Wir können nicht immer Pressing spielen

Ein (persönlicher) Jahresrückblick in Bezug auf die Jahreslosung

Als ich gefragt wurde, ob ich nicht kurzfristig einen Artikel für die letzte Ausgabe des Herolds schreiben könnte, habe ich zugesagt. Dass, wie sooft, die Zeit drängt, habe ich wiederholt nicht zur Kenntnis genommen.

Mir fällt zufällig die im Titel bereits zitierte Schlagzeile „Wir können nicht immer nur Pressing spielen“ in der Evangelischen Zeitung (Ausgabe 43/2010 vom 31. Oktober 2010) auf und mir wurde sehr schnell bewusst, dass sie voll ins Schwarze meines Lebens trifft.
Wie sieht mein Leben denn aus? Ist es nicht geprägt von Hektik, Stress, Zeitnot, Krankheit, Beruf und Familie …

Der nächste Gedanke bringt mich zu meinen Mitmenschen: Geht es nicht allen so? Spielen wir nicht alle ständig Pressing? Stehen wir nicht ständig unter Strom und fahren Volllast bis zum oder manchmal auch über dem Anschlag?

Da der Begriff Pressing aus dem Sport kommt, soll er hier zunächst kurz erklärt werden: Pressing heißt zu Deutsch soviel wie „Druck machen“.
Es handelt sich um eine spieltaktische Variante im Sport. Pressing nennt man das (kurzzeitige, längere oder ständige) Anrennen z.B. auf das Tor des Gegners, woran sich außer dem Torwart alle Spieler der verschiedenen Mannschaftsteile beteiligen.
Die Grundidee ist, dem Gegner möglichst wenig Zeit zu geben, sein Spiel ruhig und kontrolliert aufzubauen und ihn so zu Fehlern zu zwingen. Das Druckspiel beginnt durch frühzeitiges Stören bzw. Bekämpfen des gegnerischen Angriffs bzw. Angriffsversuchs bereits in der gegnerischen Hälfte. Grundvoraussetzungen für Pressing sind hohe Laufbereitschaft der Spieler, Dynamik und entsprechende Kondition.

Unser Leben sieht doch genau so aus, wie es in diesen wenigen Sätzen dargestellt ist: Der Beruf nimmt mich ein, die Familie fordert ihr Recht, eine Krankheit will auskuriert werden, die Gemeinde soll nicht zu kurz kommen und am Ende möchte ich auch noch meine Beziehung zu Jesus Christus pflegen – und jedem will ich 100% geben!

Diese Rechnung kann schon rein mathematisch nicht aufgehen, da wir nur mit 100% von allem, was uns Gott mitgegeben hat, agieren können.
Sehr schnell kommen wir an den Punkt, all diesen Forderungen nicht gerecht werden zu können. Wir sind Menschen mit begrenzter Kraft, Intelligenz und auch Begabungen, machen Fehler und sündigen. Allein können und werden wir dieses Dilemma nicht lösen.
In diesem Moment kommt die Jahreslosung aus Johannes 14,1 für das ablaufende Kalenderjahr ins Spiel: Jesus Christus spricht: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“

Unter diesem Blickwinkel möchte ich hier einige kurze Eckpunkte meines Jahres 2010 darstellen, um daran deutlich zu machen, welche Rolle eine Jahreslosung in unserem Leben spielt, ohne, dass wir uns dessen immer bewusst sind.
Es drängt sich die Frage auf: Was hat diese Losung für mich persönlich, meinen Glauben sowie den Dienst in der Gemeinde vor Ort und den verschiedenen Aufgaben in der Apostolischen Gemeinschaft in diesem Jahr bedeutet und wie steht sie zu der zitierten Schlagzeile?

Mein Jahr 2010 beginnt damit, dass ich mich von relativ schwerer Krankheit erholt habe, die ich mir sinnigerweise während einer Jugendfreizeit im Bereich Norddeutschland abgeholt habe. In der Zeit der Krankheit und Erholung haben mich viele Fragen beschäftigt: Werde ich wieder ganz gesund? Kann ich die Aufgaben, die ich übernommen habe, weiter ausfüllen? Was will Gott überhaupt, dass ich im Jahr 2010 konkret für und mit ihm tue?

Wenn ich dann auf die Jahreslosung schaue, spricht Jesus zu mir ganz persönlich: „Thomas, dein Herz erschrecke nicht. Glaub´ an Gott und glaub´ an mich!“
Was bleibt mir bei der Zusage anderes übrig, als Gott zu sagen: „Wenn DU mir das sagst, werde ich mich auf das Wagnis mit DIR einlassen.“

Insgesamt kann ich heute rückblickend sagen, dass das Jahr 2010 für mich persönlich, trotz einiger kleineren Tiefen, einen durchweg guten Verlauf genommen hat und uneingeschränkt feststellen: Die Zusage der Jahreslosung hat sich bewahrheitet und gilt! Auch wenn ich, wie sooft, zuviel Pressing gespielt habe!

