Der Tod gehört zum Leben

Warum es Sinn macht, zu Lebzeiten vorzusorgen

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!“
(Offenbarung 21, 1-5)

Tod und Sterben wühlen auch uns Christen auf, Trauer löst oft Entsetzen und Ohnmacht aus. Und selbst der Trost und die Zuversicht auf ein Leben jenseits von Raum und Zeit, wie er uns in den oben angeführten Worten aus der Offenbarung zugesprochen wird, ändert nichts an der Erkenntnis: Wir alle, ohne Ausnahme, werden diesen Weg gehen müssen – und wir wissen nicht wirklich wohin er führt. Nur die Bilder der Offenbarung geben uns die Möglichkeit, uns diesen Ort vorzustellen und uns ihm in Gedanken anzunähern.

Es ist jedoch so, dass man zu Lebzeiten vieles regeln kann. Doch diese Regelung schiebt man oft vor sich her wie einen Einkaufswagen, den man sich nicht zu füllen traut, weil man nicht weiß, ob man den richtigen Inhalt auswählt und ob man diesen dann auch bezahlen will oder kann. Es ist sicherlich auch nicht nötig sich schon bis ins Detail mit seiner eigenen Trauerfeier zu beschäftigen. Aber wer das möchte, kann das tun. Da gibt es zum Beispiel einen Nachbarn, der sich seinen Sarg bereits beim Bestatter ausgesucht hat. Wohlgemerkt ist der Nachbar erst 48 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Jedoch gab es von Anbeginn seines Ehelebens immer wieder Auseinandersetzungen mit seiner Frau, die Möbel betreffend. Sein „letztes Bett“ wollte er sich nun einfach selbst aussuchen.

Da schwankt man schon zwischen Gänsehaut, einem gewissen Unglauben und einem Lachen. Doch genau an dieser Stelle gelangen wir an den Punkt, auf den dieser Artikel hinweisen möchte. Der Tod kommt immer unangemeldet. Ja natürlich kommt es plötzlich und unerwartet, wenn die 93-jährige Tante aus ihrem – wenn auch altersgeplagten – Leben scheidet. Man kann den Hinterbliebenen durchaus Glauben schenken, wenn sie genau diesen Satz in der Todesanzeige veröffentlichen – wenn man auch innerlich den Kopf schüttelt und sich fragt: Wie lange wollte die Tante denn noch leben? Aber der Tod kam – und ging nicht alleine. Hier war die Dame eben 93 Jahre, beim nächsten Mal ist es aber eine 24-Jährige oder vielleicht sogar ein Kind.

Vorsorge treffen heißt, „seinen“ Hinterbliebenen Arbeit und Stress in einer absoluten Ausnahmesituation abzunehmen und sie zu Lebzeiten in extra dafür geschulte Hände abzugeben – wir überlassen den Einkaufswagen jemandem, der weiß, was man besorgen muss.

Sterben und was kommt dann? Dies war ein Gesprächsthema bei einer der letzten Bezirksvorsteherversammlungen in Eisenach. Schwester Heidi Amann beteiligte sich sehr engagiert in dieser Gesprächsrunde. Sie arbeitet als Angestellte bei einem Bestatter und hat sich gerne bereit erklärt, die wichtigsten Informationen für uns zusammen zu stellen. Diese Informationen ersetzen aber in keinem Falle ein Informationsgespräch bei einem Bestattungsunternehmen.

Was ist eine Patientenverfügung?
Eine Patientenverfügung ist eine schriftliche Willenserklärung über medizinische Behandlungen, die ich wünsche bzw. ablehne. Mit dieser Erklärung kann vermieden werden, dass andere Personen als die von mir eingesetzten über die Behandlung entscheiden, wenn ich dies selbst nicht mehr kann.

Vorsorgevollmacht / Betreuungsverfügung / familienrechtliche Verfügung. Was ist der Unterschied?

Eine Vorsorgevollmacht ist eine schriftliche Bevollmächtigung einer oder mehrerer Personen des Vertrauens. Vertretung in Gesundheitsangelegenheiten, Vertretung gegenüber Behörden, Banken, Versicherungen, Verwaltung von Immobilien, Vermögen, Grundstücken. Durchführen der für den Todesfall getroffenen Festlegungen.
Betreuungsverfügung ist eine schriftliche Festlegung auf eine Person meines Vertrauens. Für den Fall, dass eine gesetzliche Betreuung durch das Vormundschaftsgericht angeordnet wird, kann die Person dem Gericht mitteilen, dass sie auf meinem Wunsch vom Gericht als gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden soll. Er entscheidet in allen medizinischen und pflegerischen Belangen. Behandelnde Ärzte sind ihm gegenüber von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden. Eine familienrechtliche Verfügung ist eine schriftliche Festlegung auf eine Person meines Vertrauens, der im Sterbefall das Sorgerecht für meine minderjährigen Kinder übertragen werden soll.

Was kostet eine Bestattung im Schnitt?
Diese Frage kann man nicht beantworten. Es kommt auf die Bestattungsart an (Urnengrab, Reihengrab, Gruft, pflegefreies Rasengrab, Steele, Baumbestattung, Seebestattung etc.) Auf welchem Friedhof in welcher Stadt. (Die Friedhofsgebühren sind in allen Städten unterschiedlich).

