Unsere Ursprünge - unser Weg 8

8. Mission am Ende der Welt – Australien

In Teil 5 und 6 dieser geschichtlichen Serie wurde die Entwicklung der Gemeinden um Heinrich Geyer und Friedrich Wilhelm Schwarz nach der Trennung von den Katholisch-Apostolischen Gemeinden 1863 in Hamburg dargestellt. In Deutschland kam es zur Gründung der Allgemeinen christlichen apostolischen Mission (AcaM) und nach einer weiteren Spaltung ab 1878 zur Neuapostolischen Kirche. Der erste Apostel der AcaM, Carl Louis Preuß, kam im Jahr 1863 nach Schladen im Königreich Hannover nahe der Grenze zu Preußen. Dort hielt er, durch Vermittlung von Fritz Vollbohm, abends einen Gottesdienst im Hause der Witwe Niemeyer. Im damaligen Königreich Hannover herrschte jedoch keine Religionsfreiheit und so waren die Zusammenkünfte illegal. Apostel Preuß wurde deshalb am nächsten Morgen verhaftet und in das Spritzenhaus im zehn Kilometer entfernten Wöltingerode eingesperrt. Dort war er drei Tage inhaftiert, bis er als "harmlos" identifiziert wurde. Dieser Vorfall sprach sich in der Kleinstadt Schladen schnell herum und bewirkte, dass die Aufmerksamkeit der Einwohner auf die apostolische Lehre gelenkt wurde. Künftig versammelte man sich in einem nahen Waldstück, das bereits zum Königreich Preußen gehörte, und dort wurden Friedrich Krebs und Fritz Vollbohm als erste Mitglieder der „neuen Ordnung“ außerhalb Hamburgs versiegelt. Auch Georg Gustav Adolf Ruff und der Sohn der Witwe Niemeyer, Heinrich Friedrich, die später zu Aposteln werden sollten, wurden hier am 17. Juli 1864 versiegelt. Gleichzeitig wurden die Brüder Krebs und Vollbohm zum Unterdiakon ordiniert. Friedrich Krebs selbst missionierte danach im Harz, und auch im Braunschweiger Raum und wurde 1866 zum Priester und 1874 zum Ältesten ernannt. 1866 brach der Krieg zwischen Preußen und Österreich aus, in dessen Folge das Königreich Hannover unterging und Preußen eingegliedert wurde, wodurch die Religionsausübung der apostolischen Gemeinden sehr erleichtert wurde. Nachdem die Gemeinde durch Wegzüge (Krebs nach Wolfenbüttel, Niemeyer nach Australien, Ruff nach Worms, Vollbohms in die nähere Umgebung) und Todesfälle immer weiter geschrumpft war, wurden die Gottesdienste in Schladen in den 1880er Jahren eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkreig fanden wieder neuapostolische Gottesdienste in Schladen statt. 1948 wurde eine neuapostolische Gemeinde gegründet. Diese bestand bis April 2008 und wurde dann in die Gemeinde Dorstadt integriert.
Der Bahnarbeiter Heinrich Friedrich Niemeyer (*11. Dezember 1853) wurde 1883 im Alter von nur 30 Jahren von Apostel Preuß zum Evangelisten ordiniert und zur Mission nach Australien entsandt. Er siedelte mit seiner Frau und seinen drei Kindern dorthin um und kam zunächst am 28. Juni 1883 in Brisbane an, wo die Familie bei seinem Schwager unterkam und auch zunächst für fünf Monate Arbeit fand. Dann baute er eine Farm in Grandchester im Bundesstaat Queensland auf. Seine Frau und die Kinder kamen erst später aus Brisbane nach. Er begann unter schwierigen persönlichen Umständen mit der Missionstätigkeit. Er war hauptsächlich unter deutschen Einwanderern erfolgreich tätig. Am 12. November 1884 nahm er Kontakt zu einer Gruppe in Mount Beppo auf, die sich ihm in der darauf folgenden Zeit anschloss. In den Grandchester Mountains konnten Anhänger