Liebe Leser

,,Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit …´´ - an diesen kurzen Ausschnitt aus dem 86. Psalm musste ich denken, als ich die Bilderauswahl für den vorliegenden HEROLD getroffen habe. Irgendwie fanden sich immer wieder Bilder, die einen Weg oder eine Weggabelung zeigten, Spuren im Sand oder eine Schienenweiche. Herr, welchen Weg sollen wir gehen?
Diese Bitte geht davon aus, dass Gott einen Weg für uns hat. Dass Gott etwas mit uns vor hat, dass er uns an einer bestimmten Stelle haben will und unser Leben an dieser Stelle einen besonderen Zweck und Sinn hat. Und je nachdem an welcher Stelle wir gerade stehen, hat diese Bitte einen anderen Stellenwert.
Für meine Söhne, die noch am Anfang ihres Lebens stehen, für die stehen noch alle Türen offen. Da scheint vieles noch ganz beliebig. Das eine tun und das andere nicht lassen. Nichts ist unmöglich. Wenn die beiden um die richtige Wegweisung bitten heißt das, sie glauben daran, dass es für sie einen besonderen Weg gibt, einen auf dem ihr Leben nicht mehr beliebig ist, sondern dass sie ihr Weg genau an diese Stelle führt, an der sie zu besonderen und einzigartigen Menschen heranreifen.
Für eine liebe Freundin, deren Mann ganz plötzlich und viel zu früh verstorben ist, bricht gerade der ganze Lebensinhalt zusammen. Der Weg scheint am Ende. Wenn sie betet: ,,Herr, weise mir deinen Weg!“, dann beginnt sie darauf zu hoffen, dass noch etwas vor ihr liegen könnte, etwas ganz Neues, ein neuer Lebenssinn.
Ich persönlich glaube allerdings auch nicht, dass Gott unser ganzes Leben schon geplant und vorherbestimmt hat. Dass unsere Aufgabe darin besteht, unseren Weg zu finden oder ihn zu verfehlen. Gott ist jemand, der mit uns gemeinsam durchs Leben geht. Und er ist derjenige, der weiter sehen kann. Sehen wir den Berg vor uns, so hält Gott für uns bereits die Aussicht vom Gipfel bereit. Und genauso sieht er schon die Gewitterwolken, die sich am Horizont zusammenbrauen, wenn wir noch eine blühende Landschaft vor uns sehen.
Ich wünsche uns allen, dass wir uns aufmachen, Gottes Wege zu entdecken. Und egal wie diese sich gestalten. Steil, holprig, breit, gepflastert oder geteert. Wichtig ist doch, dass wir unser Ziel immer vor Augen haben.

Bärbel Dahmen

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