Apostolisches Selbstverständnis Teil 3

Gabenorientierte Mitarbeiterschaft 1

„Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“. (1. Petrus 4,10)

Diese Aufforderung des Petrus bezeichnet in besonderer Weise das Selbstverständnis des Dienstes und der Mitarbeit in Apostolischen Gemeinden. Hierbei sind dem Vers 6 wesentliche Aussagen zu entnehmen:

1.„Dient …“ ist eine Aufforderung. Kein Nachfolger Jesu kann sich dem verschließen. Es geht nicht um Lust, persönliche Neigungen, vermeintliche Stärken oder Schwächen, es geht um den eindeutigen Auftrag des Herrn.

2.Die Aufforderung zum Dienst gilt allen. Gemeinde Christi lässt sich nicht aufteilen in Geber und Empfänger des Dienstes. Nachfolger Jesu sind immer beides: Bedürftige, die des Dienstes anderer bedürfen, und Diener, die sich anderen im eigenen Dienst zuwenden.

3.Jeder hat eine Gabe. Es gibt keinen, der keine Gabe hat.

4.Jeder soll mit seiner Gabe dienen. Es kann vorkommen, dass für Aufgaben und notwendige Dienste in den Gemeinden zunächst keine Gaben erkennbar sind. Das rein organisatorische Schließen von Lücken bei der Verteilung von vakanten Aufgaben wird jedoch dem Anspruch nach Gott gegebener Gabenorientierung nicht gerecht. Gemeinde Christi darf und muss darauf hoffen und darum beten, dass Gott immer wieder Gaben schenkt, erweckt und offenbart.

5.Gaben sind Zeichen der Gnade Gottes. Sie sind von ihm geschenkt und weder erarbeitet, noch durch besondere Leistungen oder Treue im Glauben verdient.

6.Dienst in der Nachfolge Jesu geschieht immer im Auftrag Gottes. Der Diener verwaltet die „mancherlei Gnade Gottes“ als „guter Haushalter“. Es steht ihm also nicht zu, seinen Dienst zur eigenen Ehre auszuführen oder gar zu entscheiden, wann, wo und für wen er seine von Gott geschenkten Gaben einsetzt.

Wer als Christ seinen geistlichen Gaben gemäß lebt, arbeitet nicht mehr aus eigener Kraft, sondern der Geist Gottes arbeitet in ihm. So kann ein ganz „gewöhnlicher“ Mensch im wahrsten Sinne des Wortes außergewöhnliche Leistungen vollbringen. Im Umkehrschluss folgt daraus aber auch, dass sich ein Christ, der sich in Aufgaben engagiert, die nicht seinen Gaben entsprechen, erschöpft und er nicht selten „ausbrennt“ und resigniert aufgibt. Nur wer im Einklang mit seinen geistlichen Gaben lebt, wird wirkliches Lebensglück finden, weil nur so das Leben eine klare Richtung hat.
Gemeinde Christi kann nur da (über)
leben, wo alle Gaben, die Gott in die Gemeinde „hineinschenkt“, gemeinsam zum Einsatz kommen. Das erklärte Ziel Apostolischer Gemeinden ist daher, diese Gaben zu entdecken und ihnen Raum zu geben, sich in der Mitarbeit zu entfalten.

Verschiedene Arten von Gaben

Im Neuen Testament finden sich drei wichtige Stellen (1.Kor 12,7-10; Röm 12,3-8; Eph 4,8+11), die Auskunft über Gaben in der Gemeinde geben. Jede der Listen ist anders und keine scheint vollständig zu sein. Viele Gaben, die wir in unseren Gemeinden heute kennen, finden sich in den Aufzeichnungen sogar überhaupt nicht. Gott schenkt offensichtlich seinen Gemeinden jeweils die Gaben, die sie in ihrer aktuellen Situation benötigen. Das mag in Korinth anders als in Rom oder in Ephesus gewesen sein und sich auch heute noch von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden. Eine Gemeinde ist also nicht dann gesegnet, wenn sie alle möglichen Gaben besitzt, sondern dann, wenn sie alle notwendigen Gaben, nach Gottes Willen, einsetzt.

Bei der weiten Spanne der möglichen Gaben ist es wichtig, keine bewussten oder unterbewussten Wertungen zu machen. Es gibt weder kleine noch große Gaben, keine wichtigen oder unwichtigen. Jede Gabe, die Gott seinen Gemeinden schenkt, wird benötigt. Paulus vergleicht die verschiedenen Gaben der Gemeinde mit Körperteilen. Wenn ein einziger Teil des Körpers krank ist und ausfällt, leidet der ganze Mensch.

Welche Gaben, Aufgaben oder Wirkungen in der Gemeinde auch anzutreffen sind, sie alle haben einen gemeinsamen Ursprung:

„Es sind verschiedene Gaben; aber es ist „ein" Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist "ein" Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist „ein" Gott, der da wirkt alles in allen.“ (1Kor 12,4-6)

Grundsätzlich lassen sich die biblisch bezeugten Gaben in drei Arten aufteilen.

Gaben des Geistes

„Es sind verschiedene Gaben; aber es ist „ein" Geist.“

„In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem "einen" Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.“ (1.Kor 12,7-10)

Hier werden Gaben angesprochen, die der Heilige Geist offenbart. Diese Gaben teilt der Heilige Geist aus. Ob Menschen sie haben, oder nicht, ist unabhängig von ihren Neigungen. „Dies alles aber wirkt derselbe "eine" Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will“ (V.11).

