Apostolisches Selbstverständnis Teil 2

Evangelisation und Mission

In seiner sprachlichen Definition bezeichnet christliche Mission ganz allgemein die Verbreitung des christlichen Glaubens und Evangelisation gezielt die Verbreitung der christlichen Glaubenslehre zum Zweck der Bekehrung. Es macht wenig Sinn, zur Beschreibung der Apostolischen Handlungsgrundsätze hier im Folgenden weitere Unterscheidungen zu machen. Entscheidend für Apostolische Gemeinden ist der Sendungsauftrag Jesu: „Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,18-20)

Die Tatsache, dass dieser Auftrag das letzte war, was Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt mit auf den Weg gegeben hat und seine Zusage, dass er sie dabei mit seiner „Gewalt im Himmel und auf Erden“ nicht alleine lassen wird, zeigt, wie wichtig ihm dieser Auftrag ist.

Evangelisation ist der Ruf in die Nachfolge Jesu und dem Taufauftrag entsprechend, auch der Ruf in den „Leib Christi“, in die Gemeinde des Herrn (s. Teil 1).
Evangelisation ist dabei etwas zutiefst persönliches. Zum einen wird nur ein Christ, der selber eine innige Beziehung zu Jesus Christus hat, den Drang verspüren, anderen davon zu erzählen und zum anderen ist die Entscheidung Jesus nachzufolgen, prägend für das gesamte weitere Leben. Evangelisation ist also weit mehr als das Organisieren und Ausführen von missionarischen Aktionen. Evangelisation ist das (Vor)Leben einer Glaubensüberzeugung, das Einladen zur Nachfolge durch ein persönliches Zeugnis in Wort, Wesen und Tat. Die eigene Überzeugung wird dabei entscheidend sein, ob ein Christ auf die Fragen und Zweifel der Nichtchristen glaubhaft antworten kann: „Komm und sieh es!“ (Joh 1,46)

Aufgabe und Selbstverständnis Apostolischer Gemeinden ist es daher, einladend und überzeugend zu sein, indem die ganze Gemeinde, mit allem was sie darstellt, ein sichtbares Zeugnis ihres Herrn ist. Neben der inneren Einstellung und Ausrichtung aller Gemeindemitglieder kommt es also auch darauf an, ob der äußere Rahmen diesem Anspruch gerecht wird. So kann bereits die Gestaltung der Gottesdiensträume, oder die richtige Wahl der Termine und Gottesdienstzeiten entscheidend sein.

Evangelisation oder Mission geschieht nicht zum „Selbstzweck“. Es ist nicht Aufgabe von missionarischen Aktivitäten, das Überleben der eigenen Gemeinde (z.B. durch Mitgliederzuwachs) sicherzustellen, sondern Menschen in ihrer momentanen persönlichen Situation zu helfen und ihnen das Heil Jesu näher zu bringen.
Mission und Evangelisation müssen somit immer an den aktuellen Bedürfnissen der Menschen, die sie erreichen sollen, ausgerichtet sein. Die „natürliche Gemeindeentwicklung“ spricht daher auch von „bedürfnisorientierter Evangelisation“1.
Wenn also die Aktivitäten der Gemeinde erfolgreich Nichtchristen ansprechen sollen, wird unter anderem auch darauf zu achten sein, dass:

• die persönliche Situation der Angesprochenen bekannt ist und beachtet wird
• eine, auch für Nichtchristen, verständliche Sprache verwendet wird
• Perspektiven gezeigt werden
• eine seelsorgerliche und praktische Begleitung erfolgt

Grundsätzlich ist es hilfreich, alle Programme, Aktivitäten, Angebote, Projekte oder sonstige Maßnahmen einer Gemeinde anhand nachfolgender Fragen zu betrachten2:

• Fördert das Angebot die missionarische Berufung, Gemeinde für andere zu sein?
• Wendet sich das Angebot einem wirklichen Bedürfnis zu?
• Bewirkt das Angebot geistliche Veränderungen?

Wenn die Antwort auf alle drei Fragen kein überzeugendes Ja ist, sollte ein solches Programm, im Sinne des Missionsauftrags Jesu, erneut überdacht werden.

1 Begriff nach Christian A. Schwarz,
z.B. in „Die natürliche Gemeindeentwicklung“, C&P Verlag
2 Nach Walt Kallestad, „Mit offenen Armen (Wie meine Gemeinde für Gäste attraktiv wird)“, Brunnen Verlag, S. 114

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