Siehe, ich mache alles neu!

Gedanken zum Totensonntag

An einem solchen Tag gelten unsere Gedanken denen, die einmal ein Stück des Lebenswegs mit uns gegangen sind. Aber wir fragen uns auch, wo sie sein mögen und wie es sein wird, wenn wir uns anschicken müssen, diese Erde zu verlassen. Was erwartet uns dann? Werden wir uns wieder sehen und einander erkennen? Werden wir zur Verantwortung gezogen oder hat der Tod das letzte Wort? Müssen alle Rechnungen bezahlt werden oder ist mit dem Tod alles aus? Werden wir unserem Schöpfer gegenüberstehen und wird das „Buch unseres Lebens“ aufgetan werden? Werden wir Rechenschaft abgeben müssen über unsere Taten? „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse“ (Kor 5,10).

Es ist verständlich, dass bei solchen Fragen die Angst den Menschen erfasst. Oder wird es ganz anders sein, erwartet uns ein Himmelreich voller Seligkeit und ewigen Freuden? Wird alles vergessen und vergeben sein oder wird es nach diesem Leben nichts mehr geben; wird es keine Fortsetzung erfahren? Wird weder das Böse bestraft noch das Gute belohnt werden, sodass wir leben könnten, wie wir wollen?

Das Meer (V. 1) ist die Bezeichnung für das Drohende, das Beängstigende, das unsere Welt und unsere Gedanken beinhaltet. Und wir haben allen Grund, uns in dieser Welt angesichts der menschlichen Ohnmacht gegenüber den weltweiten Bedrohungen zu ängstigen. Welche Zukunft wartet auf unsere Kinder und Enkel? „Die ganze Welt liegt im Argen“, erkannte Johannes (1. Joh 5,19). Aber auch das Meer wird nicht mehr sein, es wird keine Restaurierung der alten Welt geben, alles wird neu erschaffen.

Da der Mensch durch seine sündhafte Unvollkommenheit keine Erneuerung bewirken kann, auch wenn viele es schon versucht haben, die Welt zu erneuern und umzugestalten, sind sie doch kläglich gescheitert. Die neue Erde und der neue Himmel, das neue Jerusalem, die Stadt Gottes, wird nicht aus den Niederungen menschlicher Planung entstehen, sondern von oben herabkommen. Gott wird seine Zusagen einlösen und gab Johannes eine Vorschau auf das, was kommen wird: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen“ (21,1).

Die weiteren Verse drücken aus, was die Menschheit ersehnt, dass niemand mehr in den Krieg zieht, keiner mehr hungert, endlich Friede sein wird und die Tränen endlich versiegen: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und Er wird bei ihnen wohnen und sie werden Sein Volk sein, und Er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ (V. 3). – Welch eine Verheißung, welch eine Zukunft! Nicht der Tod, Gott hat das letzte Wort!

Es ist eine Einladung zum Vertrauen und zur frohen Hoffnung. Darum werfen wir unser Vertrauen nicht weg. Was im Paradies begonnen hatte, erfährt nun seine Fortsetzung und Vollendung. „Schreibe“, weist der, der auf dem Throne saß Johannes an, „denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss“ (V. 5b) und gibt uns damit seine Zusagen schriftlich. Jesus selbst erklärte Pilatus: “Ich bin ein König, und dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme“ (Joh 18,37). Auch gilt die Offenbarung als Selbstmitteilung Gottes.
Unser Leben hat mit Gott und Menschen zu tun und steht damit in einem großen Zusammenhang. Die Kräfte, die alles halten und leiten, sind Gottes Liebe und Geist und geben uns die Kraft, uns auf das Leben, zeitlich wie ewig, einzulassen. Es kommt nur darauf an, in welcher Gottesbeziehung wir leben. Ist es die Angst vor Strafe, die uns handeln lässt, wird unser Leben unglaubwürdig. Die Spuren der göttlichen Liebe sollen in unserem Leben wahrnehmbar sein, wodurch unser Zeugnis glaubhaft wird. Die Beziehung zu Gott ist immer das Entscheidende, das uns im Leben und im Sterben trägt. „Lieben wir ihn, denn er hat uns zuerst geliebt“, weist Johannes uns an, denn nur die Liebe nimmt die Ängste und Befürchtungen, die uns hindern, dass wir uns ganz dem Willen und Walten Gottes hingeben und sprechen: „Dein Wille geschehe“. Allein in der Begegnung mit dem durch Jesus Christus bezeugten Gott sind seine Zusagen verbindlich. Er ist uns in seinem Leiden und Tod nahe und durch seine Auferstehung der Grund unserer Hoffnung. Gottes Geist schafft das Leben und lässt uns nicht im Tode. Diese Hoffnung begleitet uns auch in den Widerwärtigkeiten und Traurigkeiten unseres Lebens. Nicht die frommen Leistungen schaffen mir einen gnädigen Gott, seine Liebe ist es, die mich in seine Nähe zieht.