gewonnen werden und auch in Hatton Vale, wohin dann die Farm verlegt wurde und sich heute noch die Zentrale der australischen Kirche befindet. In Hatton Vale lernte Niemeyer eine Familie Klibbe kennen, woraus die Gemeinde in Tarampa entstand und die später noch für die südafrikanische Kirchengeschichte wichtig werden sollte. So zählte die "Apostolische Einheits-Kirche" in Queensland bereits nach relativ kurzer Zeit etwa 80 Mitglieder. Deshalb wandte sich Niemeyer an die deutschen Apostel, die ihn während der ganzen Zeit zwar spirituell aber nicht finanziell oder materiell unterstützt hatten, um die Versiegelungsfrage zu erörtern. Die Versiegelung konnte nur von einem Apostel durchgeführt werden und in einer Gebetsgemeinschaft mit den deutschen Aposteln wurde Evangelist Niemeyer 1886 im Alter von 33 Jahren zum Apostel gerufen und nach Deutschland zur Ordination bestellt. Er reiste mit dem Diakon A. Dargusch in die alte Heimat, wo er am 25. Juli 1886 in Osterode als Apostel für Australien auf dem Hof eines Bauern namens Fricke von den Aposteln Menkhoff und Krebs ordiniert wurde. Die drei Apostel Menkhoff, Krebs und Niemeyer verfassten bei dieser Zusammenkunft, kurz nach dem Tod von Apostel Preuß, auch einen Brief an Apostel Woodhouse von den katholisch-apostolischen Gemeinden. Darin zeigten sie dem letzten Apostel der „alten Ordnung“ die Unterschiede zwischen beiden „Ordnungen“ auf und warfen ihm und seinen verstorbenen Mitaposteln Fehler (so z.B. bei der Wiederbesetzung des Apostolats, bei der Liturgie- und Gewänderfrage sowie bei der Versiegelung) vor. Gleichzeitig riefen sie ihn in vollem Sendungsbewusstsein ihrer eigenen Rechtmäßigkeit zur Versöhnung auf. Apostel Woodhouse hat diesen Brief allerdings nie beantwortet.
Niemeyer kehrte nach Australien zurück und widmete sich dem weiteren Gemeindeaufbau; in Baffle Creek, Binjour Plateau, Malmoe, Goomeri und an weiteren Orten konnten Gemeinden von deutschen Einwanderern gegründet werden. Im Jahre 1906 weilte Niemeyer als Apostelältester (der Apostel, der zu dieser Zeit das Apostelamt am längsten inne hatte) wieder in Deutschland zu einer Apostelkonferenz. Es war das Jahr nach dem Tode des ersten Stammapostels Friedrich Krebs. Dessen Nachfolger Hermann Niehaus hatte Niemeyer wohl wegen der schwierigen Situation besonders in Süddeutschland aber auch wegen Statutenänderungen des von Niehaus gegründeten Apostelbundes gebeten nach Europa zu kommen. Niemeyer war nicht mit der Entwicklung des Stammapostelamtes als kirchenleitendes „Oberamt“ einverstanden und favorisierte eher ein System selbständiger Apostelbereiche, die vom jeweils ältesten berufenen Apostel (also ihm) geeint werden sollten. Ebenso war die prophetische Rufung mit dem Erstarken des Stammapostelamtes und der Einführung der Lehre vom „Neuen Licht“ (siehe Beitrag Nr. 7 „Christus im Fleisch“ der Geschichtsartikel) abgeschafft worden, was Niemeyer als Häresie (=Abfall vom wahren Glauben) betrachtete. Die neuapostolische Rundschau berichtet im Jahre 1909 von einer Weihnachtsfeier in Hatton Vale mit vielen Personen und warnt in einem anderen Bericht vor einer Auswanderung nach Australien. Apostel Niemeyer muss unter den deutschen Gläubigen massiv für eine Auswanderung und Ansiedlung in Queensland geworben haben, was den deutschen Aposteln und insbesondere Stammapostel Niehaus nicht gefiel.
