Liebe Leser

was ist das Gegenteil von Dank? Undank! Mir war es bis dato nicht bewusst, dass Dankbarkeit, respektive Undankbarkeit der Bestandteil eines Gesetzestextes ist.
Wen es interessiert, der kann es nachlesen im BGB Paragraph 530. Eine Schenkung kann man binnen eines Jahres rückgängig machen, wenn man dem Beschenkten „grobe Undankbarkeit“ nachweisen kann.

Erstes Szenario: Die Frau blickt sorgenvoll in die RTL-Kamera: Kaum hatte der missratene Enkel sein Grundstück, war es mit seiner Liebe und Fürsorge aus und vorbei. Jetzt will sie es wieder zurück, ihr Grundstück.
Sie fühlt sich betrogen. Rückgabe wegen „groben Undanks“, wie es das oben erwähnte Gesetz vorsieht. Und sie bekommt ihr Recht. Und der Enkel geht leer aus. Das ist fair – oder nicht?

Mir fällt eine Zeile aus Matthias Claudius‘ Gedicht vom Mond ein: „Wir stolze Menschenkinder, sind eitel arme Sünder…“ und ich wage es kaum, weiter darüber nachzudenken: was wäre, wenn…?
Was wäre, wenn Gott uns nach unseren menschlichen Gesetzen richten würde.

Zweites Szenario: Es ist Erntedank. RTL ist dabei. Und Gott blickt sorgenvoll in die Kamera: Kaum hast du dein „Grundstück“, dein Erbteil von Gott und schon ist es aus mit deiner Liebe und deiner Fürsorge. Aus und vorbei. Und jetzt will er es wieder haben.
Er fühlt sich betrogen. Und Gott macht vom Paragraphen 530 BGB Gebrauch. Er fordert es wieder ein – wegen „groben Undanks“, wie es das Gesetz vorsieht. Und er bekommt sein Recht. Und du gehst leer aus. Das ist fair – oder nicht?

Wie war es mit der Dankbarkeit der zehn Aussätzigen, die Jesus heilte. Dieses dritte Szenario möchte ich hier nicht schildern. Das Gesicht von Jesus möchte ich nicht sehen, wenn er auf die neun wartet.
In dieser Ausgabe des HEROLD könnt ihr neun sehr einleuchtende und faire Gründe lesen, warum der Undank doch siegen sollte. Das ist doch fair – oder nicht?

Ich wünsche uns allen eine goldene Herbsteszeit und weit und breit leuchtende Birnen. Sie wurden nicht gepflanzt vom alten Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Sondern von unserem Schöpfer. Er schenkt sie uns und wir dürfen sie pflücken. Kostenlos und einfach so. Bevor wir kräftig reinbeißen, ermahnen wir uns selbst ein wenig mit dem Satz: „Wie sagt man?“ DANKE, Vater.

Bärbel Dahmen

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