Den Gaben aus der Kraft des Heiligen Geistes wird im Rahmen der „natürlichen Gemeindeentwicklung“ auch der Begriff Vollmacht zugeordnet. Kein Christ muss, aber jeder Christ kann sie haben. Vollmacht alleine wird, wenn sie z.B. nicht eingesetzt wird, kaum Wirkung zeigen.

Gaben des Dienstes – Aufgaben

„Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist "ein" Herr.“
„Darum heißt es (Psalm 68,19): »Er (Jesus Christus, Anm. d.R.) ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.« … Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer“ (Eph 4,8+11).

Die hier beschriebenen Gaben entsprechen eher Aufgaben, Diensten oder Ämtern in die Jesus ruft, als Fähigkeiten. Sie können daher am Besten mit „dem Menschen zugeteilte Dienstgaben“ beschrieben werden. Die griechischen Texte des Neuen Testaments benutzen an dieser Stelle für die Bezeichnung der Gaben das Wort „Geschenk“. Nicht die Dienstgaben selber sind hierbei das Geschenk, sondern die von Gott befähigten Menschen sind sein Geschenk an die Gemeinde.

Den Dienstgaben wird im Rahmen der „natürlichen Gemeindeentwicklung“ auch der Begriff Engagement zugeordnet. Dienstgaben besitzt man nicht von Anfang an. Um sie auszuüben benötigt man zusätzlich weitere Gaben, so wird Engagement ohne Vollmacht nicht seine volle Wirkung zeigen können.

Gaben der Motivation, des inneren Antriebs – Charismatische Gaben

„Und es sind verschiedene Kräfte“

„…und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.“ (Röm 12,6-8)

Hier geht es um Gaben, die Gott oft schon mit der Geburt in einen Menschen hineingelegt hat. Diese Gaben bestimmen das Handeln, sind Motivation, geben Kraft, zeigen Wirkung und machen nicht selten einen wesentlichen Teil der Persönlichkeit aus. Neben den in der Bibelstelle erwähnten Gaben finden sich hier unter anderem auch: Opferbereitschaft, Gastfreundschaft, Musikalität, Kreativität, Erkenntnis, aber auch eher profane Eigenschaften wie Organisa-tion oder handwerkliche Begabung.
Diesen charismatischen Gaben, die sich auf das Handeln der Menschen auswirken und dort Wirkungen zeigen, wird im Rahmen der „natürlichen Gemeindeentwicklung“ auch der Begriff Weisheit zugeordnet. Weisheit ist der von Gott geschenkte „persönliche Teil“, den Christen in ihren Dienst einbringen und sie vervollständigt Vollmacht und Engagement.

… „aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“

Gabentest

Die Begabung eines Menschen, im Sinne der von Gott geschenkten Gaben, ist ein sicherer Hinweis auf seine Berufung in der Nachfolge Jesu Christi. Gott beruft Menschen nicht in eine Aufgabe, für die er sie nicht begabt hat und umgekehrt: Wer entdeckt, dass er bestimmte Gaben hat, diese aber nicht einsetzt, kann ziemlich sicher sein, dass er nicht seiner Berufung gemäß lebt.2
Gaben und somit Begabungen und Aufgaben zeigen sich in der Nachfolge Jesu Christi auf vielfältige Art und Weise. Oft sind sie klar und deutlich erkennbar, manchmal jedoch auch verborgen oder überlagert durch Gewohnheiten, Ängste oder die Ansicht, nicht begabt zu sein. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, von Gott begabt und zu einer besonderen Aufgabe berufen zu sein. Hier helfen oft Gebete und seelsorgerliche Gespräche, die den Horizont erweitern und sensibel für geschenkte Begabungen machen. Eine weitere Möglichkeit für Christen, ihre Begabungen zu entdecken, ist ein Gabentest.

Die Funktion eines Gabentests besteht darin, ein möglichst objektives Bild über die potenziellen Begabungen aufzuzeigen. Ein Gabentest kann nie über die Verteilung von Aufgaben in der Gemeinde entscheiden, aber er kann den Mitarbeitern bei der Entscheidung, ob und wie sie eine Aufgabe übernehmen, helfen. Insbesondere neuen Mitarbeitern kann der Gabentest eine hilfreiche Orientierung geben, an welchen Stellen sie sich in die Gemeindearbeit mit einbringen können.

Im christlichen Umfeld gibt es vielfältige Gabentests, die, je nach theologischer Ausprägung der Verfasser, unterschiedliche Schwerpunkte setzen. In den Apostolischen Gemeinden soll der „3-Farben-Gabentest“3 nach Christian A. Schwarz verwendet werden, da dieser Test konfessionell unabhängig ist und auf der Methodik der „natürlichen Gemeindeentwicklung“ aufbaut. Auch wenn dieser Gabentest mit dazu beitragen kann, Mitarbeiter auf ihre von Gott geschenkten Begabungen aufmerksam zu machen, entbindet er aber nicht davon, beständig um die Erweckung und die Erkenntnis von Gaben in unseren Gemeinden zu beten.

1 Begriff nach Christian A. Schwarz, z.B. in „Die natürliche Gemeindeentwicklung“, C&P Verlag
2 Nach Christian A. Schwarz, „Die 3 Farben deiner Gaben“, C&P Verlag, (z.B.: S. 44)
3 Christian A. Schwarz, „Die 3 Farben deiner Gaben“, C&P Verlag

Ausgabe