Wahrscheinlich im Dezember 1911 wird Niemeyer aus dem internationalen Apostelbund ausgeschlossen, was aber nicht bedeutet, dass er auch seines Amtes enthoben und exkommuniziert worden ist. Mit Brief vom 24. Oktober 1911 aufgegeben an der Adresse des Apostels Carl August Brückner (Forsthausstraße 7, Dresden-Blasewitz, dem späteren Sitz des Reformiert-Apostolischen Gemeindebundes) schreiben die Apostel Bornemann, Hallmann, Bock, Brückner, Güldenpfennig, Bischoff, Oehlmann, Steinweg und van Oosbree, dass sie, die europäischen Apostel hinter Stammapostel Niehaus stehen und mit ihm , Niemeyer, keine Gemeinschaft mehr pflegen wollen. Stammapostel Niehaus schreibt zu diesem Ausschluss aus dem Apostelkreis in einem Zirkular vom 28. November 1912: „Ich habe Niemeyer kein Amt gegeben und werde ihm auch keins abnehmen, alles richtet Gott zu seiner Zeit selbst.“ Zu dieser Zeit gab es also mindestens zwei unterschiedliche Arten von Aposteln, nämlich solche, die nicht von einem Stammapostel eingesetzt worden waren (wie z.B. Obst, Klibbe und Niemeyer) und solche, die zur Zeit des Stammapostolats der Aposteleinheit beigetreten waren oder von ihm ordiniert wurden. Erstere konnten nach damaliger Vorstellung nicht vom Stammapostel ihres Amtes enthoben werden, letztere jedoch wohl. Vordergründig wurde behauptet Niemeyer habe sich für die Einwanderung von Deutschen nach Australien bezahlen lassen und sei dadurch reich geworden. Im Buch „Alte und neue Wege“, das 1912 in Leipzig erschienen ist, wird nichts von einem Ausschluss Niemeyers erwähnt, wohl, dass er „sich wenig an den Apostelring gehalten, vielmehr nach eigenen Ideen missioniert (hat), was bei der großen Entfernung auch begreiflich war.“ Nach dem Ausschluss aus dem Apostelbund folgten ihm fast alle australischen Mitglieder der Apostolischen Einheits-Kirche, der die Gemeinden nun Echt-Apostolische Kirche nannte und unabhängig von den neuapostolischen Aposteln und dem Stammapostel weiterführte. In der ersten Jahreshälfte 1912 wurde von den europäischen Aposteln der ebenfalls nach Australien ausgewanderte Priester Jakob Dietz als Priester für Australien bestätigt, um sich der Geschwister anzunehmen, die nicht bei Niemeyer verbleiben wollten. Umgekehrt beauftragte Niemeyer den Priester Dortmund in Deutschland sich unzufriedener Neuapostolischer anzunehmen.
1913 sandte Apostel Niemeyer seinen Sohn Wilhelm (Willy) Niemeyer nach Deutschland um gegen "die Ungerechtigkeit in Gottes Werk zu kämpfen". Heinrich Friedrich Niemeyer selbst reiste nach Ostern 1913 zusammen mit seiner Frau und den Evangelisten Richter und Kirchner nach Deutschland. Hier berief er wohl einige Apostel für die Echt-Apostolische Kirche, wie sich die Gemeinden nach der Trennung von der NAK nannten. Der Evangelist Richter trennte sich später von Niemeyer. Es bildeten sich kleine Gemeinden, überwiegend von ehemaligen neuapostolischen Personen, in Braunschweig, Harburg und Berlin. Nach 1914 scheinen sich die deutschen Echt-Apostolischen Gemeinden sehr verringert zu haben, u.a. auch durch Auswanderung nach Australien. Die verbliebenen Gemeindemitglieder haben sich wohl auch der Hersteld Apostolische Zendingkerk von Apostel Schwarz aus den Niederlanden, die auch in Deutschland einige wenige Gemeinden unterhielt, zugewandt.
Während des Ersten Weltkrieges war Niemeyer in Australien wegen seiner deutschen Herkunft interniert. Dadurch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand sehr und er kam erst Ende 1917 durch einen Akt des queensländischen Premiers T.J. Ryan frei. Er musste nach Dubbo ziehen, wo er bis Oktober 1919 bleiben musste bevor er als freier Mann nach hause zurück kehren durfte. Er verstarb am 29. Februar 1920 im Alter von 67 Jahren. Sein Sohn Wilhelm (Willy) war bereits am 25. Dezember 1912 von seinem Vater als Apostel ordiniert worden und übernahm die Kirchenleitung. In den 1920er Jahren wurde außerdem als Predigtsprache das Deutsche durch das Englische abgelöst und der Name von „Echt-Apostolische Kirche“ in "The Apostolic Church of Queensland" geändert. Zu dieser Zeit gab es wohl noch ein Prophetenamt, welches die anderen Amtsgaben rief. Es wurde offenbar abgeschafft, denn in der Folgezeit wurden Amtsrufungen und -einsetzungen aufgrund von Träumen und Gesichten der Geschwister und Amtsträger vorgenommen. Wilhelm Niemeyer starb bereits am 29. Januar 1929 im Alter von nur 44 Jahren. Sein Nachfolger wurde der Bischof Emil Zielke, der allerdings erst am Weihnachtstag 1929 in Hatton Vale zum Apostel ordiniert und eingesetzt wurde. Bisher ist nicht klar, wer diese Einsetzung vornahm, denn es gab zu dieser Zeit keinen Apostel in Australien. 1930 wurde ein neues Gesangbuch herausgegeben, dass im ersten Teil deutsche und im zweiten Teil englische Lieder enthielt. Erst 1937 wurde die letzte Konfirmation in deutscher Sprache und 1938 die erste Konfirmation in englischer Sprache gehalten. Am Karfreitag 1931 wurde in Hatton Vale der Älteste H. Velde aus Südafrika von Apostel Zielke für Südafrika als Apostel eingesetzt.
