wurde, gilt als Teil der „Lehre vom neuen Licht“.
Außerdem wurde in Deutschland von Krebs gepredigt, dass das Wort lebender Apostel dem der Schrift gleichrangig sei. Diese Lehre war in den Niederlanden bis dahin unbekannt.

Ein halbes Jahr später, am 6. Dezember 1895, starb auch der Apostel Schwarz, der auf dem Friedhof in Driehuis-Westerveld beigesetzt ist. Bis zur Neubesetzung des Apostelamtes für die Niederlande wurde von den Gemeinden der Hersteld Apostolischen Zendingkerk Krebs als „Verwalter-Apostel“ tätig, bis ein Nachfolger durch Propheten in einem speziell gehaltenen Rufungsgottesdienst benannt werden würde.

Unterdessen wurde die Trauerzeit von zwölf Wochen von Krebs auf ein Jahr und sechs Wochen verlängert und Niehaus, welcher ausreichend gut niederländisch sprach wurde in die Niederlande gesandt, um die holländischen Ämter für das „neue Licht“ zu gewinnen, wie Krebs Lehre spöttisch von den Gegnern (insbesondere den immer stärker opponierenden Propheten) genannt wurde.

Als in den niederländischen Gemeinden Stimmen laut wurden, dass Krebs selbst einen neuen, ihm zugewandten, Apostel ernennen würde, verlangten die Ämter der Amsterdamer Hauptgemeinde, dass der „Rufungsgottesdienst“ zügig entsprechend den vorgeschriebenen Richtlinien gehalten werden solle. Dieser wurde am 17. Januar 1897 angesetzt und durch Krebs und Niehaus geleitet. In diesem Gottesdienst wurde der Amsterdamer Diakon Martinus van Bemmel zum Apostel für die Niederlande durch Prophetien und Visionen gerufen. Eine besonders herausragende Rolle spielte hierbei auch der Prophet der Amsterdamer Gemeinde C.J. Vleck. van Bemmel wurde durch die Gemeinde als Apostel proklamiert und eingesetzt.
Als van Bemmel die Autorität von Krebs in Frage stellte und es wohl auch zu lehrmäßigen Differenzen kam, informierte Krebs am 28. Februar 1897 van Bemmel schriftlich, dass er vom Amt des Apostels abgesetzt worden sei. Dies war ein bis dahin einmaliger Vorgang. Zwar hatte es unter den verschiedenen Aposteln mehrfach Uneinigkeit gegeben, aber nie war das Apostelamt eines Apostels durch einen anderen in Frage gestellt worden.

Jacob Kofman aus Enkhuizen – welcher aus der pietistischen „Sendungsgemeinde zur Verbreitung der Wahrheit“ stammte, die sich 1863 der Apostolischen Zending angeschlossen hatte – sammelte, gestützt durch Krebs und Niehaus, hinter sich die Mitglieder, welche sich gegen van Bemmel stellten.
Ungefähr die Hälfte der damals tausend Mitglieder zählenden Apostolischen Zending trennten sich (die Zahlenangaben in der Literatur schwanken, teilweise wird auch angegeben, dass 60 bis 70% der Mitglieder sich hinter Kofmann stellten).

Diese Mitglieder sammelten sich und firmierten als „ Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen“ (HAZEA), welche erst später (1960) den internationalen Namen „Neuapostolische Kirche“ annahm.
Jacob Kofman wurde am 12. Juni 1898 Apostel dieser Gemeinden.
Somit gab es in den Niederlanden, wie in Deutschland auch, zwei neue apostolische Gruppierungen, die ihren eigenen Weg gingen. In beiden Gemeinschaften, sowohl der „Hersteld Apostolische Zendingkerk (HAZK)“ als auch in der „Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen (HAZEA)“ kam es in den folgenden Jahrzehnten zu erneuten Spannungen und Spaltungen.

Volker Wissen, Mai 2010

Literatur:
Diersmann, Edwin: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen - Das Erbe von F.W. Schwarz: 100 Jahre niederländische apostolische Gemeinschaften, ein geschichtlicher Überblick, Remscheid 2007, ISBN 978-3-9400450-20-3
Tang, M.J.: Het Apostolische Werk in Nederland, s‘Gravenhage 1982, ISBN 90-239-1472-4

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