… und leite mich auf deinem ewigen Weg

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege." Psalm 139,23-24
Wie oft habe ich diesen großen Psalm von der Nähe Gottes gelesen und gebetet – allein für mich, mit den Konfirmanden, der Jungen Gemeinde, im Gottesdienst. Ich habe mich an jedem Wort gefreut: „... ich sitze oder liege, so weißt Du es ..." oder „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort Deine Hand mich halten ..."
Kein Psalm drückt die Geborgenheit, die Gott schenkt, bewegender aus als dieser 139.

Doch geht es Ihnen auch so, dass Sie Bibelworte schon hundertmal gehört oder gelesen haben, ohne dass Sie sich deutlich angesprochen fühlten, und eines Tages redet ein solches Wort plötzlich intensiv zu Ihnen? So erging es mir mit den eingangs zitierten Versen in meinem diesjährigen Urlaub.
Jeden Tag lese ich Losung und Lehrtexte aus Herrnhut. Am 17. Juli dieses Jahres war dieses Wort der Losungstext. Mir wurde plötzlich klar, wie sehr es meine Lebenssituation hinterfragt. Sicher, ich liebe Gott, möchte nach seinen Geboten leben und suche in Alltag und Urlaub am liebsten Orte auf, die mich immer wieder näher mit Gott in Verbindung bringen. So besuche ich z.B. gern alte romanische Kirchen und Klöster oder suche auch am Urlaubsort nach Gottesdiensten – egal, ob evangelisch, römisch-katholisch oder orthodox. Aber mein Urlaub ist auch die Zeit, in der ich versuche aufzuarbeiten, was ich im Alltag nicht geschafft habe.

So nehme ich z. B. meinen Laptop mit und nutze den Urlaub auch zum Arbeiten. Ich bin häufig mit so vielen Dingen beschäftigt, die ich für wichtig und sinnvoll halte, dass mich Gottes Wort an diesem Tag tatsächlich aufgeschreckt hat: Wie gestalte ich eigentlich meinen Weg mit Gott? Ich gehe mit 55 Jahren in das dritte Drittel meiner voraussichtlichen Lebenszeit. Bereite ich mich auf Gottes Ewigkeit vor? Ist all' das, was ich für so nützlich und wichtig halte – das Anreichern von Wissen, das Sichern von vermeintlich Wertvollem – wirklich hilfreich auf dem Weg mit Gott in sein Reich? Oder lenkt es mich ab, raubt mir Zeit für Gott, belastet mich – wie zu viel Gepäck auf der Reise des Fußpilgers?
Meine ich – selbst mit religiösen Themen und Aktionen – wirklich Gott oder nur mich selbst und meine Konsumhaltung? Also: dient das, was ich tue, wirklich der engen, persönlichen Verbindung mit Jesus?

In einem Lied des französischen Paters Pére Cocagnac über Franz von Assisi heißt es im Refrain: „Stell' weg das Gepäck in die Eck, denn es hindert Dich an der Reise. Es hält sich, wer klug ist und weise, die Hände frei für das Glück."

Darum Gott, prüfe mich und erkenne für mich (denn ich selbst bin meist betriebsblind), ob ich auf einem unguten Wege bin. Einem Weg, auf dem ich die Zeit, die ich für Dich haben könnte, verplempere mit Dingen, die in der Ewigkeit nichts wert sind. Einem Weg, auf dem ich so viel Ballast mit mir trage, dass meine Hände nicht frei sind für das, was Du mit mir und von mir willst.

Lass mich nicht sein wie der reiche Kornbauer, der seine Scheune nicht voll genug kriegen konnte und durch seinen plötzlichen Tode nicht darauf vorbereitet war, mit Jesus wie mit einem eng Vertrauten in der Ewigkeit zu leben.
Zeig mir bitte, o Gott, was alles nicht wichtig ist in meinem Leben. Und dann aber zeig mir auch, was wirklich wichtig ist - "... und leite mich auf ewigem Wege." Dafür werde ich Dir immer dankbar sein.

Dr. Albrecht Schroeter | Jena

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