1950 wurde in Hatton Vale die erste steinere „Kathedrale“ der Apostolic Church of Queensland nach Plänen von Karl Langer gebaut und am 2. Dezember 1950 eingeweiht. In ihrem Ursprungszustand fasste die Kirche über 1.200 Personen, nach Erweiterungen sind es heute ca. 2.500. Außerdem wurde 1980 ein Gemeindehaus mit 1.600 Sitzplätzen gebaut.
Am 18. und 19. Januar 1956 fand in Düsseldorf eine Zusammenkunft mehrerer, zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Gründen von der Neuapostolischen Kirche getrennten oder ausgeschlossenen Aposteln statt. Am 24. Juli 1956 konstituierte sich dann die Vereinigung der Apostel der Apostolischen Gemeinden. Dieser schloss sich auch Apostel Zielke an. Dies war bei den vielen Spaltungen des apostolischen Werkes der erste größere Zusammenschluss. 1958 besuchte Apostel Peter Kuhlen Australien und besuchte zusammen mit Apostel Emil Zielke alle australischen Gemeinden.
Emil Zielke setzte im April 1961 im Ostergottesdienst in Bundaberg zwei Apostel ein: den Priester Arnold Edward Zielke (1905-1988) und den Ältesten Arnan Niemeyer (1908-1995). Die Kirche wurde in zwei Bezirke: Nord- und Süd-Queensland geteilt. Am 13. März 1963 verstarb Apostel Emil Zielke. 1968 flogen die zwei Apostel Arnold Zielke und Arnan Niemeyer mit etlichen Geschwistern nach Südafrika und dann zusammen mit dem dortigen Apostel Erasmus nach Deutschland zur ersten Konferenz aller Apostel der „Vereinigung der Apostel der Apostolischen Gemeinden“. Am 12. April 1977 trat Apostel Niemeyer in den Ruhestand. Er hatte zwei Tage zuvor, am Osterfest, noch Mervyn D. Zischke (1927-1988) zu seinem Nachfolger für den südlichen Bezirk ins Apostelamt ordiniert. 1981 wurde von Apostel Zielke und dem Priester Clifford Flor ein Religionsunterricht für Apostolische an staatlichen Schulen eingeführt. 1986 besuchten beide australischen Apostel die internationale Apostelkonferenz in den Niederlanden. Im Jahre 1988 starben in sehr kurzer Folge die beiden amtierenden australischen Apostel ohne Nachfolger eingesetzt oder benannt zu haben: Apostel Zielke am 5. Januar und Apostel Zischke am 27. November. Die Bischöfe Robert N. Graffunder (Nordbezirk) und Reuben H. Zischke (Südbezirk) übernahmen die kommissarische Leitung der apostellosen Kirche. Aufgrund der Verbindungen innerhalb der Vereinigung oblag es den europäischen Aposteln neue Kirchenleiter einzusetzen. Dabei erwiesen sich deutliche Unterschiede zwischen Europa und Australien, da auf dem fünften Kontinent Träume eine große Rolle spielten. Auch wollte der konservativere Südbezirk nur einen neuen Apostel und keine Neubesetzung beider Stellen. Erst am 23. September 1990 erfolgte deshalb die Ordination des Ältesten Kenneth L. Dargusch (Süd-Queensland) und des Priesters Clifford Flor (Nord-Queensland) zu Aposteln im Beisein von 1.500 Geschwistern in der Zentralkirche in Hatton Vale (Australien) durch den südafrikanischen Apostel Erasmus. Die Apostel Gaßmeyer aus Deutschland und Kröner aus den Niederlanden dienten mit.