Das Jahr schreitet voran und, Gott sei Dank, ich konnte kurzfristig am Mitarbeiterseminar zu Jahresanfang teilnehmen. Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen mit Glatteis, starkem Schneefall und Schneeverwehungen war es diesmal eine sehr kleine Runde. Dennoch habe ich die Tage als sehr wohltuend empfunden und Gottes Wirken in der Apostolischen Gemeinschaft gespürt. Der Samstagnachmittag war davon geprägt, dass (nach meiner Kenntnis) erstmals zu einem solchen Anlass ein Gastredner eingeladen war, der uns die fünf Grundpfeiler der Allianzarbeit näher brachte:

• die Allianz ist eine
Einheitsbewegung

• die Allianz ist eine
Gebetsbewegung
• die Allianz ist eine
Missionsbewegung

• die Allianz ist eine
Bibelbewegung

• die Allianz ist eine
Bewegung,

die Einfluss nehmen möchte auf gesellschaftliche Entwicklungen.
Spontan denke ich an die Liedzeile „Komm heraus aus deiner Ecke“ und mir wird bewusst, dass wir uns in der Entwicklung unserer Gemeinschaft mitten in der Jahreslosung und der Schlagzeile befanden: Nicht erschrecken, sondern mutig den von Gott gezeigten Weg gehen! – Aber Achtung: Nicht nur Pressing spielen! Mach auch mal Pause und nimm dir Zeit auf Jesus zu hören.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Gottesdienstes. Woran ich mich jetzt noch sehr gern erinnere; ist die vor dem Gottesdienst gezeigte Fotopräsentation vom ersten GdJt (Gesamtdeutscher Jugendtag), der 2008 in Hamburg stattfand und die im Anschluss stattfindende Information zum anstehenden GeT4Ju 2010 (Gesamteuropäische Tagung für Jugendliche).
Verbunden war die Information mit einer Einladung an alle Jugendlichen – ob nun apostolisch oder nicht.

Bei der abschließenden Gebetsgemeinschaft und spontanen Spendensammlung wurde mir sehr deutlich, dass wir mit Gott unterwegs auf dem richtigen Weg sind und ER seine Zusage im Jahr 2010 wahrmachen wird: Habe keine Angst, habe Mut und glaube an mich!

Spiele Pressing, aber mach auch mal Pause und nimm dir Zeit für deine Beziehung zu Jesus Christus.
Bevor Pfingsten kommen konnte, haben wir in meiner kleinen Ortsgemeinde in der Stadt Herford beschlossen, ein Gemeindeprofil zu erheben (wo steht die Gemeinde, was sind ihre Stärken, was sind ihre Schwächen, worauf sollten wir unsere Energie konzentrieren?).
Nach intensiver Vorbereitung mit viel Überlegen und Planen haben wir mit der Gemeinde in Seminarform das Thema aufgearbeitet. In Abständen von zwei bis drei Wochen haben wir sonntags nach einer Andacht (jeweils durch einen Mitarbeiter gestaltet) Themenblöcke bearbeitet, die schließlich in der Erhebung des Gemeindeprofils mündeten. Im Anschluss an eine Analyse mit der Gemeinde, wurden im Mitarbeiterkreis erste Maßnahmen beschlossen, die zeitnah in die Tat umgesetzt werden.
Auch hier hat die Jahreslosung gezeigt, worum es geht: Es geht darum, nicht mutlos zu sein, sondern an IHN zu glauben und IHN in den Mittelpunkt zu stellen.
Es bleibt aus meiner Sicht nur festzustellen, dass Gott uns in SEINER Apostolischen Gemeinde in der Stadt Herford gesegnet und beschenkt hat.

Ein anderes Geschehen im Zusammenhang mit der Natürlichen Gemeindeentwicklung war das Wochenende zum Erfahrungsaustausch im Haus Patmos in Siegen. Der Gedanke, sich über die Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und sich Mut zu machen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen oder einen neuen unbekannten Weg einzuschlagen, war neu und mit viel Unsicherheit verbunden.
Dennoch sind wir mit Gott losgegangen und durften sehr schnell feststellen, dass das Wochenende durch ihn geleitet war und allen gezeigt hat, dass wir bei Gott Kraft tanken können und nicht in Aktionismus verfallen müssen – also nicht dauernd Pressing spielen müssen!

Mit Blick auf die Jahreslosung können wir froh sagen, dass der neue – unbekannte – Weg richtig und von Gott gesegnet ist!
Nun komme ich noch mal auf Pfingsten und den GeT4Ju 2010 zurück. Da bereits viel über den Jugendtag berichtet und geschrieben wurde, möchte ich mich an dieser Stelle kurz fassen und eine Situation aus der Planungsphase schildern, die mich auch jetzt noch staunen lässt.
Im Verlauf der Vorbereitungen an einem Wochenende sind wir an einen Punkt gekommen, an dem es nicht mehr richtig weiterging. Will sagen: Wir hatten uns verrannt und das Wichtigste aus den Augen verloren: Jesus Christus!
Weil wir nicht mehr weiter wussten, haben wir eine Pause eingelegt, in der jeder Zeit für sich hatte.
Als wir dann wieder zusammengekommen sind, haben wir gemeinsam gebetet und anschließend einfach mal eine Zeit lang nichts gesagt. Nun konnten wir mit neuer Kraft und dem Spüren der Nähe Gottes weiter machen und sind gut vorangekommen und konnten zu Pfingsten einen von unserem Herrn vorbereiteten, durchgeführten und gesegneten GeT4Ju 2010 erleben. So kann es uns ergehen, wenn wir nur noch Pressing spielen und das Wichtigste vergessen!

Nun geht das Jahr allmählich dem Ende zu und wir befinden uns in der Adventszeit. Das ist nach meiner Sicht der richtige Zeitpunkt; die Schlagzeile noch mal in den Blick zu nehmen und mal im Tempo des Lebens innezuhalten. Nehmen wir uns doch gerade jetzt mal eine Auszeit und vertiefen unsere Beziehung zu Jesus Christus oder lassen sie neu aufleben.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine ruhige und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit mit einem Blick zurück, aber auch mit einem Blick nach vorn, denn die Losung für 2011 lautet: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 21)

… und wir lesen uns zukünftig
im blickpunkt …

Thomas S. Komm, Melle

Ausgabe