„Siehe, ich mache alles neu!“, sagt Christus, der Erneuerer, in unsere Ängste und Befürchtungen hinein und lässt uns wissen: „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr da seid, wo ich bin“ (Joh 14,2) - „Und wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich euch alle zu mir ziehen“ (Joh 12,32) - „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Im Gleichnis vom verlorenen Sohn erkennen wir zwar die Liebe des Vaters zu dem, der ihm diese Liebe schuldig blieb, aber er spricht dem Verlorenen sein Recht zum Leben nicht ab. Zwar leidet die Liebe daran, aber sie kann es erleiden. Es ist die Schuld, die Christus ans Kreuz getragen hat, um unsere Heimkehr zu ermöglichen. Seine Liebe ist bedingungslos, und darum ist sie eine wirklich göttliche Liebe.

Die Frage ist: Ist Gottes Liebe mit der Menschheit am Ziel oder sind das alles nur fromme Wünsche und Illusionen? Ist es auch bei den Menschen unmöglich, bei Gott sind alle Dinge möglich, erklärte Jesus den Jüngern. Nicht die Menschen werden eine neue Welt schaffen, Christus betont: „Siehe, I c h
mache alles neu“. Richte dein Augenmerk auf mich, auf den Vollender. Ich bin A und O, Ich bin Anfang und Ende.

Alles wird schöner und herrlicher sein und unsere Vorstellungen weit übertreffen: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1Kor 2,9). Das Dürsten nach Gerechtigkeit und Frieden wird seine Erfüllung in Gottes Ziel finden und sich in der neuen, von Gott geschaffenen Welt vollenden. Wer sich nicht von feindlichem Zweifel und Unglauben überwinden lässt, wird alles ererben. Alle beschriebenen Reichtümer, welche die Echtheit und Herrlichkeit göttlicher Verheißungen bezeugen, können nur andeutungsweise das beschreiben, was die erwartet, die sich zu Gott halten.

Dabei dürfen wir nicht verschweigen, dass dennoch alles seine gerechte Ausrichtung erfahren. In 1Kor 15,49 lesen wir: „Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen (Menschen), so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen (Menschen)“. Alles wird der Bewertung des höchsten Richters unterliegen. Die Verse 11-15 in Offb 20 geben Auskunft darüber, dass man nicht glauben soll, man könne tun und lassen was man will, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Die Vorstellung, mit dem Tod sei alles aus, gefällt nur solchen, die gewissenlos sündigen, ohne daran zu denken, dass ihr Verhalten Folgen hat. Bereits in unserem irdischen Leben kommen wir unter die Folgen der Sünden, die unsere Väter verursacht haben und sich um Umweltschutz und Klimaveränderung – bewusst oder unbewusst – wenig gekümmert haben. Oder wenn sich jemand bei kalter Witterung zu leicht kleidet, wird er sich eine Erkältung zuziehen. Spricht jemand dem Alkohol oder dem Nikotin zu sehr zu, werden die Auswirkungen nicht ausbleiben. Zusammenfassend lässt sich sagen: Worin jemand sündigt, darin wird er auch die Folgen zu tragen haben. Wenn aber jemand überwindet, dann wird die Folge Segen sein.

Die Liebe zu Christus schenkt uns die nötige Kraft zur Überwindung all dessen, was uns nach unten zieht und die Beziehung zu ihm absterben lässt. Wir sind vom Tod zum Leben gekommen und lieben die Brüder, bekennt Johannes (1Joh 3,14). „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des ewigen Lebens geben“ (Offb 2,10b). Wichtig ist, dass wir in der Treue bleiben, denn es heißt: „Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über vieles setzen“ (Mt 25,21).Franz Simons, Aachen

Ausgabe