Die Apostolic Church of Queensland ist heute in einen nördlichen und einen südlichen Distrikt geteilt. Der Nordbezirk wird von Apostel Clifford Flor aus Bundaburg geleitet und umfasst 16 Gemeinden. Dem Südbezirk mit 12 Gemeinden steht Apostel Kenneth L. Dargusch aus Hatton Vale vor. Es scheint, dass aktuell beide Bezirke eher neben denn miteinander existieren.
Von Australien aus begann in den 1990er Jahren durch Apostel Flor eine andauernde Mis­sionstätigkeit auf den Philippinen, die zur Gründung der United Apo­stolic Church of the Philippines mit aktuell 26 Gemeinden in drei Bezirken führte. Außerdem besteht eine Mission in Kenia unter dem Namen Unity Apostles Church. Auch in Neuseeland, Japan, Myanmar und Kanada gibt es Missionen. In Pakistan gibt es aktuell etwa 30 Gemeinden in den vier Bezirken Lahore, Raiwind, Patto Ke und Basur im Großraum Lahore mit ca. 1.630 Mitgliedern. Sie werden vom Ältesten Earnest Riaz betreut. Im Februar 2010 sandte Apostel Flor einen Evangelisten Edwin Riaz nach Pakistan, welcher Kontakt zu einem Bezirks-ältesten Earnest Riaz aufnahm. Wahrscheinlich ist der Evangelist Edwin Riaz mit dem am 14. Oktober 1952 geborenen Edwin Riaz identisch, der am 18. September 1988 als 342. Apostel der Neuapostolischen Kirche für Pakistan ordiniert und am 20. Juni 2000 seines Amtes enthoben wurde. Außerdem wurden von den Europäern die sehr kleinen Restgemeinden der indischen United Apostolic Church India im Jahre 2008 übernommen und werden nun wieder aufgebaut.
Das Logo der Kirche ist das 4R-Symbol. Die vier "R" stehen für: right - royal - righteous - rich. Richtig in Bezug auf die biblischen Schriften, königlich in Bezug auf die Brautgemeinde Christi, rechtschaffen in Bezug auf die Teilhabe am Leib und Blut Christi und reich in Bezug auf die Zu­sagen Christi an seine Apostel.
Die europäischen Apostel der Vereinigung der Apostolischen Gemeinschaften haben seit den 1970er Jahren die Lehre der Neuapostolischen Kirche sukzessive reformiert und 1984 mit dem Glaubensbuch Was wir glau­ben eine umfassende eigene Lehraussage getroffen, die sich biblisch orientiert. Diese Reformation wurde von Apostel Zielke mitgetragen, Apostel Zischke hingegen stand ihr ablehnend gegenüber. Das Glau­bensbuch ist dennoch ins Englische übertragen, aber teilweise verän­dert worden, und heißt Book of Faith. Es wird auf der Webseite der Australier dargestellt. Apostel Zielke trat außerdem für weitere Änderungen in der Kirche ein, stiess bei Apostel Zischke aber auch damit auf Widerstand. Die australischen Gemeinden haben heute noch ein Glaubensbekenntnis aus vier Artikeln.

Glaubensbekenntnis der Apostolic Church of Queensland

1. Wir glauben an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde.1
2. Wir glauben an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes des Vaters unseren Herrn und Heiland, der empfangen wurde durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungsfrau Maria, gelitten hat am Kreuz, gestorben und begraben wurde, hinab gestiegen ist in das Reich des Todes, am dritten Tag auferstanden ist, seine Jünger 40 Tage lang über das Reich Gottes unterrichtete, zum Himmel auf- und eingefah­ren ist wo er als Hohepriester zur Rechten Gottes des Allmächtigen thront, von dort wird er wiederkommen seine Erwählten zu holen und am Tag des Jüngsten Ge­richts wird er die Lebenden und Toten richten.2
3. Wir glauben an den Heiligen Geist, die Heilige Universelle Apostolische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden und die Auferstehung zu ewi­gem Leben.3
4. Wir glauben, dass Jesus Christus das Haupt seiner Kirche ist, die er leitet und durch den Heiligen Geist führt und dass er ihr seine Apostel sandte und noch sen­det4.