Macht eine Sterbegeldversicherung Sinn?
Auf jeden Fall. Es ist besonders wichtig, das Geld vor dem Zugriff Dritter (Bsp.: Sozialamt) zu schützen und möglichst sicher anzulegen.

Was ist ein Bestattungsvorsorge-Vertrag?
Bestattungsvorsorge heißt: Selbst bestimmen, Notwendiges regeln, Verantwortung in eigener Sache, Entlastung der Familie

Wie gehe ich im Falle des Todes eines Angehörigen vor?
Erstellen Sie eine kurze „To-do-Liste“
• Hausarzt oder ärztlichen Notdienst
benachrichtigen
• Geistlichen Beistand benachrichtigen
• Bestattungshaus benachrichtigen
• Überlegung zur Abschiednahme

• Notwendige Dokumente
zur Vorlage beim Standesamt
- Todesbescheinigung (siehe oben)
- Personenstandsurkunde oder Familienbuch
- (möglichst aktuellen, beglaubigten Auszug
aus dem Familienbuch)
- Heiratsurkunde bei Verheirateten
- Geburtsurkunde bei Ledigen
- Sterbeurkunde des Ehegatten
bei Verwitweten
- Heiratsurkunde mit Scheidungsvermerk
oder gerichtliches Scheidungsurteil bei
Geschiedenen
- Personalausweis (wenn möglich)
- Unfallversicherung (nur bei Unfalltod)
benachrichtigen

• Benachrichtigung ausgewählter Angehöriger
und Freunde
• Versicherungen und Sterbekassen –
Unterlagen bereitlegen
• Rente und Krankenkasse

Und jetzt noch ein paar persönliche Fragen an Schwester Heidi Amann.

Redaktion:
Seit wann arbeiten Sie beim Bestatter?
H. Amann:
Seit zehn Jahren.

Redaktion:
Werden die Mitarbeiter seelsorgerisch geschult?
H. Amann:
Die Mitarbeiter sind als praktizierende Christen in unterschiedlichen Aufgaben und Funktionen in den großen Kirchen „unterwegs“. Erfahrungen als Trauerredner und die damit verbundenen Recherchen schulen jeden Mitarbeiter in seiner Aufgabenwahrnehmung.
Redaktion:
Ist der Beruf des Bestatters ein Ausbildungsberuf?
H. Amann:
Eine entsprechende Ausbildung zum Bestatter gibt es, sie ist aber nicht zwingend erforderlich zur Ausübung des Berufs.
Redaktion:
Welche Voraussetzungen braucht man, um den Beruf zu erlernen?
H. Amann:
Einfühlungsvermögen, Gelassenheit, Geduld, keine Scheu im Umgang mit Verstorbenen, selbstverständlich kaufmännische Kenntnisse.
Redaktion:
Können Sie Ihre christliche Lebenseinstellung in Ihrem Beruf einbringen?
H. Amann:
Christliche Lebenseinstellung ist im Umgang mit Hinterbliebenen sehr hilfreich, obwohl immer auch eine professionelle Einstellung erforderlich ist um den Berufsalltag bewältigen zu können.
Redaktion:
Welchen Trost spendet man nichtgläubigen Menschen?
H. Amann:
Hier bedarf es immer eines entsprechenden Fingerspitzengefühls. Oftmals ist zuhören können der beste Trost für Hinterbliebene.
Redaktion:
Haben Sie „Freude“ an Ihrem Beruf?
H. Amann:
Ja. Menschen in dieser für sie häufig schwierigen Situation, Hilfe sein zu können macht Freude.
Redaktion:
Wie verarbeiten Sie Ihre beruflichen Eindrücke? Können Sie abschalten?
H. Amann:
Hier hilft mir mein Mann in Gesprächen, wenn ich den Berufsalltag versuche zu verarbeiten, was nicht immer ganz leicht ist.

Redaktion:
Haben Sie selbst alle Vorkehrungen für Ihren eigenen Abschied getroffen?
H. Amann:
Ja.

Natürlich mutet die deutsche Trauer- und Bestattungskultur sehr nüchtern an. Oder steht sie sogar im Widerspruch zur christlichen Jenseitserwartung?
Bei vielen anderen Völkern ist der Tod ein Freudenereignis, denn der Tote wird von seinen Leiden und der irdischen Plage erlöst. Am Grabe wird gesungen und getanzt. Ein Glücklicher, der es geschafft hat ins ewige Leben zu treten.

An dieser Stelle jetzt zu empfehlen, dem Tod mit Leichtigkeit oder gar Humor entgegenzutreten, wäre vermessen. Aber zu Lebzeiten daran glauben zu können, dass mit dem Tod nicht alles aus ist und dass für uns Christen eine wunderbare Vision wahr wird, nimmt dem Ganzen viel Angst und Schrecken.
Gott wird alle Tränen abwischen und wir werden auf ewig mit ihm im himmlischen Jerusalem verweilen. Und dennoch: Wenn der Tod anklopft – und früher oder später tut er es – dann ist es gut zu wissen, dass alles, was getan werden muss, um die irdischen Dinge zu erledigen, in guten Händen ist.

Bärbel Dahmen

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