Die Artikel 1 bis 3 entsprechen weitgehend dem Apostolikum wobei hier im Hinweis auf die „universelle apostolische Kirche“ die Einheit der apostolischen Gemeinden des eigenen weltweiten Verbundes betont wird. Man hat hier wohl eher nicht die gesamte Kirche Christi der Notae Ecclesiae im Blick, sondern nur die eigene Kirchenabteilung. Der vierte Artikel entspricht dem europäischen Artikel 4 des Bekenntnisses von 1984. Auf weitere Artikel über die Sakramente bzw. die Wiederkunft Christi haben die Australier im Gegensatz zu den Europäern verzichtet. Die Einführung des Apostolicums als neues Bekenntnis ohne Sonderlehren, welches die Europäer 2005 durchführten, wurde weder von den Australiern, noch von den Südafrikanern mitgetragen und ausgeführt.

In den 1990er Jahren gingen die europäischen Apostel der Vereinigung daran, die Frauen­ordination zu diskutieren und schließlich 2003 zu beschließen und ab da umzusetzen. Ebenso wurde das Kirchen-, Sakraments- und Amtsverständnis begonnen grundlegend zu überarbeiten. Die Australier folgen hier ebenfalls nicht. Daher gibt es neben starken liturgi­schen nun auch lehrmäßige Abweichungen zu den europäischen Gemeinden. Das Apo­stelamt wird auf der Südhalbkugel wesentlich stärker betont und als heilsnotwendig be­trachtet. Das allgemeine Priestertum der Gläubigen ist gegenüber dem ordinierten Amt da­her von geringer Be­deutung.
Der sonntägliche Gottesdienst folgt nachstehender Liturgie:
Aufruf zur Anbetung durch ersten Glockenschlag
zweiter Glockenschlag ruft die Amtsbruder zum Altar
Eröffnung im Namen des dreieinigen Gottes
Gemeindelied
Eingangsgebet
Chor- oder Gemeindegesang
Textwortverlesung
Predigt(en) unterstützt von Bibeltexten
evtl. Chorgesang zwischen zwei Predigten
Dankgebet für die Wortverkündigung
Vaterunser
Gebet, welches zum stillen Sündenbekenntnis führt
Zusprache von Gottes Gnade in der Sündenvergebung
Dankgebet für die Sündenvergebung
Gemeindegesang während das Abendmahl vorbereitet und die freiwilligen Spenden zum Altar gebracht werden
Aussonderung des Abendmahls / Segnung der Spenden
Abendmahl, zunächst für die Amtsträger, dann für alle Verlangenden in der Gemeinde
Dankgebet
besonderes Dankgebet von Gemeindemitgliedern
Schlussgebet
Gemeindegesang
aaronitischer Segen
Gemeindegesang eines dreifachen Amens und des apostolischen Segens.
Chorgesang während die Amtsträger und Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen
Änderungen dieser Liturgie kommen bei Taufen, Versiegelungen und sonstigen Segenshandlungen vor. Nach dem Gottesdienst versammeln sich die Kinder und Jugendlichen zur Sonntags- bzw. Jugendschule.
Es ist zu erkennen, dass die australische Liturgie länger ist als die euro­päische. Gottesdienste dauern auch gewöhnlich mehrere Stunden und die Geschwister verbringen oft den ganzen Tag zusammen, nach dem Gottesdienst im immer vorhandenen Gemeindehaus und bei sportli­chen Aktivitäten.
Die Kleidung der Amtsträger unterscheidet sich ebenfalls von dem eu­ropäischen dunklen bzw. gedeckten Anzug. Apostel tragen vor und nach dem Gottesdienst beim Ein- und Auszug in die Kirche einen Cut und ei­nen Zylinder. Schwarz – wie in der neuapostolischen Kirche – ist die An­zugfarbe. Außerdem tragen die Amtsträger keine Krawatten, sondern schwarze Fliegen.

Volker Wissen, Februar 2011

Literaturangaben:
www.apostolicchurchqld.org.au – Homepage der Apostolic Church of Queensland
www.apwiki.de – Webseite mit apostolischen Inhalten
Ostheimer, Andreas: Neue Apostel und Echte Apostel in: Tagungsband des Netzwerkes Apostolische Geschichte am 12. und 13. September 2009 in Lengenfeld und Netzschkau, Nürtingen 2009
www.queenslandplaces.com.au/hatton-vale
The Apostolic Church of Queensland: History from the Commencement of Faith – Mackay Community 1888-2008
Vereinigung der Apostolischen Gemeinden: Was wir glauben, Band II, Flamatt 1990
Vereinigung der Apostolischen Gemeinschaften: Der Herold 1969, S. 3-14
Salus: Alte und neue Wege, Leipzig 1912

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